Zu PAPIER gebracht : „Verschenkt meine Filme!“

Die These mag gewagt sein, aber sie trifft den Kern des Problems: Viele Internet-Nutzer laden Filme illegal herunter, weil es legal nicht geht. Nun müssen daraus die Konsequenzen gezogen werden.

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Foto: Nadia Zaboura
Foto: Nadia Zaboura

Der Science-Fiction-Film „Pacific Rim“, der Action-Thriller „White House Down“ und der Streifen „Elysium“ sind die drei Filme, die in der vergangenen Woche am häufigsten illegal aus dem Netz heruntergeladen wurden. Die News-Site „Torrentfreak“, die als schwarzkopierernah gilt, veröffentlicht unter piracydata.org die wöchentlichen Top 10 der beliebtesten unrechtmäßigen Film-Downloads. Zu jedem Film listet Piracydata auf, ob dieser über legale Internet-Quellen erhältlich ist, beispielsweise über Streaming-Portale oder Online-Videotheken. In der vergangenen Woche befand sich unter den Top Ten kein einziger Film, den man legal per Stream ansehen und nur zwei, die man in Online-Videotheken ausleihen kann. Die Botschaft der Seitenbetreiber an die Filmindustrie ist klar: Die Menschen laden diese Filme deshalb illegal herunter, weil es legal nicht geht.

Man mag diese These für gewagt halten, zumal sie von einer Seite kommt, die tiefe Wurzeln in der Schwarzkopie-Szene hat. Allerdings kam hierzulande jüngst jemand zu dem gleichen Schluss, der einer Piratennähe gänzlich unverdächtig ist. Der Drehbuchautor Fred Breinersdorfer („Sophie Scholl – Die letzten Tage“) beklagte sich in einem Beitrag in der „Süddeutschen Zeitung“ darüber, dass eine Google-Suche nach seinen Filmen fast ausschließlich illegitime Download-Angebote ausspuckt. Breinersdorfers Schlussfolgerung aus diesem Umstand ist so radikal wie ungewöhnlich für seinen Berufsstand: „Verschenkt meine Filme!“, übertitelte er seinen Text, in dem er den Gesetzgeber auffordert, eine Zwangslizenz einzuführen, die Filmfirmen dazu nötigt, ihre Filme im Netz zu verbreiten. Umsätze könne man schließlich auch mit Werbung erzielen, die man um oder in die Filme packen könnte.

Ob Breinersdorfers Forderung realistisch ist, ob sie jemals beim Gesetzgeber ankommt, ob seine Kalkulation kaufmännisch aufginge sei dahingestellt. Beeindruckend an Breinersdorfers Gedankengängen zur Filmwirtschaft im Internet-Zeitalter ist vielmehr die Kehrtwende in Sachen Schwarzkopie, die der Autor aufs Parkett legt. Noch vor anderthalb Jahren wandte sich Breinersdorfer zusammen mit anderen Drehbuchautoren in einem offenen Brief an „Grüne, Piraten, Linke und Netzgemeinde“, also an alle, die er als „Feinde des geistigen Eigentums“ ausgemacht haben wollte. In dem wirren Pamphlet warfen die Autoren den Angesprochenen alles Mögliche vor, unter anderem die versuchte Enteignung ihrer Werke.

Dass nun ausgerechnet einer der damaligen Unterzeichner dieser Kampfschrift die Regierung auffordert, die Filmindustrie mehr oder weniger zwangzusenteignen, ist mehr als bemerkenswert. Es lässt darauf hoffen, dass die Fronten zwischen Netznutzern und Filmschaffenden nicht vollständig in Beton gegossen sind und dass dadurch Bewegung in die Debatte kommen könnte, dass die einen sich die Argumente der anderen anschauen – und vielleicht sogar zu eigen machen.

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