• "Die Gladow-Bande": Heute Abend im Ersten: ein spannendes Kapitel Berliner Kriminalgeschichte

Medien : "Die Gladow-Bande": Heute Abend im Ersten: ein spannendes Kapitel Berliner Kriminalgeschichte

Isabel Merchan

Als fünfte Folge der Dokumentationsreihe "Die großen Kriminalfälle" zeigt die ARD heute um 21 Uhr 45 den vom SFB produzierten Film "Die Gladow-Bande - Chicago in Berlin". Anders etwa als die bereits gesendete Folge über den Kindermörder Jürgen Bartsch, behandelt dieser Film ein weniger bekanntes, aber ebenso spektakuläres Kapitel deutscher Kriminalgeschichte.

Man schreibt das Jahr 1948, Beginn derBerlin-Blockade. Über den West-Sektoren kreisen die Rosinenbomber, am Alexanderplatz blüht der Schwarzmarkt. Hier beginnt die kriminelle Laufbahn des "Kipper-Königs" (Falschgeldhändlers) Werner Gladow aus der Schreinerstraße in Friedrichshain. Der 17-Jährige träumt davon, aus dem Elend des Mietskasernenviertels auszubrechen und Berlins "Al Capone" zu werden.

Gladow scharrt eine Bande Gleichaltriger um sich. Schlagzeilen macht die Bande erstmals, als sie Vopos an der Sektorengrenze entwaffnet. Mit den Waffen begehen die "Weißen Krawatten", wie sich die "Gladow-Bande" selbst nennt, Raubüberfälle in Ost und West. Mal stehlen sie einen Pudding von einer Fensterbank, mal teure Leicas aus einem Fotogeschäft oder Schmuck aus einer Dahlemer Villa. Versucht jemand, sie aufzuhalten, schießen sie sich wie in Chicago den Weg frei. Es gibt Tote. Monatelang halten sie die Polizei in Ost und West in Atem und profitieren dabei von der Spaltung der Berliner Polizei. Schließlich wird die Bande im Osten geschnappt, Gladow verhaftet, zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Das Rauben sei ein regelrechter "Vollzeitjob" gewesen, erinnert sich ein Ex-Mitglied der Gladow-Bande. Mit ihm kommen auch ehemalige Schieber vom Alex oder damals im "Gladow"-Fall ermittelnde Polizisten zu Wort. Da es wenig dokumentarisches Filmmaterial gibt, werden viele dieser Erzählungen durch szenische Rekonstruktionen und Originaltöne aus damaligen Nachrichtensendungen ergänzt.

"Die Gladow-Bande - Chicago in Berlin" dokumentiert ein spannendes Kapitel Berliner Geschichte. Zugleich arbeiten die Regisseure Ute Brönnen und Gerald Endres das für diese Zeit Typische an dem "Fall Gladow" heraus. Gladow etwa wurde wie viele Minderjährige in Hitlers "Endkampf" geschickt. Eigentlich wollte er studieren. Doch nach Kriegsende fand er keinen Anschluss an das zivile Leben und dessen Werte. Er orientierte sich an den Codes der Unterwelt - weniger an der deutschen als an dem Ganoventum, wie es US-Filme der "Schwarzen Serie" zeigten.

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