Computermagazine : Internet Top, Auflagen Hopp

Die Websites der Computerzeitschriften gehören zu den meistgelesenen Seiten im Netz. Doch die Magazine selbst verlieren immer mehr Leser. Jetzt suchen Verlage nach neuen Strategien.

von
Die höhere Reichweite im Netz gleicht die Auflagenverluste nicht aus. Foto: dpa
Die höhere Reichweite im Netz gleicht die Auflagenverluste nicht aus. Foto: dpaFoto: dpa

An guten Zahlen mangelt es nicht. Mit 12,9 Millionen Lesern schaffte es Computerbild.de auf den sechsten Platz der meistgelesenen deutschen Internetangebote. Damit war das Internetportal des 14-täglich erscheinenden Computermagazins noch erfolgreicher als Bild.de und Spiegel Online, die in der Reichweitenstatistik der AGOF für den zuletzt ausgewerteten Monat November 2011 auf den neunten beziehungsweise zehnten Platz kamen. Auch der „Computer-Bild“-Konkurrent „Chip“ aus dem Hause Hubert Burda Media ist im Netz ein Schwergewicht, chip.de liegt direkt hinter Computerbild.de. Doch der Erfolg der Internetangebote ist teuer erkauft: Die gedruckten Ausgaben der Computermagazine verlieren dramatisch an Auflage. Beim Marktführer „Computer-Bild“ lag das Minus im vergangenen Jahr bei 15,5 Prozent, die „PC Welt“-Auflage ging um 21,8 Prozent zurück und bei „Chip“ war der Rückgang mit 22,2 Prozent noch größer.

Mit über 500 000 Exemplaren liegt die „Computer-Bild“ nichtsdestotrotz weit vor der Konkurrenz. Dennoch kann kein Verlag ruhig zusehen, wenn binnen Jahresfrist über 90 000 Exemplare wegbrechen. In der vergangenen Woche hat der Springer-Verlag Konsequenzen gezogen – strukturell und personell. Über allem steht der publizistische und wirtschaftliche Anspruch, und der lautet: Die „Computer-Bild“-Gruppe muss profitabel sein. Mit dem Umbau wolle man frühzeitig auf die veränderten Marktbedingungen reagieren, sagte ein Sprecher.

Die Printredaktionen der drei Titel der Gruppe – „Computer-Bild“, „Computer-Bild Spiele“ und „Computer-Bild Audio Video Foto“ – werden nun zusammen mit der  Online-Redaktion in einem Unternehmen gebündelt. Geleitet wird die Gruppe künftig von Axel Telzerow, der Hans-Martin Burr ablöst. Die Mitarbeiter der Print-Titel protestieren in einem Brief an den Springer-Vorstand gegen die Zusammenlegung, da die alten Tarifbedingungen in der Digital GmbH nicht mehr gelten. Laut Journalistenverband DJV haben die Mitarbeiter die Note mehrheitlich unterschrieben.

Christian Persson ist seit fast 30 Jahren Chefredakteur der Zeitschrift „c’t“ aus dem Heise-Verlag in Hannover. Das Motto der Zeitschrift könnte „Im Zweifel lieber sachlich“ lauten. Die Entwicklung der Branche hat nach seiner Einschätzung mehrere Gründe: Zum einen werden Computer immer einfacher und damit zu gewöhnlichen Alltagsgegenständen. Zum anderen konkurrieren auch die Technikmagazine im Kampf um die Aufmerksamkeit des jungen Publikums mit sozialen Netzwerken wie Facebook. Daneben jedoch gibt es einige hausgemachte Fehlentwicklungen. Persson lehnte es immer ab, mit Beigaben und DVDs auf Leserfang zu gehen. „Wir wollen keine Schnäppchenjäger, sondern Leser, die an den Themen interessiert sind“, sagt er. Auch in Zukunft will er auf journalistisch starke Hefte setzen. Mit einem Minus von vergleichsweise geringen 5,9 Prozent auf rund 312 000 Exemplare scheint diese Rechnung sogar halbwegs aufzugehen, auch wenn Persson eine stabile Auflage lieber wäre.

Im Internet spielt die Marke „c’t“ indes keine große Rolle. Nur ab und an werden ganze Beiträge online gestellt, sonst beschränkt sich die Zeitschrift auf Leseproben. Was nicht heißt, dass der Heise-Verlag im Netz untätig wäre. Die Webseite Heise.de gehört zu den wichtigsten Neuigkeitenbörsen der IT-Szene. Mit der Haltung, auch im Netz nichts zu verschenken, liegt Persson im Prinzip auf Springer-Linie. Feste Planungen, den Premium-Content von Computerbild.de kostenpflichtig anzubieten, gibt es dort zwar noch nicht, aber ein überlegenswertes Modell sei dies schon. Viel wichtiger ist jedoch die Frage, wie der Auflagenrückgang gestoppt und das Heft optimiert werden kann. Doch darüber will Springer erst in einem halben Jahr diskutieren. So lange hat Axel Telzerow also Zeit, eine eigene Strategie zu entwickeln.

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben