Die etwas andere Übernahme : Springer wird „Spiegel“

Joachim Huber ahnt, was Stefan Aust bei seinem neuen Arbeitgeber plant. An seiner Seite die früheren "Spiegel"-Kombattanten Henryk M. Broder, Georg Mascolo und Matthias Matussek

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Der frühere "Spiegel"-Chefredakteur Stefan Aust wird Herausgeber bei der "Welt". Foto: dpa
Der frühere "Spiegel"-Chefredakteur Stefan Aust wird Herausgeber bei der "Welt".Foto: dpa

Bei Springer liefen sie auch am Dienstag noch um den Weihnachtsbaum. Mit dem Kauf von N 24 wird die Dreifaltigkeit aus Print, Online und Fernsehen wahr, mehr Zukunft geht nicht. Und bald kommt Stefan Aust, jener visionäre Macher, der schon im Spiegel-Verlag das Medien-Trio erfolgreich bespielt hat. Zwar musste Aust den „Spiegel“ verlassen, aber was ein echter Prophet ist, der findet immer neue Berge.

Aust kommt zupass, dass der Springer-Verlag für den Bewegtbild-Kosmos nicht genügend Kompetenz in den eigenen Reihen hat. Schrauber, Geld, Newsroom-Fetischisten – alles da, aber die prominenten Köpfe? Also wird eingekauft, was beim „Spiegel“ die Stirn runzelt. Erst kam Henryk M. Broder, dann wurden die Engagements von Matthias Matussek, Georg Mascolo und jetzt von Stefan Aust bekannt. Letzterer ist passionierter Reiter, von trojanischen Pferden versteht er was. Broder, Matussek, Mascolo – sie alle haben für und mit Chefredakteur Aust gearbeitet. Broder hat eine kräftige Stimme und immer eine Gegenmeinung, Matussek hält als bekennender Katholik dem Zölibat die Stange, Mascolo recherchiert jede Geschichte rund und wund. Kommt Aust zu Springer, kann er dort und mit denen weitermachen, die mit ihm schon in der „Spiegel“-Kantine saßen und Intrigen schmiedeten. Heimat Hamburg in der Berliner Fremde, herrlich.

Insider erwarten, dass die Viererbande schier geschlossen ins Fernsehen geht, wenn aus N 24 Springer-TV wird. Broder, der ARD-Star mit seiner „Deutschlandsafari“, liebt das Eitelkeitsmedium Nummer eins und wird von ihm geliebt; Matussek („Matussek trifft ...“) pimpt jede Sendung hoch und kann – siehe „Krömer“ – sehr beleidigt reagieren; Aust, Blauhemd, aufgekrempelte Ärmel, Stahl im Blick, hat mit „Spiegel-TV“ Privatfernsehgeschichte geschrieben.

Was am Sonntag passieren wird, in Konkurrenz zu „Günther Jauch“? Stefan Aust räsonniert mit dem Springer-Vorstandsvorsitzenden Mathias Döpfner über die Zeitläufte. Im Vordergrund prasseln die Gedanken, im Hintergrund der Kamin.

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