CSU und Hoeneß im "heute journal" : Hat Claus Kleber schlecht recherchiert?

Steueraffäre Hoeneß: Das ZDF reagiert auf Vorwürfe von CSU-Mann Alexander Dobrindt. Der sieht einige Ungereimtheiten bei der Berichterstattung des "heute journals" über den CSU-Parteikonvent vom 3. Mai.

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Eine spannende Geschichte: ZDF-Moderator Claus Kleber und die CSU.
Eine spannende Geschichte: ZDF-Moderator Claus Kleber und die CSU.Foto: ZDF

Das ZDF hat auf einen offenen Brief von CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt reagiert, indem dieser sich empört über einen Beitrag im "heute journal" und Moderator Claus Kleber zeigte. Das ZDF habe den Brief zur Kenntnis genommen, hieß es am Montag, und werde dem Generalsekretär der CSU förmlich darauf antworten.

Dobrindt hatte sich an ZDF-Intendant Thomas Bellut gewandt. Darin stellt er Fragen zur Berichterstattung des "heute journals" über den CSU-Parteikonvent vom 3. Mai. Dobrindt monierte, dass Moderator Claus Kleber behauptete, die CSU habe in Videos Bezüge zur Steuer-Affäre Hoeneß sowie zum Skandal um den zurückgetretenen Fraktionsvorsitzenden Georg Schmidt rausgeschnitten. „Aufgrund welcher Recherche kam der Moderator zu der Behauptung, es seien Szenen aus Videos herausgeschnitten worden? War dem ZDF das zwischenzeitlich veröffentlichte Dementi der CSU nicht bekannt?“.

Zu den im offenen Brief aufgeworfenen Fragen könne schon jetzt gesagt werden, so ZDF-Sprecher Alexander Stock zum Tagesspiegel, dass es für den Hinweis auf "Umschnitte" im Zusammenhang mit Uli Hoeneß nur eine Quelle (den Deutschlandfunk) gab. "Ein Dementi war nicht bekannt. Es war ein Fehler der Redaktion, dass dazu keine Reaktion der CSU eingeholt wurde." Moderator Claus Kleber bedauere diesen Fehler ausdrücklich. "Ich habe die Darstellung einiger Medien, nach der die CSU einen Video-Film in letzter Minute noch umarbeiten ließ, in meiner Moderation aufgegriffen und ungeprüft übernommen. Das hätte mir nicht passieren dürfen."

Zweiter Kritikpunkt Dobrindts: die Stellungnahme eines Event-Managers in diesem "heute journal". In dem Bericht befragte das ZDF den Event-Manager Axel Wolfrum, der der CSU-Veranstaltung ein Zuviel an Inszenierung vorwarf. Der Parteikonvent wirke inszeniert wie eine "Casting Show oder ein Boxkampf". Der kritische O-Ton Wolfrums wurde am Ende des Beitrags gezeigt (er kam zu Beginn aber schon einmal zu Wort). Dobrindt ist nun offenbar der Auffassung, dass das ZDF hier trickse. In seinem Brief schreibt er an ZDF-Intendant Bellut: "Teilen Sie die Einschätzung, dass durch die Schnittfolge des Beitrags beim Zuschauer der Eindruck eines abschließenden Urteils über die Veranstaltung erweckt wird, während diese in Wahrheit erst begonnen hatte?"

Das Interview mit dem Eventmanager drehe sich lediglich um Fragen der Inszenierung, sagt nun das ZDF. Es fand in der Eröffnungsphase des Konvents statt, in der der Charakter der Veranstaltung bereits deutlich geworden war. Eine politische Analyse wurde im Anschluss an den Beitrag in einem Schaltgespräch mit dem CSU-Kenner Prof. Heinrich Oberreuter vorgenommen.

Das Verhältnis von Claus Kleber zur CSU dürfte hiernach schon mal besser gewesen sein. Im Dezember 2012 hatte ein Interview von CSU-Chef Horst Seehofer mit Claus Kleber für Aufsehen gesorgt. Jener hatte im ZDF-Interview Klartext geredet, überraschend, offen, und allem Anschein nach ehrlich. Im Gespräch mit Moderator Claus Kleber ging es um die Nachlese der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen und die Lage der schwarz-gelben Bundesregierung. Vor allem den NRW-Spitzenkandidaten der CDU, Norbert Röttgen, kritisierte der CSU-Chef in dem Nachgespräch mit scharfen Worten. Am Ende des für die „heute journal“-Ausgabe um 21 Uhr 45 vorab aufgezeichneten Gesprächs stimmte Seehofer von sich aus zu, dass auch die Minuten nach dem eigentlichen Interview gezeigt werden dürfen. Ein Coup für Kleber.

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