Comeback von "Wetten, dass..?" : Das bewegt Deutschland!?

Comeback im ZDF: Eine Mini-Ausgabe von „Wetten, dass..?“ befeuert Spekulationen. Im Grunde hat Thomas Gottschalk nichts zu verlieren.

Top, die Wette gilt. Am 2. September kehrt Thomas Gottschalk mit seinem Showklassiker wieder ins Fernsehen zurück – wenn auch nur für ein paar Minuten.
Top, die Wette gilt. Am 2. September kehrt Thomas Gottschalk mit seinem Showklassiker wieder ins Fernsehen zurück – wenn auch nur...Foto: dpa

Was, Thomas Gottschalk kehrt zu „Wetten, dass..?“ zurück. Gut, ganz so weit ist es noch nicht. Der Entertainer, der zuletzt mit seinen Shows bei Sat1 und RTL wenig Glück hatte, tritt im Rahmen der ZDF-Show „Wir lieben Fernsehen – Unsere größten TV-Momente“ in einer Art Mini-„Wetten, dass..?“ an. Ausgestrahlt wird das am 2. September. Anders als früher ist der 67-Jährige nicht der Gastgeber, sondern Gast, empfangen von Steven Gätjen und Johannes B. Kerner, die zusammen mit Gottschalk auf die 215 Folgen der größten Fernsehshow Europas zurückblicken. Auch eine Wette soll dabei sein. Damit werden die Spekulationen über ein Comeback von „Wetten, dass..?“ mit Gottschalk nochmals befeuert.

DAS SPRICHT FÜR EIN COMEBACK

Thomas Gottschalk war „Wetten, dass..?“, Gottschalk ist „Wetten, dass..?“, warum soll er es nicht wieder sein? Das Showprinzip an sich – A-Promis auf der Wettcouch, Baggerfahrer/Leute wie du und ich auf der Bühne – scheint kein Verfallsdatum zu haben. Dass das Format im Dezember 2014 eingestellt wurde, lag eher an Markus Lanz, dem vom ZDF in der Gottschalk-Nachfolge schlichtweg die falsche Sendung angetragen wurde. Es mag sein, dass mit „Wetten, dass..?“ auch 2018 kein jüngeres Publikum hinterm Ofen hervorzulocken ist.

Das guckt lieber Schulz und Böhmermann auf ZDFneo. Aber es gibt immer noch Samstagabend für Samstagabend 20 bis 30 Millionen Menschen, die gerne linear Fernsehen schauen und sich dabei nicht nur mit Florian Silbereisen, Carmen Nebel oder Helene Fischer herumschlagen wollen. Sage denen keiner, es sei nicht interessant, wenn George Clooney einen Film, Grönemeyer eine Platte vorzustellen hat und Gottschalk drauflosquatscht.

Aus der Sicht des Moderators, der 2011 nach 24 Jahren mit „Wetten, dass..?“ aufhörte, sollte die Sache klar sein: Seine Versuche sind mehr oder weniger gescheitert, das große Publikum mit einer Kindershow bei Sat 1 („Little Big Stars“) oder einem Infotainment-Format bei RTL abzuholen (von seiner Vorabend-Show im Ersten ganz zu schweigen).

1,60 Millionen Zuschauer sahen im Mai die zweite Ausgabe von „Mensch Gottschalk – das bewegt Deutschland“ auf RTL. Nein, das bewegt eben nicht. Thomas Gottschalk hat nichts mehr zu verlieren. Also: Moderator ist da. Idee ist da. Geld ist da (von den Champions-League-Rechten). Publikum ist da.

DAS SPRICHT DAGEGEN

ZDF-Sprecher Alexander Stock sagte dem Tagesspiegel: „Es ist schlicht, wie es ist: Das ZDF plant kein neues ,Wetten, dass..?’“ Die Markenrechte lägen unverändert beim ZDF. Welcher Sender also auch immer mit der Comeback-Idee spielt, der muss mit dem ZDF handelseinig werden. Also niemals. Denn eines fürchtet die Mainzer Fernsehanstalt mehr als alles andere: Dass die Konkurrenz ausgerechnet mit dem Format reüssiert, das das ZDF in seinem Senderbunker weggeschlossen hat.

Wartet Fernseh-Deutschland auf das Comeback von „Wetten, dass..?“? So wie die Dinosaurier der unwirtlichen Lebensumstände wegen ausgestorben sind, so ist der Fernseh-Dino mit dem unglückseligen Markus Lanz sehr zu Recht in die TV-Annalen eingegangen. Alles hat seine Zeit, geht die Binse, was tatsächlich meint: Alles hat seine Zeit gehabt – auch „Wetten, dass..?“ Ein bundesweites Sehnen ist nicht erkennbar.

Die Show mit dem unvergleichlichen Thomas Gottschalk, der „Wetten, dass..?“ zur Thomas-Gottschalk-Show gemacht, sich aber nicht untertan gemacht hat, war TV-Zirkus. Alles war groß, größer, am größten, also auch teuer, teurer, am teuersten.

Das ZDF hat den Fernsehmonat Juni mit 13,4 Prozent Marktanteil abgeschlossen, ein wahrlich herausragender Wert, weil der Zweitplatzierte in der Rangliste, die ARD, nur 10,7 Prozent erreichte. Dieser Abstand ist in der tief fragmentierten Fernsehwelt kurz vor Weltrekord. Natürlich, das Zweite braucht beizeiten Ersatz für den Quotenbringer Fußball-Champions-League, die ab 2018 nicht im ZDF, sondern im Pay-TV zu sehen sein wird.

Aber zwei Ausgaben „Wetten, dass..?“ an 365 Tagen im Fernsehjahr sind kein Ersatz, sie sind unwägbares Risiko. Da geht das ZDF lieber auf Nummer sicher, setzt auf den Moderationsakkordarbeiter Johannes B. Kerner und „Bares für Rares“. Kein spektakuläres, solides Fernsehen.

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