Chefredakteure kündigen : "Neon" und "Nido" wollen nicht nach Hamburg

Von der Isar an die Elbe will Gruner + Jahr seine Magazine „Neon“ und „Nido“ holen. Doch darauf haben die Redaktionen wenig Lust. Sie sagen: "Dahoam is dahoam". Jetzt gibt es erste personelle Konsequenzen.

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Pfiat di. Patrick Bauer und Vera Schroeder verlassen „Neon“ und „Nido“.
Pfiat di. Patrick Bauer und Vera Schroeder verlassen „Neon“ und „Nido“.Foto: Promo

Kann bei einer Redaktion das funktionieren, was bei einem Baum möglich ist? Kann sie entwurzelt und an einem neuen Ort wieder eingepflanzt werden, ohne dass sie Schaden nimmt? Darauf setzt der Verlag Gruner + Jahr, der fünf seiner Münchner Redaktionen nach Hamburg holen will. „Eltern“, „P.M.“, „Wunderwelt Wissen“, „Neon“ und „Nido“ sollen 2014 von der Isar an die Elbe ziehen, um zu „Communities of Interest“ zusammengeführt zu werden. Doch dabei wollen die 120 Mitarbeiter von „Neon“ und „Nido“ nicht mitmachen – wie ernst es ihnen ist, zeigt die Personalie von Dienstag.

Die Redaktion fürchtet um ihre Unabhängigkeit

Die beiden Chefredakteure Vera Schroeder und Patrick Bauer haben die Führung der beiden Titel abgegeben. Neuer Chefredakteur wird Oliver Stolle, 39, zuvor Textchef und Berater der Chefredaktion. „Dass Vera Schroeder und Patrick Bauer eigene Wege gehen, ist sehr schade. Ich respektiere ihre Entscheidung“, erklärte „Neon“-Herausgeber Andreas Petzold.

Es könnten nicht die einzigen beiden Mitarbeiter aus der Mannschaft bleiben, die sich entscheiden, eigene Wege zu gehen. Nur wenige Redaktionsmitglieder wollen in die Hansestadt. Nicht allein aus familiären Gründen. Sie fürchten vor allem, dass sie durch die engere Bindung ans Mutterhaus ihre Unabhängigkeit verlieren, die sie als eine Grundlage für ihren Erfolg sehen, heißt es aus der Redaktion.

5000 Euro Umzugkosten werden übernommen

Seit die „Neon“ vor ziemlich genau zehn Jahren in München gegründet worden ist, hat sie sich zum Vorzeigetitel des Verlags entwickelt. Zwar schwächelte sie zuletzt, doch verkaufte sie im 3. Quartal monatlich noch immer rund 217 000 Exemplare in der Zielgruppe der jungen Erwachsenen, die sich angeblich nur noch für Facebook & Co interessiert. Auch der Spin-off „Nido“ kommt mit rund 60 000 Exemplaren bei den jungen Eltern gut an.

Dass nicht alle Mitarbeiter in die Hansestadt ziehen, dürfte G+J eingeplant, womöglich kalkuliert haben, ein kompletter Austausch der Redaktion aber wird kaum gewünscht sein. Bis November sollten sich die Mitarbeiter eigentlich entscheiden, ob sie nach Hamburg wechseln. Rund 5000 Umzugskosten und 5000 Euro Einrichtungskosten plus zwei Freiflüge nach München will der Verlag angeblich übernehmen. Das scheint viele Mitarbeiter nicht zu überzeugen. Sie sagen: „Dahoam is dahoam“ und wollen bleiben. Mit ihren Magazinen. Sonja Álvarez

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