Girls around Me : Aufregung um Stalker-App

Eine Kontakt-App hat zu einer kontroversen Diskussion über den sorglosen Umgang mit privaten Daten im Internet geführt. Die Anwendung verschwand schnell wieder aus dem App-Store - aber ob das ihr dauerhaftes Aus ist, ist unklar. Was bleibt, ist Unsicherheit.

Christa Roth
Wenn der One-Night-Stand zum Greifen nah ist: So warb bis vor Kurzem noch eine iPhone-App. Foto: Screenshot
Wenn der One-Night-Stand zum Greifen nah ist: So warb bis vor Kurzem noch eine iPhone-App.Foto: Screenshot

Eine iPhone-App namens "Girls Around Me" ist am Wochenende heftig in die Kritik geraten, besonders in englischsprachigen Medien wurde sie heftig diskutiert. Worum geht es? Die Applikation erlaubt Anwendern, sich auf einer Google-Karte die Standorte von Personen anzeigen zu lassen, die sich in der unmittelbaren Umgebung befinden. Das funktioniert, wenn sie sich vorher bei den Lokalisations- und Kommunikationsdiensten Foursquare oder Facebook angemeldet und der Veröffentlichung ihrer Standorte zugestimmt haben.

So weit, so unaufregend. Das Besondere bei "Girls Around Me": Mit der App kann der Benutzer nach Geschlechtern gefiltert suchen. Name und visuelle Aufmachung der App deuten darauf hin, dass vor allem männliche Nutzer angesprochen werden sollen: Silhouetten wohlgeformter Frauenkörper in aufreizenden Posen erscheinen auf einer Art Radar. Sie signalisieren: Ich zeige Dir, wo sich das Objekt Deiner Begierde befindet.

Die als Kontakt-App konzipierte Anwendung ("Lust auf einen One-Stand? Finde hier die heißesten Mädels!") geriet schnell in Verruf. Die in Moskau ansässige Betreiberfirma hat im Zuge der hitzigen Debatte die App nach nur kurzer Verkaufszeit am Samstag wieder aus dem App-Store genommen. Die offizielle Begründung für diesen Schritt: Die notwendige Behebung eines technischen Fehlers. Ist das dauerhaft das Aus für die App? Die Firma hüllt sich in Schweigen.

Seitdem diskutieren auch hierzulande Nutzer Vor- und Nachteile von Lokalisationsdiensten und deren Missbrauch. Da das Sammeln und Aufbereiten öffentlich verfügbarer Standortangaben aus anderen Diensten (ein so genanntes Mash-Up) legal ist, steht derzeit wieder die Debatte um den vermeintlich sorglosen Umgang mit privaten Daten im Internet im Fokus der Aufmerksamkeit.

Viele finden die Applikation äußerst bedenklich: Mit ihrer Hilfe könnten etwa potentielle Stalker und Sexualstraftäter ein genaues Bewegungsprofil der mit Bild angezeigten Anwenderinnen von Foursquare erstellen und auf deren Facebook-Profile verwiesen werden. Ungeschützte Profile ermöglichen den direkten Abruf weiterer persönlicher Angaben und Fotos, so die Kritiker der App. Dadurch erhöhe sich das Risiko für Frauen, verfolgt und womöglich sogar bedroht zu werden.

Befürworter der App argumentieren, dass soziale Netzwerke nach dem gleichen Such-Prinzip verfahren. Lediglich die Möglichkeit, nach Geschlechtern zu filtern, unterscheide "Girls Around Me" von Apps wie Banjo und Sonar oder anderen Online-Netzwerken wie Facebook. Um den genauen Standort einer Person zu erfahren, seien derartige Anwendungen außerdem auch zudem kein zuverlässiges Instrument: Bereits kurz nach dem Einloggen an einem bestimmten Ort könnten Nutzerinnen diesen schon wieder verlassen haben. Eine Gefahr bestehe also noch lange nicht.

Fest steht: Wer sich bei Foursquare oder anderen Onlinediensten einloggt, erwartet nicht, dass sein Standort oder Profilbild in einer anderen App erscheint – obwohl das technisch machbar ist, wie "Girls around me" zeigt. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte auf das Einchecken im Lieblingscafé oder dem Laden um die Ecke einfach verzichten.

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