Christina Ricci als Zelda Fitzgerald : Süß und verloren

In der Amazon-Serie „Z: The Beginning of Everything“ nähert sich Christina Ricci der Autorin Zelda Fitzgerald an.

Party! Zelda (Christina Ricci) und F. Scott Fitzgerald (David Hoflin).
Party! Zelda (Christina Ricci) und F. Scott Fitzgerald (David Hoflin).Foto: Amazon

Kevin Bacon in „I love Dick“, Billy Bob Thornton in „Goliath“, Ron Perlmann in „Hand Of God“ oder jetzt Christina Ricci in „Z: The Beginning Of Everything“, der Serie über die wilde Beziehung von Zelda und F. Scott Fitzgerald – es ist schon erstaunlich, wie viele Hollywood-Darsteller sich derzeit durch eine Serien-Hauptrolle via Streamingdienste wieder in den Vordergrund spielen. Oft übernehmen sie dabei auch noch den Produzenten-Part. Wobei das im Falle Ricci doppelt interessant ist, spielt der ehemalige Kinderstar („Addams Family“) mit der Rolle der Zelda Fitzgerald auch ein wenig gegen das eigene Image an.

Christina Ricci alias Zelda Fitzgerald lässt tief blicken. In Kostümen und promiskuitiven Schwelgereien. Etwas zu viel Oberfläche, etwas zu viel Glamour. Man hätte gerne mehr über das Fundament, über die Beziehung eines der besten US-Schriftstellers des 20. Jahrhunderts zu seiner Frau erfahren. Als die Lyrikerin Edna St. Vincent Millay F. Scott Fitzgerald auf einer Party fragt, was seine Ehefrau eigentlich so täte, antwortet er: „Zelda? Naja ... sie liebt mich. Sie ist – Zelda, sie muss doch nichts tun.“

Blick zurück auf die Roaring Twenties

Das soll eines der progressivsten Paare seiner Zeit gewesen sein, der Roaring Twenties? Die Serie, die schon vom Titel her vorgibt, mehr über die Richterstochter Zelda zu erzählen, und das am Anfang in Montgomery mit reichlich Party, Tanz und Herrenwahl (US-Soldaten warten auf die Einberufung zum Weltkrieg in Europa) auch einlöst, bedient am Ende doch wieder männliche Referenz- und Erwartungsrahmen. Über Zeldas Innenleben schweigt sich die Serie aus. Klinikaufenthalte, Schizophrenie, die Veröffentlichung ihres einzigen Romans, die zunehmende Unterdrückung durch Scott, das wirkt wie abgehandelt.

Immerhin, an der Legende F. Scott Fitzgerald (David Hoflin) wird gekratzt. Wir erfahren, dass der Schriftsteller ganze Passagen aus Zeldas Tagebüchern übernahm. Zitate aus seinen Romanen „Der große Gatsby“ und „Die Schönen und Verdammten“ fließen in Zeldas Gedanken aus dem Off ein „Und am Ende waren wir alle nur Menschen (...) betrunken von der Idee, dass Liebe, nur Liebe, unsere Gebrochenheit heilen könne.“ Oder auch: „Alles ist süßer, wenn es verloren ist.“

Verloren auch die Chance, eine großartigere Serie nicht nur über Künstler und die Frau an seiner Seite zu machen, sondern auch eine echte Annäherung an die berühmte Zelda Fitzgerald. Am Ende hat das Ganze doch eher was vom „Haus am Eaton Place“. Markus Ehrenberg
„Z: The Beginning of Everything“, zehn Folgen bei Amazon Prime

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