Medien : Der Pflichtverteidiger

Double Feature: Peter Hintze vertritt Christian Wulff in den ARD-Talks.

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Um die wichtigste Frage gleich zu Beginn zu beantworten: Nein, Peter Hintze trug in der Sendung von Frank Plasberg am Montagabend nicht dieselbe Krawatte wie am Sonntagabend in der Sendung von Günther Jauch. Aber sonst?

Sonst weiß man ja auch als Fernsehkritiker nicht so genau, wie man das jetzt eigentlich finden soll: Am Sonntag redet Günther Jauch mit seinen Gästen über Christian Wulff, tags drauf redet Frank Plasberg mit seinen Gästen über Christian Wulff, und Peter Hintze also war bei beiden zu Gast. Er redete mit Abstand am meisten, und im Prinzip darf es an dieser Stelle nur um die Frage gehen, ob das eigentlich noch gutes Fernsehen ist – spannendes, interessantes, ein Fernsehen, das Erkenntnis bringt? Irgendwie dann doch. Und irgendwie dann wieder nicht.

Günther Jauch nannte es bereits eine unendliche Geschichte, und ähnlich wie Frank Plasberg fiel es ihm schwer, den nötigen Ernst herzustellen; es schien fast so, als würden die beiden Profis es selbst nicht fassen können, dass sie sich jetzt schon wieder über Wulff unterhalten müssen, dass es immer schwieriger wird, einen konservativen Politiker von Rang und Namen zu finden, der Wulff unterstützt. Das sind dann die Momente, in denen die Mechanismen des Fernsehens versagen, das sind die Momente des Peter Hintze.

Hintze war mal Generalsekretär, er dachte sich 1994 die „Rote-Socken-Kampagne“ der CDU aus. Kohl gewann damit die Bundestagswahl, aber vier Jahre später dachte sich Hintze eine ähnliche Kampagne aus – und Gerhard Schröder wurde Bundeskanzler, Hintze trat als Generalsekretär zurück. 14 Jahre ist das jetzt her, aber Hintzes Feinde sind die alten, es sind die Medien. Das sind die Bösen, das stellt er bei Günther Jauch fest, das stellt er bei Plasberg fest. Er wirkt dabei wie einer, der ins Fußballstadion geht, um allen zu erzählen, wie doof er doch Fußball findet.

Aber Hintze, der mal Pfarrer war, hat eine Mission. Er muss Christian Wulff verteidigen, er muss ihm beistehen, er muss mantraartig wiederholen, dass die Hälfte der Deutschen will, dass Wulff im Amt bleibt. Außerdem seien, sagt Hintze, alle Anschuldigungen aus der Welt geräumt, jetzt sei es auch mal gut. Bei Jauch hatte Hintze es leichter. Jauchs Sendung erinnerte an ein Ehemaligentreffen. Die Runde hätte genau so auch bei Sabine Christiansen sitzen können. Mit Hiltrud Schwetje war die Ex-Frau von Gerhard Schröder da, mit Heide Simonis die Ex-SPD-Ministerpräsidentin von Schleswig-Holstein, außerdem noch die Ex-Beraterin von Helmut Kohl, Gertrud Höhler, und – warum auch immer – Hans Rudolf Wöhrl, der mit einer CSU-Politikerin verheiratet ist, die mal den Titel „Miss Bundestag“ bekam. Wöhrl fiel mit der Frage auf, die so alt ist wie die Affäre selbst – nämlich: ob es in Deutschland eigentlich keine anderen Probleme geben würde.

Nein, eigentlich nicht, außer vielleicht, wer in Zukunft „Wetten, dass..?“ moderieren wird. Vielleicht ja Peter Hintze, der es bei Günther Jauch fertigbrachte, etwas, nun ja, despektierlich über ehemalige Bundespräsidenten zu sprechen.

Immerhin, das ließ er dann bei Plasberg sein. „Hart aber fair“ war besser als der Talk von Jauch. Die Gäste gaben mehr her und waren schlau zusammengestellt: Der zurückhaltende SPD-Politiker Thomas Oppermann und der leicht aufbrausende Politikberater Michael Spreng konnten Hintze beinahe bändigen. Benjamin von Stuckrad-Barre kam leider zu selten dran, aber wenn er was sagte, dann war das erfrischend, und er ließ sich nicht von dem Wulff-Fürsprecher Mehmet Daimagüler verwirren, der allen Ernstes meinte, einer wie Stuckrad-Barre dürfe nicht moralisch argumentieren.

So war das ungefähr, so wie immer. Diejenigen, die auf Wulffs Seite sind, sagen zu den anderen, sie dürften so oder so nicht argumentieren, damit würden sie den Mann, das Amt, das Land beschädigen. Und die anderen sagen, wenn hier einer das Amt, das Land und sich selbst beschädigt, dann Christian Wulff.

Das hat der Fernsehzuschauer so langsam wohl begriffen. Wenn er sich dabei unterhalten soll, dann muss das Fernsehen noch ein paar Talkshows zum Thema bringen. Dann klappt auch das irgendwann bestimmt.

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