Microsoft-Konsole : Die Xbox one wird zu Black Brother

Microsofts neue Konsole Xbox one hört alles, sieht alles und schläft nie. Nach Google Glass gerät nun ein weiteres Technikprodukt ins Visier der Datenschützer.

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Zur Xbox one gehört die verbesserte Gesten- und Sprachsteuerung Kinect.
Zur Xbox one gehört die verbesserte Gesten- und Sprachsteuerung Kinect.Foto: Promo

„All in One“ – „Alles in einem“: So wirbt Microsoft für sein neues Unterhaltungsgerät. Spiele, Musik, Videos, Fernsehen und Internet: All das soll die Xbox One nahtlos miteinander verknüpfen – und sich damit als Multimedia-Zentrale im Wohnzimmer etablieren. Doch genau wie Google kommende Datenbrille Google Glass bereits jetzt weltweit die Datenschützer gegen sich aufbringt, droht auch Microsofts neuer Konsole Xbox One lange vor dem Marktstart zu Weihnachten reichlich Gegenwind. Denn um all die neuen Funktionen zu realisieren, hat das Unternehmen vor allem die Sprach- oder Gestensteuerung weiterentwickelt. Mit ihr wechselt man zwischen dem aktuellen Fernsehprogramm und einem parallel laufenden Konsolenspiel hin und her, ruft über eine Seitenspalte Zusatzinformationen aus dem Internet ab oder chattet per Skype mit Freunden, während man eine Sportübertragung anschaut. Egal, was im Wohnzimmer passiert, die Xbox sieht und hört über Kameras und Mikrofone mit.

Die Steuerung der Anwendungen erfolgt über den Bewegungssensor Kinect: Eine neue Version der 3D-Kamera mit Spracherkennung gehört standardmäßig dazu. Mittels Kinect lässt sich die Konsole auch aus dem Standby-Modus einschalten: Dafür genügt der Sprachbefehl „Xbox, on“. Anders gesagt: Die neue Xbox schläft nie. Kinect erkennt den Spieler dabei an seiner Stimme, die Konsole loggt sich automatisch in dessen Benutzerkonto ein. Gegenüber dem Vormodell zeichnet sich der neue Kinect-Sensor vor allem durch Präzision aus: Die hochauflösende 3D-Kamera unterscheidet nicht nur bis zu sechs Personen in einem Raum – sie registriert auch minimale Gesichtregungen und kann sogar aus der Entfernung den Puls des Spielers messen. Diese Kombination von Fähigkeiten macht Geschäftsmodelle in der Werbung möglich, an die heute noch kaum jemand denkt. Überhaupt: Welche Daten werden gesammelt? Wo und wie lange werden sie gespeichert? Ist ein Weiterverkauf der Daten geplant? Microsoft wird in den kommenden Monaten einiges zu tun haben, diese Fragen zu beantworten.
Als Folgemodell der acht Jahre alten Xbox 360 soll die Xbox One ein komplettes Entertainment-Programm bieten, das weit über Spiele hinausreicht. Die Microsoft-Konsole konkurriert dann mit der ebenfalls schon angekündigten Playstation 4 von Sony – und mit Nintendos WiiU, die seit letztem Winter erhältlich ist. Die neue Konsole Ouya finanziert sich über Internetspenden. Die Xbox One selbst bietet eine deutlich höhere Leistung als die aktuelle Konsolengeneration. In dem kantigen, schwarzlackierten Gehäuse befinden sich ein Achtkernprozessor, eine 500-Gigabyte-Festplatte, acht Gigabyte Arbeitsspeicher und ein Blu-ray-Laufwerk.

Anders als bei bisherigen Konsolen ähnelt die Rechnerarchitektur stark der von aktuellen PCs. Für Spielefirmen ist das ein Vorteil, weil sie ihre Games nun einfacher zwischen beiden Plattformen portieren können. Zugleich bedeutet es aber auch, dass ältere Konsolenspiele nicht auf der Xbox One laufen. Ein Preis für die Konsole steht noch nicht fest. Er dürfte davon abhängen, wie stark Microsoft sein neues Zugpferd subventioniert, um gegenüber der Konkurrenz eine möglichst breite Hardware-Basis zu schaffen.

Smartphones und Tablets setzen Konsolen wie Xbox one unter Druck

Mit der Xbox One greift Microsoft eine ganze Reihe von Entwicklungen auf, die den Spielemarkt derzeit prägen. Die traditionellen Konsolen sind durch Smartphones und Tablets unter Druck geraten; günstige Spiele für unterwegs liegen im Trend. Schon jetzt können Besitzer von Mobilgeräten über die Software Smartglass mit der Xbox 360 kommunizieren, um Zusatzfunktionen wie Landkarten oder Level-Grundrisse abzurufen. Microsoft will diesen „Second Screen" künftig noch stärker an die Konsole anbinden: etwa in Matches zwischen Xbox One und Tablet-PC. Auch von der Cloud-Technologie werden Käufer der neuen Konsole profitieren. Zum einen lassen sich Spielstände online speichern und abrufen. Zum anderen hat man Zugriff auch dann Zugriff auf die eigene Spielebibliothek, wenn man sich über die Xbox One eines Freundes einloggt.
Apropos Spiele: Microsoft hat am Dienstag nur einen kleinen Vorgeschmack davon gegeben, was Besitzer der Xbox One erwartet. Exklusivtitel sind unter anderem die Rennsimulation „Forza 5“ und ein Actionspiel namens „Quantum Break“; auch Sportspiele wie „Fifa 14“ und Shooter wie „Call of Duty: Ghosts“ gehören zum Portfolio. Weitere Titel sollen Mitte Juni auf der Spielemesse E3 in Los Angeles bekanntgegeben werden.

Kritik gibt es nicht nur an den beängstigenden Fähigkeiten von Kamera, Mikrofon und ausgereifter Analysetechnik. Auch sonst will Microsoft seine Kunden offenbar an die kurze Leine nehmen. Ein permanenter Online-Zwang ist für die Xbox One nach Firmenangaben zwar nicht geplant. Das System wird aber angeblich nur dann reibungslos funktionieren, wenn man sich mindestens einmal pro Tag mit dem Internet verbindet. Wie Microsoft mit Gebrauchtspielen umgehen will, steht noch nicht abschließend fest: Wahrscheinlich werden sie sich nur gegen Zahlung einer Lizenzgebühr nutzen lassen. Doch gegenüber der Datenschutzthematik scheint dieses Problem verhältnismäßig klein.

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