Der Provokateur und die Zuhörerin : Anne Will zieht durch die Nacht

05.01.2013 00:00 Uhrvon
Lass es grooven! Anne Will und Serdar Somuncu im Studio. Foto: Arte Foto: © avanti media/Fabian Meyer/Chri
Lass es grooven! Anne Will und Serdar Somuncu im Studio. Foto: Arte - Foto: © avanti media/Fabian Meyer/Chri

Für Arte reist die Moderatorin nach Istanbul, wo sie mit dem Krawallmacher Serdar Somuncu über Pressefreiheit, Homosexuelle und Patriarchen diskutiert. Eine spannende Begegnung.

Eine lesbische Moderatorin und ein religionhassender Ex-Türke unterhalten sich in Istanbul bei belgischem Bier über Gott und die Welt: Anne Will und Serdar Somuncu verbringen in der Folge der Arte-Serie „Durch die Nacht mit...“ einen entspannten Abend und man schaut gern zu. Auch weil Moderatorin Will tut, was sie am besten kann: Einfach nur zuhören.

Den Heimvorteil hat freilich Somuncu. Der gebürtige Türke, deutscher Kabarettist und vor allem Provokateur zeigt Anne Will „sein“ Istanbul: „Als Kind habe ich Moscheen geliebt“, sagt er vor der Ahmed Moschee.

„Heute bin ich nicht mehr so unbefangen.“ In seinen Bühnenprogrammen klingt das anders: „Ich hasse Kopftuchnutten“, sagt er dann und freut sich, wenn sein Publikum zusammenzuckt. „Ich darf das – ich habe nicht sechs Millionen Juden auf dem Gewissen.“

Auch im Zusammenspiel mit Anne Will bleibt Somuncu der Krawallmacher, der vor allem dadurch bekannt wurde, dass er öffentlich aus „Mein Kampf“ vorlas. Häufig ist ihm die Provokation um ihrer selbst willen genug. Doch Anne Will lässt sich nicht provozieren. Sie gibt den ruhigen Gegenpol, lächelt alles an Gemeinheiten weg und antwortet doch ohne auszuweichen.

So entwickelt sich die Sendung, wie Somuncu treffend bemerkt, zu einer Art „Klassenfahrt“ mit bemerkenswerter Eigendynamik. Der Start ist holprig, doch wie im Verlauf einer jeden guten Klassenfahrt raufen sich die Protagonisten zusammen und erfahren am Ende mehr von einander, als sie eigentlich gewollt hätten.

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Unser/e Leser/in blinder meint zum Artikel: Besuch im Reichstag bleibt umständlich:
Da von den aktuell 620 Abgeordneten bei den Sitzungen sowieso nur 20% anwesend sind, bleiben fast fünfhundert Sitze unbelegt. Hier könnte man doch die wartenden Besucher nach der obligatorischen Einlasskontrolle "zwischenparken".
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