Reaktionen auf Wulffs Rücktritt : Schramm, Sarpei oder Sonneborn - wie das Netz spekuliert

Im Internet wird schon kurz nach Bundespräsident Christian Wulffs Rücktritt gerätselt, wer sein Nachfolger werden könnte. Einige User machen sich allerdings mehr Sorgen um den Karneval.

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Wer wird neuer Bundespräsident? Die Internetnutzer schlagen unter anderem Georg Schramm, Hans Sarpei oder Martin Sonneborn vor.
Wer wird neuer Bundespräsident? Die Internetnutzer schlagen unter anderem Georg Schramm, Hans Sarpei oder Martin Sonneborn vor.Fotos (3): dpa

Kurz vor eins platzt Martin Gebhardt auf Twitter der Kragen: "Wollt ihr mich verarschen? Noch um 12:45 kommen hier Leute mit "Update?" .. lernt mal euren Browser zu bedienen..." Der Wutausbruch richtet sich an all jene, die ihn hartnäckig daran erinnern, auf seiner Webseite die Antwort auf die Frage "Ist Christian Wulff noch Bundespräsident?" von "Ja" auf "Nein" zu ändern. Dabei war Gebhardt nach eigener Twitter-Aussage vorbildlich pünktlich damit, schon um 11:05 Uhr sei die Seite dem aktuellsten Stand der Nachrichten angepasst worden.

So schwierig kann das mit der Echtzeitkommunikation bisweilen sein. Ansonsten aber läuft die Nachricht von Christian Wulffs Rücktritt wie erwartet in Bruchteilen von Sekunden durch die sozialen Netzwerke und provoziert überall Reaktionen. Ein besonders beliebter Sport ist dabei die Nachfolgediskussion.

Auf der Seite "istchristianwulffnochimamt.de" lautet die Antwort nun: "Nein!"
Auf der Seite "istchristianwulffnochimamt.de" lautet die Antwort nun: "Nein!"Foto: Screenshot

Auf Twitter, in Facebookumfragen und in Diskussionsforen werden immer wieder Namen genannt. Ex-Kandidat Joachim Gauck ist dabei einer der Spitzenreiter - auch bei der Tagesspiegel.de-Umfrage. Weitere Favoriten sind auf Facebook und Twitter Georg Schramm, Martin Sonneborn (vorgeschlagen etwa von Mario Sixtus) oder auch der Schalker Fußballer Hans Sarpei.

Die Idee, den Kabarettisten Georg Schramm zum Bundespräsidenten zu machen, stammt aus den Reihen der Piraten. In ihrem Diskussions- und Abstimmungsforum Liquid Feedback läuft auch schon eine Initiative, Schramm als Kandidaten in der Bundesversammlung vorzuschlagen. "Er könnte dem Amt die nötige Würde zurückgeben", heißt es dort zur Begründung.

Das Satiremagazin Titanic hat das Schloss Bellevue etwas "demontiert".
Das Satiremagazin Titanic hat das Schloss Bellevue etwas "demontiert".Quelle: Titanic

Auf Facebook machen sich indessen mehr als 200 Fans unter dem Titel: "Jetzt eine Bundespräsidentin!", für eine Frau stark, die das höchste Amt bekleiden soll. Dort dominieren Vorschläge für Margot Käßmann und Rita Süßmuth.

Die erste Reaktion auf Wulffs Ankündigung, sich aus Bellevue zurückzuziehen, ist bei vielen Internetnutzern allerdings Erleichterung. Auf der Facebook-Seite "Christian Wulff: Rücktritt jetzt!" klicken 2500 Menschen unter der Nachricht "Wulff ist zurückgetreten" den Button "Gefällt mir!" In den mehr als 800 Kommentaren dürfte wohl am häufigsten das Wort "Endlich" vorkommen.

Ein beliebtes Spiel auf Facebook: Berufe, wie die Welt sie sieht.
Ein beliebtes Spiel auf Facebook: Berufe, wie die Welt sie sieht.Quelle: Süddeutsche Magazin

Natürlich wird das Netz auch wieder kreativ. Die in den vergangenen Tagen beliebt gewordenen Fotozusammenstellungen mit dem Thema: "Wie ich über mich denke und wie die Gesellschaft mich wahrnimmt", bekommt vom Süddeutsche Magazin ein Wulff-Pendant. Mehr als 5000 Mal wird es geteilt.

Auf dem Blog "Spreeblick" dichtet Ingo Neumayer in seinem wöchentlich erscheinenden Vreitagsvers: "nun ist der mann der offnen hand, aus seinem schloss geflogen". Und auch die Titanic lässt das Ereignis nicht unkommentiert und hat eine Kollage zusammengestellt (siehe Bild oben).

Andere User machen sich nun Sorgen, wie der Karneval das Thema Wulff verkraftet. So fordert User buntomat: "Denkt auch mal an die armen Jecken, die kein Thema mehr haben." Die Nachrichtenagentur dapd hat sich des Themas zu diesem Zeitpunkt schon umfassend angenommen und berichtet, dass in Köln und Mainz eilig neue Motivwagen gebaut werden und die Büttenredner ihre Manuskripte überarbeiten.

In den meisten Umfragen im Netz gibt es dann auch noch eine Antwort, die besonders häufig angeklickt wird. Sie lautet: Das Amt des Bundespräsidenten sollte abgeschafft werden.

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