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Charmeoffensive : Google pumpt 150 Millionen Euro in europäischen Journalismus

Google will den europäischen Digital-Journalismus fördern: Mit 150 Millionen Euro möchte der Konzern das Verhältnis zur europäischen Verlagsbranche entspannen.

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Mischt sich in europäische Medienhäuser ein: Der US-Suchmaschinenkonzern Google.
Mischt sich in europäische Medienhäuser ein: Der US-Suchmaschinenkonzern Google.Foto: AFP / Karen Bleier

Nach den jahrelangen Streitigkeiten wirkt es wie ein Friedensangebot. Der Suchmaschinengigant Google will mit 150 Millionen Euro das Verhältnis zur europäischen Verlagsbranche entspannen. Das Geld soll in den kommenden drei Jahren der Förderung des digitalen Journalismus dienen .In einer „Digital News Initiative“ kooperiert Google mit acht Zeitungen aus Europa, darunter die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, die „Zeit“ und der britische „Guardian“. Drei internationale Journalisten-Vereinigungen sind ebenfalls an der Initiative beteiligt.

„Vielleicht haben wir uns in der Vergangenheit nicht genug bemüht, unsere Partner zu verstehen“, sagte der zuständige Google-Manager Carlo D’Asaro Biondo in einem Interview mit der „Financial Times“. Mit seiner millionenschweren Charmeoffensive will Google dieses Versäumnis nun nachholen – denn in Europa sieht sich Google bereits mit starkem Widerstand konfrontiert. Die EU-Kommission wirft dem Unternehmen im Bereich des Suchmaschinenrankings unfairen Wettbewerb vor – Google droht aus Brüssel insgesamt eine Strafe von rund sechs Milliarden Euro. In mehreren europäischen Ländern gibt es zudem Streit um die Darstellung von Verlagsinhalten bei Google News und der Google-Suche.

„Wir haben gemerkt, dass wir ein Problem haben und unsere Strategie in Europa ändern müssen“, erklärte D’Asaro Biondo. Google schlägt deshalb versöhnliche Töne an – man will den europäischen Verlagen die Hand reichen in einer Zeit, in der deren Geschäftsmodelle unter dem Druck der Digitalisierung stehen. Neben den acht großen Zeitungspartnern der neuen Initiative ist diese deshalb offen für weitere Medien. Für den Innovationsfonds könne sich jeder bewerben, auch reine Online-Medien oder Start-ups.

Streit um die "Snippets"

Damit will Google helfen, die Medien digital fit zu machen, gleichzeitig ist das Unternehmen offenbar auch bereit, eigene Dienste, wie Google News, zu verändern. In Deutschland ringt eine Vielzahl von Verlagen darum, ob Google ihnen Geld bezahlen muss, wenn kleine Fragmente ihrer Artikel, sogenannte „Snippets“, in der Nachrichten-Suchmaschine anzeigt werden. Die „FAZ“ und die „Zeit“ beteiligen sich nicht an der VG Media, die Forderungen gegenüber Google geltend macht.

Wie stark die beteiligten Verlage von ihrem Pakt mit dem Suchmaschinenkonzern tatsächlich profitieren werden, ist unklar. In einer Arbeitsgruppe wollen sie sich darüber austauschen, wie die Bedürfnisse von Medienhäusern stärker in den Produkten von Google berücksichtigt werden können. Zudem soll es Weiterbildungen für Journalisten geben. In Paris, Hamburg und London will Google eigenes Personal zur Weiterentwicklung digitaler Kompetenzen in Redaktionen einsetzen.

Aust: Die Marktmacht muss man nicht akzeptieren

Stefan Aust, früherer „Spiegel“-Chefredakteur und Herausgeber der Tageszeitung „Die Welt“, sieht Google unverändert kritisch. „Die Marktmacht von Google ist extrem groß, das muss man nicht akzeptieren“, sagte er am Montag bei der Ringvorlesung „Alles online? Zur Digitalisierung von Politik und Publizistik“ am Otto-Suhr-Institut der FU Berlin. Er plädierte dafür, dass in Europa „viel Geld in die Hand“ genommen wird, um eine Konkurrenz zu Google aufzubauen.
Aust machte außerdem deutlich, welchen Weg er sich für deutsche Verlage vorstellt, die im Internet bislang kaum Geld verdienen. „Die Lösung ist eine stärkere Integration von Print, Internet und Fernsehen, die die Vorteile von allen drei Formen vereint.“ Wie er das meint, ist beim Axel Springer Verlag schon in Ansätzen zu beobachten: Seit Anfang 2015 ist „Die Welt“ in der WeltN24-Gruppe mit dem Fernsehsender N24 vereint – das ermöglicht trimediale Projekte und den ständigen Zugriff auf eigenes Bewegtbildmaterial. Aust nennt das eine „gewaltige Chance“. Zeitung, Internet und Fernsehen zusammenwachsen zu lassen, sei „die größte Herausforderung, die es derzeit im Medienbereich gibt“. Die perfekte Synthese sei allerdings noch nicht in Sicht.

Mehr Umsatz, Traffic und Bindung des Publikums

Ohnehin sind die Verlage darauf angewiesen, dass die Nutzer deren Inhalte – Texte, Videos oder interaktive Projekte – auch finden. Schätzungen zufolge kommt derzeit die Hälfte aller Klicks auf Nachrichtenseiten über Google-Suchanfragen. Mit der „Digital News Initiative“ könnte der Konzern die beteiligten Verlage noch stärker an sich binden. Gemeinsam wolle man überlegen, „wie durch neue Produkte Umsätze, Traffic und die Bindung des Publikums gesteigert werden können“, hieß es in einer Google-Mitteilung. Als Plattform soll die Arbeitsgruppe dienen, der zu Anfang die acht Gründungsmitglieder der Initiative angehören. Ein ähnliches Programm zur Finanzierung von Innovation im Journalismus legte Google bereits in Frankreich auf. Dort stellte der US-Konzern Anfang 2013 einen Fonds mit 60 Millionen Euro bereit.

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