Burgers Wahrheit : Liegt schwer im Magen

Nach dem Quoten-Rekord mit dem „Lidl-Check“ prüft die ARD nun Fast-Food-Gigant McDonald’s.

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Testessen. Burger und Pommes frites verschiedener Fast-Food-Ketten: Welche davon schmecken am besten – und welche sind von McDonald’s?
Testessen. Burger und Pommes frites verschiedener Fast-Food-Ketten: Welche davon schmecken am besten – und welche sind von...Foto: WDR

Am vergangenen Montag ereignete sich in der umkämpften Fernseh-Primetime eine kleine Quoten-Sensation: „Der Lidl-Check“ schraubte sich mit 6,3 Millionen Zuschauern und einem Marktanteil von 18,5 Prozent in für die ARD nie gekannte Quotenhöhen bei Dokumentationen. Sogar Günther Jauch hatte mit seinem RTL-Millionärs-Quiz (6,04 Millionen) das Nachsehen. Seit „Hart aber fair“ im September auf den Montag gerückt war, schaffte nur eine einzige der zuvor ab 20 Uhr 15 ausgestrahlten Dokus im Ersten – allesamt Naturfilme – mehr als vier Millionen Zuschauer. War der „Lidl-Check“ nur ein einmaliger Ausreißer? Auch der zweite Teil der vom WDR aus dem dritten Programm ins Erste entsandten „Markencheck“-Reihe verspricht ein breites Publikumsinteresse, denn es geht um McDonald’s, den Marktführer im Bereich Schnellfutter.

Allein in Deutschland gibt es 1386 Filialen des US-Konzerns, die täglich von 2,7 Millionen Kunden aufgesucht werden. Und im Gegensatz zu Lidl spielte McDonald’s bei den Dreharbeiten bereitwillig mit. Manager und Firmensprecher standen Rede und Antwort und ließen Kamerateams in der Versuchsküche und beim Fleischlieferanten zu. Geholfen hat es nichts: Die Noten fallen durchweg schlecht aus, wenn man mal davon absieht, dass die zweifelhafte Einstufung „raffiniert“ in der Testkategorie „Verführung“ dem Unternehmen schmeicheln dürfte. „Qualität“ wird diesmal gar nicht erst untersucht, es geht ja um Fast Food, sondern „Bekömmlichkeit“. Erwartungsgemäß fand das Labor viele Kalorien, aber wenige Ballaststoffe.

Dass Burger schwer im Magen liegen, ist nicht überraschend, aber die Mischung aus der WDR-Fernsehküche ist wieder abwechslungsreich, anschaulich und locker-flockig angerichtet. Eine ganze Fußballmannschaft aus Kindern stürmt den McDonald’s-Stand, Pizza und Nudeln sind chancenlos. Doch die Kinder werden auch im Studio verkabelt, ihre unterbewussten Reaktionen auf verschiedene Marken gemessen. Der Ernährungspsychologe Thomas Ellrott nennt die mit Spielzeug angereicherten „Happy Meal“-Pakete „Einstiegsdroge“. Der Film von Jochen Taßler und Jochen Leufgens hinterfragt die Botschaften von Werbespots, in denen glückliche Familien angeblich „wissen, wo’s herkommt“, beschränkt sich aber auf Hühnchenfleisch. Und um die Arbeitsbedingungen zu testen, über die besonders bei den 1136 Franchise-Filialen geklagt wird, schickte der WDR sogar einige Studenten „undercover“ los.

Was diesmal fehlt: Der Blick über den Tellerrand, etwa auf den Zusammenhang von massenhaftem Fleischverbrauch in Europa und der Abholzung von Regenwald in Südamerika. Dennoch wird hier eine große, überall präsente Marke durch solide, zum Teil aufwendige Recherche in ihre Einzelteile zerlegt. Das Ergebnis macht nicht satt, aber doch ein bisschen schlauer. Und wer gar nicht genug bekommen kann, der kann anschließend den Plasberg-Talk „Hart aber fair“ um 21 Uhr im Ersten einschalten. Thema: „Billig, schnell und fett – machen Burger und Discounter unser Essen kaputt?“ Da werden McDonald’s und Lidl gemeinsam verarbeitet.

„Der McDonald’s-Check“, 20 Uhr 15, ARD

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