Die TV-Saison 2013/2014 : RTL will älter, das ZDF jünger werden

Rach beim ZDF, Cindy aus Marzahn bei Sat 1, ein neuer Intendant eines ARD-Senders: Das Fernsehen befindet sich vor der kommenden TV-Saison im Wechselfieber.

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Schmeckt überall gut. Christian Rach soll demnächst fürs ZDF kochen. Der Sternekoch und Buchautor brutzelt seit acht Jahren für RTL.Foto: RTL
Schmeckt überall gut. Christian Rach soll demnächst fürs ZDF kochen. Der Sternekoch und Buchautor brutzelt seit acht Jahren für...

Wer beim derzeitigen Fernsehprogramm von Höhepunkten spricht, braucht viel Fantasie. Wiederholungen, Wiederholungen, Sommerloch, ein Plädoyer für den Biergarten, nichts Neues. Desto spannender soll die kommende TV-Saison werden. Was planen die Sender 2013/2014? Was wird garantiert nicht laufen? Sechs Fragen, sechs Antworten.

RTL: Neues Publikum, neues Glück?

Thomas Gottschalk und Günther Jauch sollen in der gemeinsamen Spielshow „Die 2“ auf Quotenfang für den Kölner Privatsender gehen. Außerdem gibt es ein Wiedersehen mit dem Kuppel-Erfolg „Bauer sucht Frau“ mit Inka Bause, Drag-Queen Olivia Jones soll „Promis auf Pauschalreise“ begleiten. Bei den Casting-Formaten „Das Supertalent“ und „Deutschland sucht den Superstar“ sind Änderungen abzusehen – aber Dieter Bohlen bleibt. Es ist auffällig, wie RTL sein Programm der jüngst erweiterten Zielgruppe der bis zu 59-Jährigen anpassen will. Andersherum: Für Gottschalk, 63, Jauch, 57, und Bohlen, 59 muss nun dringend ein Publikum beschafft werden, wenn es denn kein Flopp werden soll.

ZDF: Schafft Lanz den Durchbruch?

Kann sein, dass sich der „Seniorenkurs“ von RTL (Altersdurchschnitt: 47 Jahre) und der „Juniorenkurs“ des ZDF (60 Jahre) begegnen. ZDF-Programmchef Norbert Himmler jedenfalls setzt auf Verjüngung, und weil er das tut, hat er das Engagement von Christian Rach angekündigt. Deutschlands führender „Geschmacksvertreter“ soll von RTL zum Zweiten gelockt werden. Was für das Dokutainment gilt, gilt auch für die Fiktion: Abgesetzte Serienklassiker wie „Forsthaus Falkenau“ oder „Der Landarzt“ sollen mit den Novitäten „Die Herzensbrecher“ und „Die Familiendetektivin“ ein mildes Make-up erhalten. Zudem traut sich das ZDF zu, die hochgelobte US-Serie „Breaking Bad“ zu „germanisieren“. Über aller Anstrengung steht die Frage: Bringt Markus Lanz „Wetten, dass..?“ unter seine Kontrolle? Cindy, die Assi aus Marzahn, ist weg, dafür kommt ein neuer Redaktionsleiter, Oliver Heidemann, der Helene Fischer groß rausbrachte. Prognose: Lanz ist nicht zu helfen, er ist nicht der Mann für die Liveshow.

ARD: Wann ist das Erste das Erste?

Gute Frage. Jetzt ist das Programm mit dem meisten Geld erst mal Zweiter hinter dem ZDF. Auch vom neuen WDR-Intendanten Tom Buhrow sollte man sich nicht allzu viel Innovation versprechen, der ist Fleisch vom Fleisch. Das Erste lebt zu sehr in seiner Tradition, „Tatort“ bleibt „Tatort“, selbst wenn der MDR neue Teams in Rennen schickt. Die Talkerei geht weiter, dann kommen Winter-Olympia und Fußball-WM. Vielleicht sollte RTL noch der eine oder andere Moderator für gutes Geld abgekauft werden, vielleicht der ganze Jauch. Damit irgendetwas passiert.

Sat1: Untergang oder Aufstieg?

Das Programm mit dem schwächsten Profil muss den permanenten Quotenfall stoppen. Die Visionen von Senderchef Nicolas Paalzow sind Cindy aus Marzahn, Oliver Pocher, das Spektakel „Promi Big Brother“, Koch-Casting mit Tim Melzer, Diana Amft in einer neuen Krimiserie. Die erfolgreichen Talentshows „The Voice“, „The Voice Kids“ und auch „Got to Dance“ in Fortsetzung. Sat1 will nicht der Sender sein, der das U-Fernsehen neu erfindet. Wie wär’s wieder mit mehr Sport, zum Beispiel Wimbledon-Tennis.

Pro7: Stillstand als Fortschritt?

Besser nichts verkehrt machen, wenn’s einigermaßen läuft, ist das Motto von Pro7. Also Joko & Klaas & Stefan Raab. Der bislang unauffälligen Karriere von Moderator und Songwriter Olli Schulz wird eine größere Bühne gebaut. Dazu das Comedian-Comeback von Michael „Bully“ Herbig und das TV-Debüt von Claudia Schiffer („Fashion Star“). Heidi Klum reicht als Model-Mutti.

Vom Programm-TV zum Online-TV?

Vom Fernsehen der Zukunft heißt es, dass es ohne Fernsehen auskommt. Video-on-Demand, Serien und Filme gucken, nicht, wenn es der Sender will, sondern, wann der Zuschauer es will. Die Saison 2013/2014 wird zeigen, was an dem großen Getöse um den US-amerikanischen On-Demand-Sender Netflix – vor dem Sprung auf den deutschen Markt? –, Watchever, MyVideo, Videoload, Lovefilm und Maxdome dran ist. Ganz zu schweigen vom Online-Portal Germany‘s Gold, mit dem die Öffentlich-Rechtlichen den VoD-Markt aufmischen wollen. Rappeln wird es auf jeden Fall beim Kinderfernsehen. Disney macht aus dem Vierten einen Disney-Kanal. Das muss nichtnur Super RTL hart treffen.

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