Der Ball ist eckig : ARD und ZDF, die Balljungen der Uefa

Wenn es um Live-Fußball geht, sind ARD und ZDF Partner des Veranstalters, nicht aber Partner des kritischen Zuschauers. Das zeigt sich auch jetzt wieder bei der Fußball-Europameisterschaft.

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ARD und ZDF zahlen satte 120 Millionen für die Live-Übertragungen der Fußball-EM in Polen und in der Ukraine. Das nennt sich Rechte, was da mit Gebührengeldern eingekauft worden ist. In dem Vertrag wurde auf das Recht glattweg verzichtet, dass die deutschen Sender bei der Art und Weise der Übertragung mitreden dürfen. Brav haben sie sich dem Diktum des europäischen Fußballverbands gebeugt, wonach die Uefa nicht nur der Veranstalter der Europameisterschaft ist, sondern auch der Produzent und der Regisseur des TV-Spiels. Die Uefa kontrolliert das Bild, das sich die Welt von der EM macht. Schön und bunt und emotional, geradeso wie die am Mittwoch ins Holland-Spiel hineingezauberte Szene „Jogi und der Balljunge“.

Jetzt geben sich ARD und ZDF empört. WDR-Chefredakteur Jörg Schönenborn fordert im Brustton, dass live drin sein muss, wo live draufstehe, sein ZDF-Kollege Peter Frey jammert, die Montage entspreche nicht den hohen journalistischen Standards des Senders. Hui, da wird sich die Uefa aber fürchten. Vor der EM haben die Verantwortlichen der deutschen Sender offensichtlich intensiv geschwiegen und dann weiter geschwiegen, als Jogis Nummer in die Übertragung implantiert wurde. Jetzt läuft ihnen der Mund über. Die Uefa juckt das nicht.

ARD und ZDF sind, wie immer, wenn es um Live-Fußball geht, Partner des Veranstalters, nicht aber Partner des kritischen Zuschauers. Das Misstrauen ist geweckt, gerade, da die Europameisterschaft auch in der Ukraine stattfindet. Dort herrscht ein Regime, das wie die Uefa ein Fußballfest und nur ein Fußballfest übertragen sehen will.

Am Freitagabend wurde die Partie der Ukraine gegen Frankreich wegen eines Unwetters erst unterbrochen, dann fortgesetzt. Es hat doch geregnet, in Donezk, oder? Joachim Huber

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