Comedians : RTL rätselt über Quotenabsturz von Mario Barth

Mario Barth ist Deutschlands erfolgreichster Comedian. Doch Quoten und Ticketverkauf deuten eine Krise an.

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Berliner, zur Sonne, zur Freizeit. Wo immer Mario Barth auch auftritt, die Massen sind schon da. Jetzt aber schwächelt Super-Mario. Foto: RTL
Berliner, zur Sonne, zur Freizeit. Wo immer Mario Barth auch auftritt, die Massen sind schon da. Jetzt aber schwächelt...

Zu Mario Barth sind nur zwei Haltungen bekannt geworden: Ablehnung bis zum Hass, Anbetung bis zur Liebe. Mario Barth ist neben Kurt Krömer Deutschlands bekanntester Berliner, jedenfalls auf der Humorstrecke. Krömer nennt Neukölln seine Heimat, Barth stammt aus Mariendorf, allerdings ist es so, dass der Krömer-Fan nicht zugleich Barth-Fan sein will und umgekehrt. Volks-Comedians sind sie beide, unzweideutig tritt Kurt Krömer verspielter, skurriler, kurviger auf, während Barth seine Witze pfeilgeradeaus abschießt. Er ist Brachialkomiker, sein bevorzugtes Niveau lässt die Vermutung zu, dass er die Scherz-Bewegung „Rein-ins-Ohr-durchs-Hirn-zu- den-Lachmuskeln“ bei seinen Fans gerne abkürzt. Stille Momente im Klischee, das ist Mario Barths Sache nicht.

Kurt Krömer bewegt sich momentan im Krebsgang, locker hätte er seine „Internationale Show“ im ARD-Fernsehen fortsetzen können, das will er aber nicht, er möchte wieder intimen Kontakt mit seinem Publikum, lieber im Club als in der Halle. Mario Barth liebt die Masse, die Millionen. Am 12. Juli 2008 hat die „Rampensau“ im Olympiastadion einen Weltrekord aufgestellt. Vor rund 70 000 Zuschauern hat der Comedian sein Live-Programm „Männer sind primitiv, aber glücklich!“ präsentiert. So einen Auftritt vor so viel Publikum hatte noch kein Comedian geschafft. RTL hat aufgezeichnet, eine DVD erschien. Nach diesem Muster hat sich Barth zum Super-Mario der deutschen Comedy-Szene hochgewitzelt. Tourneen, Bücher, sechs Alben, vier DVDs, der Kinofilm „Männersache“, sechs Mal der Deutsche Comedypreis, neun goldene Schallplatten künden von Ruhm und Spitzeneinkommen.

Barths Programme sind eng begrenzte Variationen eines Themas: „Männer sind Schweine, Frauen aber auch!“, „Männer sind primitiv, aber glücklich!“, aktuell „Männer sind peinlich, Frauen manchmal auch!“, eine Trilogie zum Thema Mann und Frau.

Mario Barth gibt seinen geschmacksneutralen Fans stets zu verstehen, dass zwischen seinen Kunstfiguren und ihm selbst nicht ein Löschblatt passt. Alles sei „autobiographisch“, so sei sein Leben nun mal. Der Täter will sein Opfer sein, immerhin, Distanz zu sich selbst sähe der Berliner höchstwahrscheinlich als Verrat an der mit dem Publikum gemeinsamen Sache an. Erlebnisse müssen geteilt werden, dann wird es lustig. Stets hebt er an mit „Kein Witz,...“, der Barth denkt sich nix aus, der will nur zitieren.

Im aktuellen Programm werden Fragen beantwortet wie „Warum brauchen Frauen unbedingt einen Backautomaten?“ „Kann man sich im Urlaub mit der Freundin wirklich erholen?“, was könne alles passieren, wenn der Mann denke, bei Loomi Loomi handele es sich um eine exotische Schönheit – und so weiter und so heiter, alle Facetten zwischenmenschlicher Erwartungen, Entdeckungen und Enttäuschungen werden bedient.

Dieser für Millionen verstehbare und teilbare Scherzansatz wird von Mario Barth, übrigens Absolvent einer katholischen Privatschule und später Messdiener, in grobmaschigen, grobmotorischen Humor verwandelt. Die Zote ist sein Feind nicht, den Spruch „Nichts reimt sich auf Uschi“ hat er sich beim Deutschen Marken- und Patentamt eintragen lassen. Strittig, ob der von Barth stammt, unstrittig, dass der 38-Jährige auch damit Kasse machen will.

2011 sollte alle Rekorde und Rekordzahlen in den Schatten stellen. Aus dem weltrekordhaltigen Stadionauftritt in der Hauptstadt wurde eine weltweit einmalige Stadiontournee mit den Stationen Frankfurt/Main, Gelsenkirchen, Leipzig, am 16. Juli ist Finale im Olympiastadion. RTL wird wieder aufzeichnen und im Herbst ausstrahlen. Schon vor Tourneebeginn schien die Nachfrage derart exorbitant, dass weitere Hallen-Termine für die Tour aufgelegt wurden. In der Zitrone „Mario Barth“ muss unendlich viel Saft sein.

Der Mario-BarthSender RTL steht allerdings geschockt vor den Quoten zur neuen, der fünften Staffel „Willkommen bei Mario Barth“. Die ersten beiden Folgen seit dem 17. Juni verfolgten in der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen 1,39 Millionen, das entspricht einem Marktanteil von 13,9 Prozent. Ausgabe drei am Freitag hat die Stimmung noch verschlechtert: 1,27 Millionen Zuschauer, 13,5 Prozent Marktanteil, ein neuer Tiefpunkt. Staffel vier hatte im Schnitt 2,98 Millionen Zuschauer, ein Marktanteil von 29,3 Prozent, das war bisher Rekord, auch davor konnten Barth und Gäste den gegenwärtigen RTL-Marktanteil von 18,9 Prozent im jungen Publikum locker schlagen. Der Sender rätselt über die Gründe für den Absturz, zumal sich am Konzept nichts geändert hat.

Führt die permanente Mario-Barth-Beschallung zu Ermüdungserscheinungen? Der Branchendienst Meedia berichtet, dass für das Finale der Stadiontour am 16. Juli Stehplätze verramscht werden, ein Tickethändler biete zwei Karten zum Preis für einen, bei Groupon würden Tickets zu Sonderpreisen offeriert. Des Unterhaltungskünstlers Management spricht von Einzel- und Promo-Aktionen. Auch soll Mario Barth, die Werbefigur für einen Mediamarkt, vor dem Aus stehen. Die Barth-Hasser werden jubeln, endlich stürzt die Berliner Schnauze vom Ulk-Olymp. Vorher aber bittet Super-Mario seine Fans zum Event. Gemeinsamer Schlachtruf: Dit is it.

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