Computerspielpreis an "The Inner World" : Knapp am Eklat vorbei

Beinahe wäre es beim Deutschen Computerspielpreis erneut zum Eklat gekommen. Doch der Shooter "Crysis" ging leer aus, zum besten deutschen Spiel wurde das Abenteuerspiel "The Inner World" ausgezeichnet. Dennoch soll der Preis nun überarbeitet werden.

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Nominiert, nicht prämiert: Der Shooter „Crysis 3“. Den Deutschen Computerspielpreis 2014 erhält "The Inner World".
Nominiert, nicht prämiert: Der Shooter „Crysis 3“. Den Deutschen Computerspielpreis 2014 erhält "The Inner World".Foto: Promo

Bei der Verleihung des Deutschen Computerspielpreises am Donnerstagabend in München spielte der Shooter „Crysis“ dann doch keine Rolle mehr, auch nicht als „Jury Award“. Eine komplette Wiederholung des Eklats von vor zwei Jahren blieb dem von der Politik ins Leben gerufenen Preis damit diesmal erspart. Als Bestes Deutsches Spiel wurde das Adventure „The Inner World“ ausgezeichnet. Aus 140 Einreichungen hatte die Jury 20 Spiele nominiert. Insgesamt werden in diesem Jahr Preisgelder in Höhe von 345 000 Euro ausgezahlt. Den Preis als Bestes Internationales Computerspiel beim parallel vergebenen Lara-Award erhielt der Titel „Papers, Please“. Dass es Handlungsbedarf beim Deutschen Computerspielpreis gibt, ist der Stiftung Digitale Spielekultur jedenfalls klar. Geschäftsführer Peter Tscherne kündigte in München an, dass ab Juni gemeinsam mit den Verbänden und dem Bundesministerium für Verkehr und Digitale Infrastruktur an der Weiterentwicklung der Auszeichnung gearbeitet werde.

Die Vergabe des Computerspielpreises verlief allerdings auch in diesem Jahr nicht reibunglos: Wenige Tage vor der feierlichen Verleihung der Preise vor 600 Gästen hatten zwei Redakteure von renommierten Spielezeitschriften unter Protest die Jury des Preises verlassen. Die Redakteure Heiko Klinge von der Zeitschrift „GamePro“ und Andre Peschke von „GameStar“ (beide IDG Verlag) gehören seit der Gründung des Preises zu den ehrenamtlichen Jury-Mitgliedern.

Eine Zweidrittelmehrheit kann mit drei Stimmen geblockt werden

Auslöser für den Auszug aus der Jury ist nun eine Sonderregelung für Erwachsenenspiele, also für Titel mit der USK-Einstufung ab 18 Jahren. Wird ein Spiel mit dieser Einstufung von zwei Dritteln der Hauptjury gewählt, kann eine Minderheit von drei Juryvertretern mit ihrer Stimme dennoch verhindern, dass dieser Titel als Gewinner hervorgeht. Statt- dessen rutscht das Spiel in eine Sonderkategorie namens „Jury Award“. An der Vergabe dieses Preises nehmen die politischen Vertreter nicht teil. „Dadurch wird deutlich, dass Computerspiele eben doch nicht als gleichberechtigtes Kulturgut angesehen werden“, sagte Klinge dem Tagesspiegel. Der Deutsche Computerspielpreis war 2009 von der Bundesregierung und den Branchenverbänden Game und BIU ins Leben gerufen wurde, um die Entwicklung kulturell und pädagogisch wertvolle Spiele aus Deutschland zu fördern.

Die Regelung war eingeführt worden, nachdem der Shooter „Crysis 2“ vor zwei Jahren den Deutschen Computerspielpreis in der zentralen Kategorie „Bestes Deutsches Spiel“ gewonnen hatte. „Nun wird krampfhaft versucht, es allen recht zu machen. Doch genau damit wird alles falsch gemacht“, ärgert sich das ehemalige Jurymitglied Klinge. Die Sonderregel kommt einem Vetorecht gleich. Damit werde ausgeschlossen, dass ein Erwachsenenspiel kulturell und pädagogisch wertvoll sein kann.

Zu den Nominierten des diesjährigen Preises gehört in der Kategorie „Bestes Deutsches Spiel“ auch der Titel „Crysis 3“. Der Ego-Shooter des Frankfurter Studios Crytek ist der Abschluss der „Crysis“-Trilogie. Von der Fachpresse werden unter anderem die opulente Grafik und die kinoreife Musik gelobt. Von der USK wurde der Titel als nicht jugendfrei eingestuft. „Mir geht es nicht darum, dass ,Crysis 3’ den Preis bekommt. Denn man kann sicherlich geteilter Meinung darüber sein, inwieweit dieses Spiel pädagogisch und kulturell wertvoll ist“, sagte Klinge: „Mir ist es aber wichtig, dass eine Jury autark arbeiten kann und nicht zum Spielball von Politik und Interessensverbänden wird.“

Beim Computerspielpreis stimmt die Politik mit ab

Zu den Besonderheiten des Computerspielpreises gehört, dass zwei Gremien über die Preisvergabe entscheiden. Dabei kann das Votum der Fachjury über die Sonderregelung durch die Hauptjury blockiert werden. In diesem Gremium sitzen neben der Spielebranche und den Fachmedien auch Vertreter von Wissenschaft und Politik, wie zum Beispiel CDU-Generalsekretär Peter Tauber oder Lars Klingbeil von der SPD-Bundestagsfraktion und Dorothee Bär (CSU) als Staatssekretärin beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur.

Als weitere Preisträger wurden am Donnerstagabend noch sechs weitere Titel ausgezeichnet. Das Spiel "Malduell" siegte in der Kategorie "Bestes Kinderspiel, als bestes Jugendspiel wurde "Beatbuddy: Tale of the Guardians" geehrt. Bestes mobiles Spiel ist der Titel "Clarc", bestes Browsergame "Anno online". In der Kategorie für das beste Nachwuchskonzept ging die Ehrung an "Scherbenwerk - Bruchteil einer Ewigkeit". Zudem gab es einen Sonderpreis, der an "The Day the Laughter Stopped" ging.

Ein Ehren-Lara geht an die USK

Beim Lara-Award räumte "The Last of Us" gleich zwei Titel ab: den Preis als bestes internationales Konsolenspiel und den Publikumspreis. Eine weitere Auszeichnung gingen an "The Legend of Zelda" in der Kategorie Bestes internationales mobiles Spiel. Der Ehrenpreis "Lara of Honor" ging an die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle USK, die seit 20 Jahren Spiele auf ihre Alterstauglichkeit prüft sowie an Todd Howard, den Game Director und Executive Producer für Bethseda Game Studios. Todd Howard ist verantwortlich für die Entwicklung der "Fallout"- und "Elder Scrolls"-Serien. Kurt Sagatz

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