„Die Familiendetektivin“ : Das ZDF frischt den Samstagvorabend auf

Das Zweite versucht es mit einer Familiendetektivin am Samstagvorabend. Dabei hat die Heldin, gespielt von Elena Uhlig, einen ausgeprägten Lästigkeitsfaktor.

Jörg Seewald
Detektivin Julie Berg (Elena Uhlig, links).
Detektivin Julie Berg (Elena Uhlig, links).Foto: dpa

Rita Russek ist eine gute Schauspielerin. Sie hat die Lacher auf ihrer Seite, als sie den Journalisten vorspielt, wie der erste Drehtag zur neuen ZDF-Familienserie „Die Familiendetektivin“ ablief. Sie sei ans Set gekommen und habe Regisseur Ulli Baumann ihre Version des Drehbuchtextes angeboten. „Das kann man doch auch so sagen …“. Doch der blieb hart. Aus gutem Grund: „Dann ist nicht nur mir klar geworden: Das hier ist etwa ganz Besonderes. Ein Drehbuch, in dem sogar jedes Satzzeichen seinen Sinn hat. Wenn man vorne etwas verändert, passt weiter hinten der Anschluss nicht. Dieser Dreh forderte volle Konzentration von uns allen. Aber es war deshalb auch ungewöhnlich gut.“

Das Kompliment der Münchnerin, in der „Familiendetektivin“ für den anarchischen Teil der Serie zuständig, lässt die Berliner Autorin Rodica Doehnert nicht einmal erröten. Sie weiß um die Qualität ihrer ersten Familienserie, die sie teilweise parallel zu ihrem Mammutprojekt „Adlon“ geschrieben hat. Der Beruf des Drehbuchautors sei in Deutschland in den letzten Jahren in Verruf gekommen, findet sie und bittet um „Respekt“ – bewaffnet mit einem Bibelzitat. „Da steht doch auch: ,Am Anfang war das Wort‘“. Ihre Hauptdarstellerin, die Familiendetektivin Julie Berg, gespielt von Elena Uhlig, die einst mit „Herz und Handschellen“ ermittelte, begriff das schnell. „Ich habe mich gleich in die Autorin verliebt. Normal fragst du erst nach dem Dreh, von wem die Bücher waren, aber hier wirkte alles so, als ob Frau Doehnert mich beschrieben hätte: Klar, nach vorne heraus, kraftvoll. Das hier konnte nur ich spielen.“

Doch vor dem Dreh stand erst die Grundsatzentscheidung des ZDF, wieder den samstäglichen Vorabend mit einer Familienserie zu bestücken. Die Familiendetektivin Julie tritt immerhin das schwierige Erbe der Robbe Robbie und des Affen Charly an. Die ZDF-Hauptredaktionsleiterin Heike Hempel schildert die „empathische Privatdetektivin, die ohne Leichen und Kriminalität auskommt, mehr als Heilerin denn Fahnderin“ und lobt Rodica Doehnert als „Autorin, die lebensklug erzählt und neu definiert, was eine Familienserie heute sein kann!“

Um es vorwegzunehmen: Diesen Vorschusslorbeeren wird „Die Familiendetektivin“ natürlich nicht ganz gerecht. Dafür vertrauen die Macher dann doch wieder zu wenig den viel gelobten Dialogen und schmieren die gewohnte musikalische Soße um die farbenfrohen Bilder aus Augsburg, wohin die alleinerziehende Mutter mit ihrem Teenie-Nachwuchs Frizzi und Oskar aus Berlin gezogen ist. Onkel Theo hat ihr dort ein Haus vererbt, in das seine ehemalige Freundin Maria gleich mit einzieht „statt sich auf dem Jakobsweg selbst zu finden“ (Rita Russek). Dazu gesellen sich noch ein tollpatschiger Heimwerker und der Kommissar Conrad Haas, der absehbar mit Heikko Deutschmanns blauen Augen das Herz von Elena Uhlig erobern wird.

Was man bisher nicht kannte an ZDF-Familienserien dieser Kategorie ist ein Lästigkeitsfaktor der Heldin. Die gibt sich nicht zufrieden mit dem einfachen Lösen der Fälle. „Diese Familiendetektivin ist wie eine Zecke und mischt sich ein. Ich bin ja gar nicht diskret. Dieses Küchenpsychologische der Serie liegt mir. Ich gebe auch zu allem meinen Senf dazu. Meine Julie will helfen und manchmal kehrt sie um, im Stil von Columbo und sagt ,Ich hätt da noch ’ne Frage‘“, sagt Uhlig. Es sei ein „Trick“ der Serie „hier auch mal in einen Fettnapf zu springen und hinterher zu fragen: Was hab ich denn gerade gesagt? Das liegt mir.“

„Mit der Hauptrolle stehst du am Pranger."

Trotzdem sieht sie dem Start der „Familiendetektivin“ mit besonderer Spannung entgegen, denn sie fühlt: „Mit der Hauptrolle stehst du am Pranger. Wenn es nicht läuft, heißt es schnell, die Uhlig ist Kassengift. Das setzt dich unter Druck. Ich hab noch nie vorher alle Bücher gekonnt. Dieses Mal habe ich in sechs Wochen vier Bücher gelernt mit der Hilfe eines Coachs.“

Diesen Perfektionsdrang teilt sie immerhin mit Autorin Doehnert: „Ich überlasse nichts dem Zufall. Alles ist durchdacht. Ich habe eine Psychologin, mit der ich die ganzen Geschichten durchspreche.“ Doehnerts lobenswertes Credo für dieses Projekt lautet: „Auch am Vorabend sollte Qualität so gut sein, dass wir etwas in die Welt geben, was transformiert und nicht, was beliebig ist.“ Deswegen hat sie dem schon vorab geäußerten Wunsch aus der Produktion schon eine Absage erteilt. Die hatte sich im Falle der Fortsetzung 15 weitere Folgen gewünscht. Doehnert dazu resolut: „Wir werden maximal zwölf Folgen drehen. Es gibt eine klare Absprache mit dem ZDF: Ich schreibe entweder alle Folgen oder gar keine.“

So etwas nennt man heute wohl alternativlos.

„Die Familiendetektivin“, ZDF, Samstag, 19 Uhr 25

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