Casting der klassischen Art : Villazón und die Stars von morgen

In einer Arte-Reihe begibt sich der Tenor auf Talentsuche. Geboten wird modernes Ruckzuck-Fernsehen.

von
Rolando Villazón.
Rolando Villazón.Foto: ARTE

Rolando Villazon,Stars von morgen,Arte Show,Arte SendungAm Ende musizieren sie alle gemeinsam, singen, streichen, zupfen, trompeten „Guten Abend, gute Nacht“ – da wird es im coolen Ambiente der Berliner Kulturbrauerei mit den nackten Backsteinwänden und den bunten Neonröhren für einen Moment ganz bildungsbürgerlich, ganz volksliedhaft-gemütlich. Im übrigen aber ist die Neuauflage der einst von Montserrat Caballé präsentierten Klassik-Talentshow „Stars von morgen“ natürlich modernes Ruckzuck-Fernsehen. Da muss alles ganz schnell gehen: In Einspiel-Filmchen werden die jungen Interpreten vorgestellt, dann dürfen sie ein Häppchen Kunst darbieten, anschließend geht es auf die Lounge-Couch, wo sie mit dem moderierenden Tenor Rolando Villazón und einem Gast-Experten ein Anderthalbfragen-Interview absolvieren. Unter solchen Bedingungen ist kaum mehr als Smalltalk drin - dennoch funktioniert die Show, weil sie neugierig macht, einen Darüber-Will-Ich-Mehr-Wissen-Reflex auslöst.

Dass die Newcomer nicht nach dem Aussehen gecastet, sondern aufgrund ihrer künstlerischen Substanz ausgewählt worden sind, beweist gleich der erste Interpret, Violinvirtuose Valery Sokolov. Das Diva-Gen hat dagegen die in Berlin ausgebildete Sopranistin Olga Peretyatko, die charmant erzählt, wie sie sich schon als Dreijährige bei jedem Familienfest in den Vordergrund spielte. Authentisch wirken auch Gitarrist Milos Karadaglic und Trompeter Francisco Pacho Flores.

In der ihm eigenen, hibbeligen Art gibt Rolando Villazón den gut gelaunten Conférencier, und auch die Verpflichtung von Patrick Lange, dem 30-jährigen Chefdirigenten der Komischen Oper, sowie dem Orchester „Junge Sinfonie Berlin“ passen gut zum aufgefrischten Erscheinungsbild dieser Messe der Meister von morgen. Nur bei der Wahl des Schriftzugs für die Sendung haben sich dann doch wieder die uralten Vorurteile durchgesetzt: Wo Klassik drauf steht, müssen verschnörkelte Buchstaben drin sein.

„Rolando Villazón präsentiert Stars von morgen“, Arte, Sonntag, 18 Uhr 20

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