Das wirklich wahre Leben : „Mahlzeit!“ im Dittsche-Imbiss

In Hamburg-Eppendorf steht Deutschlands berühmteste Grillstation: Besuch beim echten „Dittsche“-Wirt.

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Das wirklich wahre Leben. Olli Dittrich als „Dittsche“ (Mitte), Ingo, der Imbisswirt (l.) und Stammgast Schildkröte vor der „Eppendorfer Grillstation“. Zehn Mal im Jahr mischen die Drei den Imbiss fürs Fernsehen auf. Ansonsten gibt es lecker Currywurst zu essen.Foto: WDR
Das wirklich wahre Leben. Olli Dittrich als „Dittsche“ (Mitte), Ingo, der Imbisswirt (l.) und Stammgast Schildkröte vor der...

„Sagen Sie ruhig Olli zu mir.“ Olli? Vielleicht musste Oliver Kammerer diesen Laden haben, die „Eppendorfer Grillstation“. Wo hier sonst doch Olli Dittrich ein- und ausgeht, fürs Fernsehen. Dieser Imbiss ist kein ganz gewöhnlicher Ort für Bratwurst, Curry, Pommes oder Hähnchen zwischendurch. Zehn Mal im Jahr muss Imbissbuden-Chef Kammerer seine Grillstation räumen. Dann rückt der WDR an und der Namensvetter: Olli Dittrich, in diesem Fall besser bekannt als Dittsche. Dann ist TV-Wirt Ingo der Herr hinterm Tresen und Dittsche sein Gast im Bademantel, der Bier bestellt und sich über Gott und die Welt aufregt.

Wer das wirklich noch nicht gesehen hat: „Dittsche – Das wirklich wahre Leben“ ist eine mit dem Deutschen Fernseh- und dem Grimme-Preis ausgezeichnete Improvisationskomiksendung des WDR-Fernsehens mit Olli Dittrich, Jon Flemming Olsen (Ingo, der Wirt) und Franz Jarnach (als stiller Stammgast „Schildkröte“). Dittrich spielt den Arbeitslosen Dittsche, der am Imbisstresen über das Leben und aktuelle Ereignisse sinniert. Manchmal schauen Gaststars wie Günther Jauch vorbei. Die Sendung kommt ohne Drehbuch aus und wird eben aus jener Imbissbude, der Eppendorfer Grillstation im Eppendorfer Weg 172 in Hamburg, gesendet.

Als sich Oliver Kammerer 2005 für diesen Laden interessierte, hatte er keine Ahnung vom Fernsehhype um diesen Dittsche. Ein halbes Jahr, nachdem die Comedy angelaufen war, hat Kammerer die Grillstation gepachtet. Bis dahin war er Koch in einem Hamburger Hotel. Er wollte sich selbstständig machen. Als per Annonce die Grillstation als „bekannt aus Funk und Fernsehen“ zum Verpachten angeboten wurde, hatte er von „Dittsche“ noch nichts gehört. Bereut habe er seine Entscheidung nie.

Höchstens am Wochenende mal ein bisschen, wenn fernsehkundige Touristen in die „Grillstation“ kommen und da vorm Drehort mal einen auf „Dittsche“ machen wollen. Sich, wenn auch ohne Bademantel, am Tresen anlehnen, wie Dittsche „Mahlzeit!“ sagen und sich mit „Ingomann“ („Oh, Chefvisite“) über dies, das und jenes unterhalten wollen. Ingo erzählt Dittsche seine Geschichten, die jener verdutzt, verständnislos oder erheitert kommentiert. „Ingomann“ im echten Falle, das ist Markus. Er assistiert Oliver Kammerer in der „Eppendorfer Grillstation“, die in Wirklichkeit viel kleiner aussieht als im Fernsehen. 20 Quadratmeter misst der Raum. Kaum vorstellbar, dass hier an manchen Sonntagabenden fünf Kameras aufgebaut werden, um Olli Dittrich von allen Seiten einzufangen und auch noch der dicke Dauergast „Schildkröte“ am Bistrotisch seinen Platz findet. Sämtliche Werbung muss dann im Imbissraum überklebt sein. Selbst der Schriftzug „www.eppendorfer-grillstation.de“. Das „Dittschberger Pilsener“ gibt es auch nicht wirklich. Eben gerade ist Sommerpause. Die nächste Laden-Umkrempelei gibt’s wieder an den Wochenenden im November, wenn „Dittsche“ jeweils Sonntagabend aktuell ausgestrahlt wird.

Dann hat Oliver Kammerer wieder frei und fährt zur Entspannung Motorrad. „Gott sei Dank“, seufzt der 44-Jährige, der hier sonst eine Sechs- bis Sieben-Tage-Woche schiebt. „Dittsche“ verschafft ihm freie Tage vom schweißtreibenden Brutzeln. Meistens steht Kammerer nicht persönlich am Tresen, sondern mit roter Schürze und rotem Gesicht in der Küche. „Moin“, „Tschüss“, „Spackos“, all das hört man, typisch Hamburg eben. Kammerer ist St.Pauli-Fan, ansonsten aber lupenreiner Schwabe.

Ob ihn „Dittsche“ berühmt gemacht hat? Oder reicher? Kammerer überlegt. „Nicht wirklich, man muss kämpfen.“ Natürlich sei die Sendung kostenlose Werbung für seinen Imbiss, aber mehr als seine 120, 150 Stammgäste in der Woche hat Kammerer trotzdem nicht. Skurrile Geschichtenerzähler, Typen wie dieser Dittsche seien schon ein paar dabei. Am Wochenende sind es ein bisschen mehr. Wenn die Touristen kommen. Immerhin, es geht bergauf, Deutschlands berühmteste Frittenbude wird vom Herbst an Speisen in die nähere Umgebung liefern.

Manchmal schaut Olli Dittrich bei Olli Kammerer persönlich rein. An der Wand hängen Bilder aus der Sendung. Mit diesem „Dittsche“, dem mit blau-weiß gestreiftem Bademantel, Jogginghose und Badelatschen („Schumiletten“) bekleideten Arbeitslosen, der sein Wissen im Wesentlichen aus dem Fernsehen und der „Bild“-Zeitung bezieht und das alles im Hamburgischen Dialekt weit von sich schmeißt, könne der echte Wirt humormäßig aber nicht sooo viel anfangen.

Zum Wallfahrtsort für „Dittsche“-Fans taugt dieser Drehort dann auch nur bedingt. Einen „Dittsche“-Bademantel besitzt der Wirt nicht. Und Oliver Kammerer hat die Sendung länger nicht mehr im Fernsehen gesehen. „Um diese Zeit, kurz vor 23 Uhr, bin ich schon lange eingeschlafen, meistens während des ,Tatort’.“ Da ist die „Eppendorfer Grillstation“ im realen Leben längst geschlossen. Manchmal wacht Kammerer vorm Fernseher und denkt sich im Halbschlaf: Diesen Laden, den kennst du doch?

Als sich Oliver Kammerer für die“Grillstation“ interessierte, hatte er keine Ahnung vom Hype um Dittsche. Ein halbes Jahr, nachdem die Comedy angelaufen war, hat er den Imbiss gepachtet.

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