Medien : Der falsche Asket

„Hitlers Geld“: ARD-Doku über den schwerreichen NS-Führer

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Nicht nur machtfixiert, sondern auch auf Reichtum versessen: Adolf Hitler sei keinesfalls der anspruchslose Asket gewesen, als der er sich selbst dargestellt habe. Vegetarier, Nichtraucher, Abstinenzler – das träfe zwar alles auf ihn zu, aber darüber hinaus sei er überaus erpicht darauf gewesen, Millionen für sich zu scheffeln. Der Aspekt seiner persönlichen finanziellen Verhältnissen sei in der Forschung bisher erstaunlich wenig beachtet worden, meint Ingo Helm, Autor der NDR-Dokumentation „Hitlers Geld“ (ARD, 21 Uhr 45). Er zeichnet den Weg des „Kunstmalers“ ohne Ausbildung aus dem Obdachlosenasyl, in dem Hirler zeitweise lebte, an die Spitze der NSDAP, in der er Hauptredner, Publikumsmagnet und schließlich Führer wurde, anhand von Rechnungen, Fotomaterial und Zeitdokumenten nach. Dabei entsteht ein Psychogramm Hitlers, in dem die drei treibenden Kräfte seines Lebens offenbar werden: das Bedürfnis nach Geld, Macht und gesellschaftlicher Anerkennung.

Mit der Macht häuft er auch immer mehr Geld an – die Damen der Gesellschaft schwärmen für ihn und schenken ihm ihren Schmuck. Helene Bechstein versorgt ihn nach seiner Festungshaft mit einem propperen Auskommen, er erhält insgesamt knapp acht Millionen Reichsmark an Tantiemen für sein Buch „Mein Kampf“, als Reichskanzler schließlich kann er auf die Staatskasse zugreifen und sich aus dem Parteivermögen bedienen. Sogar für die Briefmarken mit seinem Konterfei kassierte er nebenbei noch mal 50 Millionen Reichsmark. Dabei zahlt er nicht einmal Steuern: Als Reichskanzler hat er nicht nur seine Steuerschulden tilgen, sondern sich auch als Steuerzahler streichen lassen.

Der Massenmörder wurde zum Multimillionär, „Arisierung“ und Ausplünderung der besetzten Gebiete, vor allem im Osten, boten unermessliche Möglichkeiten der Bereicherung. Diese Vorgehensweise war jedoch nicht auf den NS-Führer beschränkt: NDR- Doku-Leiter Volker Zielke erläutert diese „abgewirtschaftete Moral“: „Wer in den Osten ging, war ziemlich blöde, wenn er nicht mindestens mit einem Pelzmantel zurückkam.“ Da Staatskasse und Parteivermögen immer weniger zu trennen waren, konnten Nazigrößen über das Geld fremder Leute verfügen. Allen voran: Hitler, der Privatvermögen und Staatshaushalt vermischte. Riesige Summen verwendete er für den Ausbau seines Sommersitzes auf dem Obersalzberg, den Aufbau einer gewaltigen Kunstsammlung oder großzügige Korruptionsgeschenke.

In seinem Größenwahn wollte Adolf Hitler die Stadt Linz komplett umgestalten und ließ sich noch im April 1945 das Modell in den Führerbunker bringen, bevor er dort Selbstmord beging – als schwerreicher Mann. Nach dem Krieg wurde sein Vermögen durch den Alliierten Kontrollrat an den Freistaat Bayern übertragen. Die Tantiemen aus Hitlers Schriften jedoch wollen seine Erben wiederhaben. Lena Bodewein

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