"Die Anstalt" - eine Fernsehkritik : So geht Satire - nicht

Das ZDF-Kabarett mit Max Uthoff und Claus von Wagner bietet Spitzengags, die leider allesamt stumpf sind. Und der Dritte im Bunde, Michael Mittermeier, rettet wenig bis nichts.

Richard Weber
Überschaubar bissig und witzig: Claus von Wagner (links) und Max Uthoff Foto: ZDF
Überschaubar bissig und witzig: Claus von Wagner (links) und Max UthoffFoto: ZDF

Die perfide und menschenverachtende Tyrannei der Terror-Miliz "Islamischer Staat". Neo-Nazis und Hooligans vereint im gewalttätigen Anti-Salafisten-Protest. Deutschland im wirtschaftlichen Abwärtsstrudel. Pingpong-Taktik von Lokführern und Piloten. Deutschland im Herbst – kein Traumland. Keine Ruheoase. Hier brennt es doch überall. Aber Gott sei dank gibt es "Die Anstalt", das Politsatire-Aushängeschild des ZDF. Ein medialer Leuchtturm an Kompetenz und Intelligenz. Hier werden viele Finger in viele Wunden gelegt. Schon die Anfangsnummer, an Aktualität kaum zu überbieten. Die oft und gerne so titulierten Vollblutkabarettisten Claus von Wagner und Max Uthoff als ängstliche und etwas blöde Steuerhinterzieher. Wow! Gewagt und frech.  Hohe Steuerlast. Kreative Steuererklärungen. Schwarzgelder. Überhöhte Pendlerpauschale für zwei Schritte zur Arbeitsstelle. Starker Tobak. Heißes Eisen. Glühend heiß. Das traut sich sonst kaum einer im deutschen Fernsehen. Und dann wird das hochaktuelle Thema auch zeitlich viel breiter aufgestellt. Alice Schwarzer und ihre Steuerunterschlagung. Sogar Schwarzers holprige Entschuldigung für Schwarzers Schwarzgeld in der Schweiz wird messerscharf und intelligent zu einer Superpointe verarbeitet.

Max Uthoff: "Das sind Cash-Reserven. Für den Fall, dass die Hatz gegen uns solche Ausmaße annimmt, dass wir ins Ausland flüchten müssen."

Claus von Wagner: "Das ist die mit Abstand blödeste Begründung für Schwarzgeld, die ich in meinem Leben gehört habe."

Max Uthoff: "Das könnte daher stammen, dass ich sie wortwörtlich von Alice Schwarzer geklaut habe."

Als Kritiker kann man da nur sprachlos sein. So viel Mut. So viel Aufklärung.  So viel Kampfgeist. Wenn Satire doch immer so aktuell und treffend wäre. Deutschland wäre endlich gut und gerecht. Aber "Die Anstalt" wäre nicht "Die Anstalt", würde jetzt auf die Bremse getreten werden. Nein! Das Hochleistungstempo an Gags, aktuellen Spitzen wird beibehalten. Sogar gesteigert. Auftritt Michael Mittermeier. Er öffnet eine regelrechte Wundertüte an brisanten Themen: Ebola in USA. Zombieserien im Fernsehen. Saufleichen vom Oktoberfest. Ursula von der Leyen und Bundeswehr-Kitas. Überhaupt diese ganzen maroden deutschen Streitkräfte. Nur Probleme beim Fahren, Fliegen und Tanken. Endlich traut sich mal ein Komiker-David gegen diesen übermächtigen Bundeswehr-Goliath. Aber dann verliert Mittermeier seinen Biss. Wird mutlos. Er fabuliert darüber, dass jeder Spaß über Unfähigkeit und mangelhafte Ausstattung doch nur dazu führe, dass der Verteidigungsetat erhöht wird. Und wer will das schon? Also zieht er sein Auftritts-Solo verbal zurück. Herr Mittermeier! Was sollen solche Überlegungen auf Meta-Ebene? Dieses diffuse Grau. Klares Schwarz-Weiß ist erwünscht. Klare Klischees. Klare Gefechtslage. Die Welt ist unübersichtlich genug, das muss eine Satire-Sendung nicht auch noch imitieren. Zum Schluss kommt wieder Klarheit auf dem Bildschirm. Superkonzerne wie Apple, Starbucks und Amazon werden angeklagt. Diese Multi-Unternehmen und ihre fiesen Steuer-Schlupflöcher. Unmoralische Tochterfirmen. Unmoralische Verlustzuweisungen. So geht eindeutige Satire. Übersichtliche Satire. Und diese Klarheit reicht sogar bis in den Abspann. Die Produktionsfirma der Sendung "Die Anstalt" - eine GmbH. Irgendwer hat mal gesagt, dass das eine gute Form sei, Steuern zu sparen. Beim Talk "Hart aber fair" heißt das: "Wenn Politik auf Wirklichkeit trifft."

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