Boulevard-Magazin : Warum die deutsche "Closer" auf Hollande verzichtet

In Frankreich hat die Zeitschrift "Closer" mit ihrem Bericht über die Affären von Präsident Hollande beinahe eine Staatskrise ausgelöst. Davon lassen sich deutschen Kollegen nicht beeindrucken.

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Repro: Tsp
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Laurence Pieau kennt das schon. Als sie Oben-ohne-Paparazzi-Bilder von Prinzessin Catherine druckte, bekam sie nicht nur eine Menge Ärger, sondern sogar Morddrohungen. „Ich habe nur meinen Job gemacht“, sagte sie damals und reagierte damit genauso trocken, wie auf den Ärger, der ihr nun erneut droht.

Pieau ist Chefredakteurin der französischen Ausgabe von „Closer“, mit der aktuellen Sonderausgabe hat sie fast eine Staatskrise ausgelöst. In der Titelstory veröffentlichte sie angebliche Beweise für eine Affäre des Staatschefs François Hollande mit der Schauspielerin Julie Gayet. Der Präsident musste sich dazu auf seiner Jahrespressekonferenz am Dienstag äußern. „Unser Job ist es, Liebesgeschichten zu erzählen“, kommentierte Pieau lediglich.

Mit der Hollande-Geschichte entspricht sie dem, was „Closer“ sein will: näher dran an den Stars. Statt Kuschel-Interviews mit Von-und-Zus gibt es hier „Schock-Fotos“ und „Riesen-Streit“, Paparazzi-Bilder statt inszenierter Homestorys – ein Konzept, mit dem die britische Bauer-Tochter Emap 2002 das Heft zu Europas größtem People-Magazin gemacht hat. In Deutschland ist „Closer“ erst 2012 im Bauer-Verlag gestartet und wächst seither rasant. Rund 224 000 Exemplare verkauft das Magazin wöchentlich am Kiosk, ein Plus von 35,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal.

In der aktuellen Ausgabe steht kein Wort über Hollande. Stattdessen setzt Chefredakteur Tom Junkersdorf auf dem Titel konsequent auf nationale Themen: Sylvie Meis und die „Enthüllung, wie sie Männer aussucht“, ein „Sex-Geständnis“ von „Dschungelcamp“-Kandidatin Melanie, „fieses Mobbing“ bei Mesut Özils Freundin Mandy Capristo. „Closer“ ist Trash-TV für den Kiosk.

„Star sein ist kein Schicksalsschlag, man sucht sich das aus“, sagte Junkersdorf der „Süddeutschen“ und klingt dabei so wenig mitleidig wie seine Kollegin Pieau. Sonja Álvarez

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