Medien : "Denninger - Der Tod des Paparazzo": Jenseits vom Ballermann

Thomas Gehringer

Am Swimming Pool vor einer herrlichen Villa: Ein Mann faulenzt im Liegestuhl, daneben zeugt eine Champagnerflasche vom angenehmen Leben. Der beneidenswerte Herr stellt sich als BKA-Beamter heraus, der ein Jahr lang von der Verbrecherjagd im kalten Deutschland pausiert, um auf das schicke Anwesen eines Freundes aufzupassen. Da hat man natürlich viel Zeit, zum Beispiel, um sich dem Fernsehpublikum vorzustellen: "Hier bin ich auch schon." Guten Tag, möchte man antworten. Aber wir befinden uns ja am Samstagabend im ZDF, also muss es doch Fernsehen und wahrscheinlich ein Krimi sein. Und richtig, der Erzähler verkündet aus dem Off: "Es war verrückt. Selbst hier auf Mallorca schien ich das Verbrechen magisch anzuziehen." Jo Denninger, gespielt von dem Österreicher Bernhard Schir, heißt die neue Titelfigur, die das schon zahlreiche Ermittlervolk der Mainzer auf diesem Sendeplatz ergänzt. Doch Redaktionsleiter Klaus Bassiner hat immer noch nicht genug: "Ich arbeite weiter an neuen Formaten. Die Vielfalt finde ich gerade gut." Wer "Denninger - Der Tod des Paparazzo" um 20 Uhr 15, die erste Ausgabe des Mallorca-Krimis, gesehen hat, könnte es als Drohung verstehen.

Bassiner ahnt schon die Kritik: "Ich kämpfe wie ein Löwe dafür, ich glaube total an das Format. Diese Farbe hat am Samstag gefehlt." Eine Krimireihe, die auf der Urlaubsinsel der Deutschen spielt: Tatsächlich ist "diese Farbe" eine todsichere Sache. Millionen Zuschauer können sich an schön fotografierten Bildern ihrer zweiten Heimat ergötzen, und zumindest im ersten Film geben sich Daniel Helfer (Regie) und Jochen Radermacher (Kamera) Mühe, Mallorca von der attraktivsten Seite zu zeigen. Das heißt, dass hier die sattsam bekannten Orte teutonischer Vergnügungskultur fehlen.

"Wir wollen nicht das Ballermann-Image bedienen", verspricht Bassiner. Das ist erfreulich, doch neben den Sperlings und Bella Blocks wirken der coole Denninger und seine Freunde, der dem Luxus verfallene Max von Lahnstein (Gerd Wameling) und der chaotische Schumann (Eckhard Preuß) wie glatte Abziehbilder. Gelegentlich lässt der auf Mallorca lebende Autor Jürgen Pomorin alias Leo P. Ard ("Balko"/"Polizeiruf 110") seinen Wortwitz aufblitzen. Alles weitere, besonders die Handlung um verräterische Bilder eines getöteten Fotografen, verdient keine ausführliche Erörterung. Erwähnenswert ist allenfalls noch das nette Dankeschön der Produktionsfirma Ufa Film und TV an eine Fluggesellschaft, deren Werbetafel am Ende auffällig ins Bild gerückt wird. Schließlich sei das Filmteam, wann immer gewünscht, mit Sack und Pack auf die Insel transportiert worden, heißt es.

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