Counter-Strike: Global Offensive : Die ProSieben-Gruppe entdeckt den E-Sport

Counter-Strike statt Stefan Raab: Der Männersender ProSieben Maxx nimmt den E-Sport ins Programm - wegen des Jugendschutzes allerdings erst nach Mitternacht.

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Das Computerspiel Counterstrike. Jugendschützer fordern schon seit Längerem ein konsequentes Vorgehen gegen Gewalt verherrlichende Computerspiele.
Das Computerspiel Counterstrike. Jugendschützer fordern schon seit Längerem ein konsequentes Vorgehen gegen Gewalt verherrlichende...Foto: ddp

Wettkämpfe im Sitzen und eine Computertastatur als Sportgerät: Vor einigen Jahren war so ein Szenario noch genauso undenkbar wie Computernerds, die sich bei der Bundeswehr melden, um gegen den drohenden Cyberwar vorzugehen. Heute kämpfen professionelle Computerspieler auf Turnieren um Titel, Sponsoring-Verträge und Preisgelder in Millionenhöhe. Wie im großen Sport. Es gibt beispielsweise mehr Menschen, die das Multiplayer-Game „League of Legends“ spielen, als Frankreich Einwohner hat. Millionen Fans verfolgen Profispieler in Hallen, via PC und – im deutschen Fernsehen. Der Free-TV-Sender ProSieben Maxx will ab Anfang Juni wöchentlich über eine neue US-amerikanische Profi-Liga im E-Sport berichten.

Bei dem Event in den USA treten 24 Mannschaften im Spiel „Counter-Strike: Global Offensive“ gegeneinander an, das ist angesichts eines Preisgelds in Höhe von 1,2 Millionen US-Dollar durchaus lukrativ. Counter-Strike? Da war doch was. Seit dem Start im November 2000 war Counter-Strike über zehn Jahre lang eines der populärsten und meistgespielten Online-Actionspiele und das meistgespielte Spiel im E-Sport. Aufgrund seiner hohen Bekanntheit wurde das Spiel von den Massenmedien regelmäßig als Beispiel für „Killerspiele“ herangezogen und auch mit Amokläufen wie dem von Erfurt in Verbindung gebracht.

Sollten die Eltern jetzt spätabends im Kinderzimmer schauen, ob da nicht nur der Computer, sondern auch der Fernseher mit ProSiebenMaxx läuft? Für Computerspiel-Laien: Inhalt des Spieles Counter-Strike ist ein taktisch geprägter Kampf zwischen zwei Gruppen, den Terroristen und der Antiterroreinheit, einer polizeilichen Sondereinheit. Je nach Szenario erhalten die Teams verschiedene Aufträge, deren Erfüllung das jeweils gegnerische Team verhindern muss. Durch Eliminierung der gegnerischen Spieler oder Erfüllung von Missionszielen erhält der einzelne Spieler Punkte sowie virtuelles Geld. Beileibe kein Kinderspiel. Auf einem YouTube-Kanal für Gamer erzählte ein Counter-Strike-Profi, dass er und seine Teammitglieder vor Wettkämpfen zu Psychopharmaka greifen würden – unter anderem zum Mittel Adderall.

Stichwort Jugendschutz. Da ist Counter-Strike auch dem FSM, der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter, ein Dorn im Auge. „Ohne genaue Informationen über die Sendung lässt sich über die Jugendschutzrelevanz keine Aussage treffen. Fest steht, dass es sich bei ,Counter-Strike: Global Offensive’ um ein Spiel handelt, das ab 16 Jahren freigegeben ist. Insofern ist es nachvollziehbar, dass der Sender einen Sendeplatz im Nachtprogramm gewählt hat“, sagt Otto Vollmers, Geschäftsführer des FSM.

ProSieben Maxx bringt dieses Event tatsächlich erst ab 0 Uhr. „Aus jugendschutzrechtlichen Gründen dürfen wir erst nach 23 Uhr senden“, erklärt ein Sendersprecher. Der Free-TV-Sender hofft dennoch auf gute Quote. „E-Sport-Veranstaltungen sind längst zu einem Massenphänomen geworden und begeistern vor allem ein junges, männliches Publikum weltweit. Aus diesem Grund passt die E-League perfekt zu unseren Zuschauern“, sagt Senderchef René Carl. Man freue sich, dieses neue Event exklusiv im Free-TV zeigen zu können.

Nach dem Abgang von Stefan Raab und diversen Unterhaltungsexperimenten auf Raabs Sendeplatz, scheint die Sendergruppe ProSiebenSat1 also eine neue Programmfarbe gefunden zu haben, wenn auch beim Männersender ProSiebenMaxx. Kommt da noch mehr, in Sachen E-Sport? „Wir sind gespannt, wie es unserem Publikum gefallen wird. Dann schauen wir weiter“, sagt ein Sprecher von Pro7Sat1.

Sport1 ist bereits im E-Sport aktiv

Das hat der Sportsender Sport1 bereits getan. Das Potenzial ist groß. Insgesamt vier Millionen Spieler weltweit sind im Ligensystem der ESL registriert, rund die Hälfte davon stammt aus Deutschland. „Wir beschäftigen uns seit geraumer Zeit mit dem Massenphänomen E-Sports und sind in diesem Bereich bereits aktiv geworden“, sagt Robin Seckler, Geschäftsführer Digital Products Sport1. „Im E-Sport-Channel auf sport1.de bieten wir eine umfangreiche, tagesaktuelle Berichterstattung rund um die populärsten E-Sport-Titel.“ Fans sollen dieses Potenzial in Zukunft auch als 360°-Multimedia-Sportplattform nutzen.

Vielleicht ist das ja auch etwas für den geplanten Jugendkanal von ARD und ZDF, der in fünf Monaten starten soll. Dafür sollen noch immer frische Ideen gesucht werden.

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