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Comeback im Zweiten : Kerner kommt aus der Versenkung zurück auf die Fernsehbühne

Mit dem ZDF ist er zum Star geworden. Dann ging er zu Sat1 und es ging abwärts mit "JBK".

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Es drohte die berühmt-berüchtigte Frage: Was macht eigentlich Johannes B. Kerner? Irgendwas mit Fernsehen, wäre eine bloße Spekulation, denn Kerner hielt seinen Arbeitsstatus sorgsam bedeckt. Der einstige Star-Moderator des ZDF war in der Versenkung verschwunden. Jetzt taucht er wieder auf – im ZDF. Mit zwei neuen Shows geht Kerner im Herbst auf Sendung, einer neuartigen Zeitreise-Show und dem unvermeidlichen „Deutschlands Quiz-Champion“. Kerners Comeback hängt direkt zusammen mit dem „Moderatoren-Notstand“, in das das Zweite geraten war, als Jörg Pilawa seine Rückkehr zur ARD verkündet hatte.

Im ZDF wird plötzlich nur Gutes über „JBK“ gesagt, Unterhaltungschef Oliver Fuchs lobpreist den Rückkehrer als „perfekte Besetzung“. Vor vier Jahren war das Tischtusch zerschnitten. Der Überall-Moderator Kerner – Talkshow, Quiz, Fußball, Kochen – hatte bei Vertragsverhandlungen überzogen, der damalige Programmdirektor (und heutige Intendant) Thomas Bellut war alles als unglücklich über Kerners Wechsel zum Privatsender Sat 1. Dort sollte Kerner nicht richtig froh werden. Sein Magazin „Kerner“ kam nicht auf Touren, das zuvor bei Gott nicht auf sich selber gemünzte Diktum „Wer über Quote reden muss, hat schon verloren“, holte den Verwöhnten ein. Auch die Show „Deutschland gegen...“ und das „Das große Allgemeinwissensquiz“ brachten Sender und Moderator die Erkenntnis, dass Fernsehruhm nicht mal eben so von einem Programm in ein anderes transferiert werden kann. Das ZDF-Publikum mochte den Kerner (sehr viel als die messerscharfe Kritik vor allem an seiner übermenschelnden Talkshow), der Sat-1-Zuschauer wurde mit dem gebürtigen Bonner nicht warm.

Da hatte sich der sportbegeisterte Journalist schon ein zweites Standbein geschaffen. Er moderierte die Fußball-Bundesliga für „Liga total“ auf der Entertain-Plattform der Deutschen Telekom. Aber nur bis zum Ende der vergangenen Saison, da hatte die Telekom genug vom verlustreichen Bundesliga-Engagement – und der vierfache Familienvater stand blank da. Nun muss sich keiner Kerner als armen Mann vorstellen. Mehr als 25 Jahre hat der 48-Jährige im Fernsehen gearbeitet, vor und hinter der Kamera, mal mit eigener (und teuer verkaufter) Produktionsfirma, mal ohne. Werbefigur war der mit der früheren Hockeynationalspielerin Britta Becker verheiratete und für seine kompetenten Sport-Moderationen vielfach ausgezeichnete Kerner auch. Er war Testimonial für Mischwurst, Mineralwasser und andere Produkte. Dass er als öffentlich-rechtlicher Moderator den Börsengang von Air Berlin pries und dafür gehörig gerüffelt wurde, schien Kerner nicht wirklich zu stören. Da war er noch im Höhenflug, weit weg von den Niederungen des Alltags und der Alltagsmenschen.

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