Löschen light : Kannste vergessen

Seit dieser Woche setzt Google das Recht auf Vergessen um. Eine französische Firma verspricht ein einfacheres Procedere. Doch das hat Grenzen.

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Wer vergisst wen - und warum. Der US-Konzern Google muss nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs personenbezogene Links unter bestimmten Umständen löschen.
Wer vergisst wen - und warum. Der US-Konzern Google muss nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs personenbezogene Links...Foto: dpa

Die Internetsuche mit Google führt neuerdings zu erstaunlichen Resultaten. „Einige Ergebnisse wurden möglicherweise aufgrund der Bestimmungen des europäischen Datenschutzgesetzes entfernt“, lautet eine Formulierung, die Internetnutzer in nächster Zeit häufiger zu lesen bekommen werden, denn Google beginnt damit, das Recht auf Vergessenwerden umzusetzen. Der Europäische Gerichtshof hatte Mitte Mai entschieden, dass Europas Bürger von Suchmaschinen verlangen können, Links zu unangenehmen Dingen aus ihrer Vergangenheit aus den Suchergebnissen zu eliminieren. Seit Ende Mai kann jeder Europäer Google seinen Löschwunsch per Webformular mitteilen. Zehntausende Internetnutzer haben davon Gebrauch gemacht.

Das französische Unternehmen ReputationVIP findet jedoch, dass es deutlich einfacher sein müsste, Google sein Löschbegehren mitzuteilen. Auf der Webseite forget.me bietet es einen ganz besonderen Service. Nach der Registrierung listet forget.me die Google-Fundstellen zur eigenen Person auf: Ein Klick auf den forget.me-Button soll den Löschvorgang einleiten. Teilen Sie uns mit, welche Links Google aus den Suchergebnissen löschen soll und warum, wir kümmern uns um den Rest, versprechen die Franzosen.

Viel mehr als ein Promotion-Gag ist forget.me nicht

Für das Unternehmen ist das eine exzellente Werbemaßnahme, um auf sein Kerngeschäft hinzuweisen. Die Firma hat sich darauf spezialisiert, für ihre Kunden missliebige Interneteinträge oder Suchmaschinenergebnisse entweder ganz zu entfernen oder weit in den Ergebnislisten nach hinten zu verschieben. Doch mehr als ein Promotion-Gag scheint nicht hinter forget.me zu stecken. Bei einem Selbstversuch listete forget.me gerade einmal zehn Treffer auf. Mit demselben Namen kommt Google auf 13 900 Ergebnisse. Zwar können Links, die man zuvor gesucht hat, auf forget.me auch manuell eingegeben werden, doch das macht die Angelegenheit wieder kompliziert.

Reputation light ist nicht die Lösung. Auf diese Weise teilt man nur einem weiteren Unternehmen seine Daten mit. Besser ist es, das Vergessen selbst in die Hand zu nehmen. Es ist leicht, etwas ins Netz zu stellen oder in den Online-Netzwerken zu posten, was man besser unterlassen hätte. Aber es ist nicht so viel komplizierter, das Google-Formular auszufüllen.

Es muss an der Quelle gelöscht werden

Überdies: Google ist zwar die größte Suchmaschine, aber nicht die einzige. Und solange nicht die missliebigen Seiten selbst aus dem Web entfernt wurden, findet sich immer eine Suchmaschine, mit der man diese unerfreulichen Kapitel aus der eigenen Vita findet.

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