Der 21.12.2012 im Maya-Kalender : Vor uns die Sintflut

Märchen und Mythen der Mayas: Der TV-Sender 3sat widmet dem Weltuntergang einen Themenabend.

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Die Bräuche der Mayas werden noch heute in Mexiko und Guatemala gepflegt.
Die Bräuche der Mayas werden noch heute in Mexiko und Guatemala gepflegt.Foto: 3sat

Die Lust am Untergang ist wohl so alt wie der denkende Mensch. Mal ist es die Sintflut, mal sind es die Sterne, die erlöschen oder herabstürzen, bis hin zum Kometen in Lars von Triers jüngstem Filmepos „Melancholia“. Und demnächst, am 21. Dezember ist es wieder so weit: an einem ominösen, ja apokalyptischen Datum.
Dann endet nach 5125 Jahren der berühmte Maya-Kalender. Daraus haben spätere Untergangsliebhaber geschlossen, dass mit der Zeit auch der Raum und alle Welt ihr Ende finden müssten. Also widmet 3sat am heutigen 3. Adventssonntag der Apokalypse einen so vorausschauenden wie gelegentlich rückblickenden Themenabend. Und weil gute und gruselige Geschichten, die ihren Ursprung in den Märchen und Mythen haben, auch etwas für kleine, große Kinder sind, beginnt der Abend bereits um 16 Uhr 15: mit einer Dokumentation von Günther Klein über „Nostradamus“, den „Prophet des Unheils“. Die Sache endet, nach Mitternacht, mit „Dark Star – Finsterer Stern“, einem US-Spielfilm von John Carpenter aus dem Jahr 1974, in dem eine „thermostellare“ Bombe an Bord eines Raumschiffs zu explodieren droht, eine Parodie auf alle Science-Fiction (ab 23 Uhr).
Fast immer hat die Untergangsmagie auch mit Astronomie zu tun. Nostradamus las im 16. Jahrhundert in den Sternen, aber die wohl verblüffendsten präzisen Berechnungen von Gestirnen und Gezeiten lieferten gut 1000 Jahre zuvor die mittelamerikanischen Mayas. Der Höhepunkt des 3sat-Abends ist deshalb die bereits auf mehreren Filmfestivals preisgekrönte Doku von Frauke Sandig und Eric Black: „Herz des Himmels, Herz der Erde“. Die beiden Berliner Filmemacher sind zu den indigenen Nachkommen der Mayas nach Chiapas und Yucatan in Südmexiko und ins angrenzende Guatemala gereist. Erst hatten die spanischen Eroberer die Menschen und die Kultur der Mayas unterdrückt und zerstört, nur durch einen kühnen katholischen Priester haben sich dann Reste ihrer heiligen Bücher erhalten – und dazu die vom Dschungel umzingelten, oft überwucherten Tempel, die heutige Touristenattraktion.


Hiervon zeugen die Impressionen aus den Regenwäldern, die religiösen Rituale und Dorffeste der indigenen Bevölkerung, die Erzählungen junger Frauen und Männer, die teilweise in Maya-Sprache vom Schicksal ihrer Familien, von der Bedrohung ihrer Natur und Kultur berichten. Das Sehens- und Hörenswerte aber ist der politische Kern dieses mit gänzlich „unkolonialistischem“ Blick der indigenen Welt annähernden Films. Mexikanische Maisbauern verlieren ihre Existenz durch US-amerikanischen Gen-Mais. Wir sehen in Guatemala Brandrodungen, aus dem Regenwald werden Wüsten. In der künstlichen Mondlandschaft schlägt man der Erde dann neue Wunden, mit Goldminen der kanadischen Gringos, auf denen die entwurzelten Mayas von heute schürfen und schuften dürfen.


Dagegen gibt es Aufstände, gewerkschaftlichen Widerstand. 200 000 Angehörige der indigenen Völker sind allein in Guatemala während des Bürgerkrieges in den letzten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts umgekommen. Oft massakriert von der „eigenen“ Militärregierung. Und nicht von den alten Göttern der Mayas, nicht vom Himmel droht jetzt das Unheil. Ein junger Maya sagt: „Unsere Erde, das Klima, das Leben wird von den Menschen selbst zerstört.“ Ein stiller, großer, verstörender Film.
„Herz des Himmels, Herz der Erde“, Sonntag um 18 Uhr 35, 3sat

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