Bundesregierung : Wer seine Botschaften weit verbreitet

Einen Account bei Facebook und Twitter haben die meisten Mitglieder der Bundesregierung. Wirklich erfolgreich sind aber nur wenige.

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Bundeskanzlerin Angela Merkel schaut kurz mal auf ihr Handy.
Bundeskanzlerin Angela Merkel schaut kurz mal auf ihr Handy.Reuters

Wie erfolgreich nutzen die Bundespolitiker eigentlich Facebook und Twitter. Einen Account haben die meisten, aber bringt ihnen das was? Im Zeitraum vom 4. August bis zum 3. September hat das Berliner Unternehmen ubermetrics die Beiträge des Kabinetts analysiert. Und untersucht: Wie gut schaffen es die Ministerinnen und Minister, ihre Botschaften zu verbreiten. Wie gut erreichen sie die Bürger im Netz.

Es zeigt sich, dass nur wenige Politiker in beiden Netzwerken, auf Facebook wie auf Twitter, erfolgreich sind. Allein Justizminister Heiko Maas (SPD) schafft es, seine Themen über beide Kanäle in der digitalen Öffentlichkeit zu verbreiten, bemerkt zu werden, Reaktionen zu erhalten. Bei Twitter erreichte er die höchste Interaktionsrate, bei Facebook die zweithöchste. Nach Sigmar Gabriel.

Beim Wirtschaftsminister (SPD) zählten die Macher der Untersuchung 455 Interaktionen pro Posting. Mit Interaktionen ist bei Facebook liken, teilen und kommentieren gemeint, bei Twitter Favorisierungen und Retweets. Nach Gabriel kommt Heiko Maas mit 158 Interaktionen und Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) mit 73 Interaktionen. So gut wie keine Likes oder Kommentare bekamen die Beiträge von Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) und Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD).

Nicht die Menge macht es

Ausschlaggebend war dabei nicht, wer die meisten Beiträge schrieb. Der aktivste Minister bei Facebook ist immerhin Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). Er veröffentlichte in den vier Untersuchungswochen 111 Postings. Im Schnitt waren das 3,5 Postings am Tag. Auf ihn folgte Sigmar Gabriel mit 51 Postings, Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) mit 49 Postings und Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) mit 43 Postings. Bei Andrea Nahles zählten die Macher neun Postings. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) veröffentlichten nichts.

Man erkennt sehr klar ein Gefälle zwischen den einzelnen Accounts“, sagt der Politikberater und Blogger Martin Fuchs. „Einen Account besitzen und ihn richtig einsetzen sind auch in der Bundespolitik weiterhin zwei verschiedene paar Schuhe.“

Bundesregierung ist erfolgreich

Im Vergleich der Ministerien zeigt sich: Das Auswärtige Amt ist am aktivsten. Es postete im Untersuchungszeitraum 97 Beiträge, die Bundesregierung 66 Postings (2,1 Postings pro Tag), das Justizministerium 43 Beiträge. Die Fanseite der Bundesregierung erzielte mit über 530 Interaktionen je Posting aber die meisten Reaktionen, das AA folgte mit 44 Interaktionen je Posting. Die anderen Ministerien erzielen keine bis maximal zehn Rückmeldungen. Am schlechtesten schnitten die Ministerien für Familie und Justiz ab.

Bei Twitter haben fünf Minister einen Account: Peter Altmaier, Sigmar Gabriel, Hermann Gröhe, Heiko Maas und Manuela Schwesig Mit 186 Tweets schrieb Manuela Schwesig am meisten (sechs Tweets pro Tag). Die mit Abstand meisten Interaktionen erzeugte allerdings Justizminister Heiko Maas. Mit durchschnittlich 13 Retweets und Favorisierungen gingen seine Tweets am stärksten viral. Er schafft es am besten, Bürger über diesen Kanal zu erreichen.

Wenig Interaktionen beim Digitalministerium

Von den Ministerien twittern zwölf. Am aktivsten ist das Umweltministerium mit über 400 Tweets (13 Tweets pro Tag), gefolgt von dem Familienministerium (310) und dem Auswärtigen Amt (304). Am wenigsten twitterten das Bildungsministerium und das Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft.

Die höchste Viralität erzeugten die Tweets vom Auswärtigen Amt, vom Justiz- und Finanzministerium. Das AA erzeugte durchschnittlich sechs Interaktionen pro Tweet. Am wenigsten reagierten die Nutzer auf Tweets des Familien-Arbeits- und Digitalministeriums. Letzteres erzeugte nur 0,75 Interaktionen pro Tweet.


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