Cyber-Kriminalität : „Mit Dummheit gebeutelt“

Die Versuchung des schnellen Geldes ist groß, aber auch Journalisten sind vor Versuchungen nicht gefeit: Ein Arte-Themenabend warnt vor der dunklen Seite des World Wide Web.

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Das Geschäft der Internet-Betrüger funktioniert nur, wenn sich unbedarfte Internetnutzer als „Money Mules“ und „Paket-Agenten“ zu Handlangern machen. Foto: ddp Foto: dapd
Das Geschäft der Internet-Betrüger funktioniert nur, wenn sich unbedarfte Internetnutzer als „Money Mules“ und „Paket-Agenten“ zu...Foto: dapd

„Das Internet ist wie eine große Stadt. Sie hat auch ihre dunklen Gassen. Und wer sich dort herumtreibt, dem kann auch etwas zustoßen.“ Mit diesen Worten beginnt die Arte-Dokumentation „Die dunkle Seite des World Wide Web“, die der deutsch-französische Sender am Dienstag im Rahmen eines Thementages sendet. Der Zeitpunkt ist gut gewählt, am Dienstag findet zugleich der Safer Internet Day statt (siehe Kasten).

Mit ihrer Dokumentation will Autorin Dorina Herbst das Katz- und Mausspiel von Cyber-Fahndern und Internetkriminellen beleuchten. Dazu reiste sie quer durch Deutschland, machte Abstecher nach Estland und Irland, sogar in Pittsburgh in den USA schaute sie den Ermittlern über die Schulter. Die Zahlen über Betrugsfälle und Schadenssummen rauschen beinahe genauso schnell über den Bildschirm wie die Daten durch die Internetleitungen. Dorina Herbst lässt sich von BKA-Experten vorführen, wie leicht ein Hacker einen Computer übernehmen und wie schnell man einen bösartigen Internetschädling kaufen kann, wenn man die richtig dunklen Internetecken kennt. Doch sehenswert wird die 75-Minuten-Doku nicht durch Zahlen und Fakten. Erhellend sind vor allem die Schilderungen von Menschen, die in ihrer Unbedarftheit zu Opfern der organisierten Internetkriminalität wurden, obwohl sie nach dem Gesetz selber als Täter agierten.

„Mit der Dummheit muss man ja erst mal gebeutelt sein“, sagt so eine 67-jährige Leipzigerin, die sich zum Handlanger der Internetganoven machte. Weil sie ihre Mini-Rente aufbessern wollte, ließ sie sich auf ein Jobangebot ein. Am Ende lief es darauf hinaus, dass sie ein Konto eröffnete und die Zugangsdaten samt Einmalpasswörtern an ihren Auftraggeber schickte. Die Konten dienten zur Geldwäsche bei Betrügereien mit Fake-Shops, in denen Spitzenprodukte zu Dumpingpreisen angeboten wurden – zu kaufen gegen Vorkasse auf das Konto der arglosen Leipzigerin. „Money Mules“ heißen solche Jobs, doch statt der versprochenen 600 Euro im Monat gab es einen Strafbefehl über 2250 Euro sowie Schadenersatzforderungen geprellter Käufer. Der Auftraggeber war da schon längst über alle Berge. Neben den Geldeseln gibt es zudem die Paket-Agenten. Bei dieser Variante bestellen die Betrüger zumeist hochpreisige Technikprodukte mit geklauten Kreditkartendaten. Die Waren lassen sie zu einem Paket-Agenten wie Alfred K. aus Leipzig schicken, der sie dann mit neuen Adressaufkleber versah und nach Estland schickte. Dass er nichts dabei fand, für das Weitersenden von 60 Paketen 3700 Euro zu erhoffen, brachte ihm am Ende eine Strafe von 50 Tagessätzen zu zehn Euro und die Forderungen der geprellten Versandhändler ein.

Die Versuchung des schnellen Geldes ist groß, aber auch Journalisten sind vor Versuchungen nicht gefeit. Die Arte-Autorin verwendete für ihre Recherchen den eigenen Computer und lud sich dabei einen gefährlichen Trojaner herunter. Das bemerkte sie allerdings erst, als ihre Bank ihr Online-Konto schloss und sie aufforderte, den Computer von einem Experten reinigen zu lassen. Pannen aber gibt es selbst beim BKA. Einer der Cyber-Sheriffs wollte der Arte-Autorin zeigen, wie man mit einem Internetschädling die Webseite des Bundeskriminalamtes gezielt überlasten kann. Das klappte bestens. Bloß auf den Befehl, die Attacke wieder zu beenden, reagierte das Schadprogramm nicht mehr.

„Die dunkle Seite des World Wide Web“, Arte, 20 Uhr 15

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