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Die Magie der Zahlen : "Und davon kann man leben?"

16.04.2011 23:45 Uhr

Rätselmacher Stefan Heine über den Sudoku-Boom, Leserpost und die Frage, ob sich Intelligenz steigern lässt.

Herr Heine, Sie gelten weltweit als Koryphäe des Sudokus. Bereits 1999 hatten Sie Sudokus in Ihrem Rätselrepertoire. Die fanden damals aber nur wenig Anklang. Wie kam es sechs Jahre später zu dem Sudoku-Boom in Deutschland?

Sudokus wurden ja ursprünglich in den USA publiziert und dann von Japanern entdeckt. Das breitete sich dann von Japan nach Europa aus. In England löste „The Times“ 2004 den Trend aus. Als ich deutschen Medien das erste Mal Sudoku für die Rätselseite vorschlug, interessierte sich niemand dafür. Als England dann bereits einige Monate im Sudoku-Fieber war, riefen mich viele Zeitungen an: „Herr Heine, wir brauchen diese Sudoku-Sache auch!“.

Deutschland übernimmt scheinbar lieber bewährte Rätseltrends aus anderen Ländern, als selber Trendsetter zu sein.

Funktioniert Sudoku in jedem Kulturkreis?

Eigentlich schon. In Japan hat Sudoku unter anderem deshalb so geboomt, weil aufgrund der Schriftzeichen keine klassischen Schwedenrätsel funktionieren.

Verändert sich der Schwierigkeitsgrad der Sudokus, mit denen Sie die deutschen Medien versorgen?

Auf jeden Fall. Die Leser beschwerten sich irgendwann, wir würden die Rätsel immer einfacher machen. Das stimmte nicht – die Leser wurden nur immer besser. Das Niveau der Rätsel ist in den letzten Jahren gestiegen. Ein Einsteiger hat es heute schwerer als vor fünf Jahren. Allerdings kann man sich mittlerweile über viele Kanäle Hilfe holen. All die Internetforen, in denen es Sudoku-Tipps gibt, sind in den letzten Jahren entstanden.

Wie kommt es, dass das klassische Sudoku aus 81 Kästchen besteht?

Für Kinder gibt es auch kleinere Spiele, die für Erwachsene aber zu leicht wären. An der nächstmöglichen Größe von 16 x 16 Kästchen würde man deutlich länger sitzen. 81 Kästchen passen außerdem gut in zwei Zeitungsspalten.

Gibt es viel Leserpost?

Dauernd. Bei den Schwedenrätseln findet sich immer irgendein Physiker, der meint, eine Ungenauigkeit entdeckt zu haben. Bei Sudokus ist es anders: Es darf auf keinen Fall mehrere Lösungen geben, sonst lässt es sich nicht mehr mit Logik lösen, sondern nur durch Raten. Beschwerden gibt es besonders von Lesern, deren Zeitungen das Rätsel sehr klein abdrucken. Dann schreiben es sich die Leute häufig groß ab und vergessen dabei eine Zahl. Schon funktioniert das Sudoku nicht mehr. Ich fordere die Menschen meistens auf, mir das Rätsel, bei dem sie nicht weiterkommen, zu schicken und dann erkläre ich ihnen am Telefon den nächsten logischen Schritt. Nur so glauben sie mir, dass kein Fehler drin ist.

Macht es einen Unterschied, ob man das Sudoku mit Zettel und Stift, oder am iPad, Computer oder Handy löst?

Es kommt darauf an, wie die Leute da rangehen. Viele schreiben sich kleine Hilfszahlen in das Rätsel. Für die richtig Guten ist es egal, ob sie Papier oder einen Bildschirm vor sich haben. Die schauen nur einmal drauf und füllen dann die Felder aus. Keine Ahnung, wie die das machen.

Wie lange brauchen Sie, um ein anspruchsvolles Sudoku zu bauen?

Es gibt schon Computerprogramme, die das sehr schnell können. Aber wenn ich Rätsel für die Meisterschaften entwerfe, mache ich das mit der Hand. Das kann eine Woche dauern – und die Cracks lösen sie dann in wenigen Minuten. Aber ich freue mich immer sehr über die Blicke, die mir die Spieler zuwerfen, wenn sie an meinen besonders kniffligen Rätseln sitzen.

Ist das Lösen von Sudokus Übungssache oder eine Frage der Intelligenz?

Beides. Wer im logischen Denken sehr fit ist, hat es zuerst natürlich leichter. Aber um richtig gut zu werden, muss auch der Superschlaue viel üben.

Lässt sich die Intelligenz mit Logikrätseln steigern?

Ein befreundeter Psychologe untersucht die Intelligenz von Kindern und Jugendlichen und meint, der IQ sei nicht steigerbar. Es gibt jede Menge Intelligenztrainer, die das Gegenteil behaupten. Ich denke, Logikrätsel helfen, das Gehirn fit zu halten.

Was für neue Herausforderungen gibt es für die absoluten Sudoku-Profis?

Bei einer anspruchsvolleren Variante, dem sogenannten Killersudoku, sind keine einzelnen Zahlen mehr angegeben, sondern nur noch die Summe einiger zusammengefasster Felder. Aber für alle Sudoku-Varianten gibt es leichte und schwierige Versionen.

Entwickeln Sie auch neue Sudoku-Arten?

Ja, zu jeder Meisterschaft bringe ich zwei bis drei neue Arten mit. Das ist so ein kleiner Wettbewerb unter den Rätselmachern.

Wie sieht es mit der Rätselmacher-Konkurrenz aus dem Ausland aus?

Der internationale Sudoku-Guru bin derzeit ich. Allerdings ist Rätselmacher hier kein besonders populärer Beruf. Wenn ich gefragt werde, was ich mache, reagieren die Leute meistens mit „Und davon kann man leben?“ In dem USA hat man da ein größeres Ansehen. Der Kreuzworträtsel-Guru Will Shortz aus den USA hatte schon Auftritte in den Simpsons und in allen möglichen Serien.

Welche Nation liegt denn bei den Sudoku-Weltmeisterschaften regelmäßig an der Spitze?

Teamweltmeister ist aktuell Deutschland, zum ersten Mal. Stark sind auch die Tschechen, das Team der USA, Japan und China. Die Polen sind auch sehr berätselt. Viel älter als die Sudoku-Meisterschaften sind allerdings Wettbewerbe für Logikrätsel. In der Kategorie können wir mit Ulrich Voigt einen siebenmaligen Weltmeister vorweisen. Voigt mag aber kein Sudoku und spielt da nie mit. Das ist ihm zu profan und zu langweilig.

Das Gespräch führte Pia Frey.

Stefan Heine, 41, studierte Jura und Betriebswirtschaftslehre. 1995 begann er, Rätsel zu entwickeln. Der „Presse Service Heine“ beliefert 250 Publikationen mit Rätselmaterial.

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