Medien : Die ARD gibt Bestandsgarantie für vier Talks ab. Und Beckmann gewinnt

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Ist Reinhold Beckmann Herr über das Erste Deutsche Fernsehen oder sind es die neun Intendantinnen und Intendanten? Die Frage muss erlaubt sein, denn erst nach Beckmanns Verzicht auf seine Talkshow fanden die Senderchefs zu ihrer eigenen Entscheidung. Künftig wird es vier Talkshows in der ARD geben, darauf haben sich die ARD-Granden in ihrer Sitzung in Berlin verständigt. Der ARD-Vorsitzende und NDR-Intendant Lutz Marmor sagte am Dienstag: „Ich freue mich darüber, dass wir die Diskussion über die Talkshows im Ersten einvernehmlich gelöst haben.“ „Beckmann“ endet 2014, „Günther Jauch“ (sonntags), „Hart aber fair“ (montags“), „Menschen bei Maischberger“ (dienstags) und „Anne Will“ (mittwochs) werden fortgesetzt. Jetzt müssen die auslaufenden Verträge mit den Talkmastern verlängert werden, an den künftigen Laufzeiten wird erkennbar sein, wann über Zahl und Platzierung der Talks in der ARD wieder diskutiert werden muss. Jetzt ist erst mal Dampf aus dem Kessel genommen worden.

Auch der schärfste Kritiker der bislang fünf Gesprächssendungen, BR-Intendant Ulrich Wilhelm, wollte am Dienstag stille halten. Sicher ist, dass er seine Position und die des BR-Rundfunkrates, nach der nicht eine, sondern zwei Talkshows einem vielgestaltigeren Programm der unterschiedlichsten Formate weichen müssten, nicht aufgeben wird. In München wird jetzt geschaut, wie sich die künftig vier Talks und die öffentliche Diskussion darüber entwickeln werden. Natürlich kann in München prächtig Kritik geübt werden, kommen doch von den vier Talks zwei vom WDR (Jauch/Will) und zwei vom NDR (Plasberg/Maischberger) – und keiner vom BR. Am 11. Juli tagt wieder der Rundfunkrat des Senders.

Für „Beckmann“, den Talk mit der schwächsten Quote in der Angebotsriege, sollen am Donnerstagabend Satire- oder Comedyformate kommen. Ob dann wieder Beckmanns Stunde schlägt? Derzeit produziert er Sendungen wie Olli Dittrichs „Frühstücksfernsehen“ und „Inas Nacht“. Und Lutz Marmor, der als NDR-Intendant für Beckmanns Talk verantwortlich ist, denkt schon heftig an die Zukunft seines Mitarbeiters. „Ich finde es gut, dass wir weiterhin mit Reinhold Beckmann zusammenarbeiten. Er ist einer der vielseitigsten und herausragendsten Journalisten in der ARD.“ Der 57-Jährige soll für das Erste und das NDR-Fernsehen neue Formate entwickeln.

Vor dem Hintergrund, wie sehr Reinhold Beckmann vonseiten der ARD gedankt wird, könnte der Verdacht aufkommen, dass der clevere Moderator und Produzent durch seine Verzichtsleistung mehr gewinnt als verliert. Wenn das die anderen Talkerinnen und Talker spitzkriegen, dann wird die Diskussion um die „Rederei“ im Ersten eine ganz andere Richtung bekommen. Joachim Huber

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