Böhmermann, Varoufakis und die Griechenland-Debatte : Wir sind Stinkefinger

Unser Autor hat sehr viel weniger Humor als alle Böhmermänner dieser TV-Welt zusammen. Und das ist auch gut so. Ein Kommentar.

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Pat M. soll Jan Böhmermann als Armdouble für Varoufakis gedient haben.
Pat M. soll Jan Böhmermann als Armdouble für Varoufakis gedient haben.Screenshot: Tsp

Es gab da eine Hoffnung. Dass das Aufregerlein ein Aufregerlein bleibt. Dass der Mittelfinger des griechischen Finanzministers Yanis Varoufakis nach dem Auftritt bei „Günther Jauch“ in dessen Hosentasche, dass der „Stinkefinger“ im Archiv und die ganze Debatte darum aus den Köpfen verschwindet. Dass die Eurokrise um Griechenland wieder in ihrer wahren Dimension erkannt und behandelt wird.

Jetzt befeuert Jan Böhmermann die „Stinkefinger“-Show neu. Er hat behauptet - Achtung, Satire - , die Manipulation bewerkstelligt zu haben. Die Trolle im Netz toben, wer twittern kann, der twittert, „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann ist vorne mit dabei.

Was heißt: Mehr Mitmenschen als sonst üblich sind verrückt geworden. Unwillig, sich auch nur zwei Millimeter in die vertrackte Griechen-Causa zu versenken, wickeln sie sich um den „Stinkefinger“. Der ist Symbol, der hat Kraft, der bringt offenbar das ganze Dilemma auf einen Mittelfinger. Und Jan Böhmermann, der mit seinem ersten Varoufakis-Video den Minister mehr als grenzgenial und absolut preiswürdig in die Rammstein-Dämonen-Sphäre gehoben hatte, der feixt sich jetzt eins.
Und er haut das „Günther Jauch“-Publikum in die Pfanne. Mutti und Vati wollten sich nach dem „Tatort“ noch mal richtig aufregen. Sind alle Spießer, alle doof, die Jauch-Gucker. Böhmermänner und Böhmerfrauen gehören selbstverständlich nicht dazu. Das sind aber ganz coole Checker. Böhmermann, Oliver Welke („heute-show“) und all die anderen Größen aus der Krachmacherstraße sind Afterkünstler. Andere müssen liefern, erst dann haben die Lustig-Menschen Material und Idee.

Das alles ist nicht entscheidend. Entscheidend ist, dass die Ernsthaften und Kümmerer, also jene, denen Griechenland wichtig ist und kein „Stinkefinger“ in Randeuropa, Kurs halten. In der ZDF-Talkshow „Maybrit Illner“ wird am Donnerstag über „Grexit“ diskutiert, in der „Phoenix Runde“ das nämliche Thema debattiert. Das ist richtig und wichtig, bedenklich würde es erst, sobald der „Stinkefinger“ das Relevant-TV erreicht. Wenn „Günther Jauch“ über den „Stinkefinger“ an sich diskutiert. Und Jan Böhmermann in der Runde sitzt. Dann ist Griechenland verloren.

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