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Digitaler Zeitgeist : Satire und Humor im Internet

01.02.2012 12:05 UhrVon Thorsten Firlus
Eine Narrenparade gibt es nicht nur beim Karneval, auch im Internet wird Spott vergossen.Bild vergrößern
Eine Narrenparade gibt es nicht nur beim Karneval, auch im Internet wird Spott vergossen. - Foto: dapd

Innerhalb von wenigen Stunden kursieren bei Affären und Skandalen jede Menge Hohn und Spott in Internet. Die Pointen stammen aus der Feder von Amateuren. "Humorprofis" können damit wenig anfangen.

For You, Vor Ort, For Bye – es dauerte keine drei Stunden, bis nach der Nachricht der Insolvenz der Drogeriekette Schlecker ihr erst Ende Oktober 2011 eingeführter Slogan umgemünzt wurde. Die Variation über das eh schon umstrittene Wortspiel stammt aus dem Kurznachrichtendienst Twitter. Der Autor heißt Marcel und wohnt, wie er in seinem Profil angibt, in Kanada, mehr erfährt man nicht. Kaum war die Nachricht über die geplante Insolvenz im Internet verbreitet, machte sich ein Schwarm von Nutzern daran, diese ironisch aufzuspießen, suchten sich der Frust der Mitarbeiter über die Arbeitsbedingungen und der Unmut der Kunden über die Atmosphäre in den Ladengeschäften ein Ventil im Humor.

So schnell, dass einige Nutzer nach am Abend darum baten, es gut sein zu lassen mit den Witzen. Das hätten sich wohl auch Karl-Theodor zu Guttenberg und Christian Wulff gewünscht, als kurz nach der Bekanntgabe weiterer Details ihrer Verfehlungen, die Pointen im Internet nur so prasselten.

Satire soll schon den Ägyptern 2000 vor Christus bekannt gewesen sein, auch in der antiken griechischen Literatur tauchte sie auf. Und ebenso nutzten die Römer die literarische Gattung, um Missstände in der für das Genre typischen Mischung aus Witz und Ernsthaftigkeit anzuprangern. Was der Hofnarr dem mittelalterlichen Herrscher bedeutete, waren in den vergangenen Jahrzehnten in Deutschland die Kabarettisten von Dieter Hildebrandt bis Wolfgang Neuss. Zeitschriften wie „Titanic“ und „Eulenspiegel“ bedienen bis heute das Bedürfnis, den Herrschenden einen mitzugeben und dabei zu lachen.

An Prinzip und Wesen der Satire hat sich also seit Jahrtausenden kaum etwas geändert. Einen dramatischen Wandel gibt es nur in der Geschwindigkeit, mit der im Internet-Zeitalter die Pointen das Publikum erreichen. Und dank des unbegrenzten Zugangs und der Möglichkeiten, die das Internet den Nutzern bietet, ihre Witze zu verbreiten, hat sich auch die Autorschaft verändert.

Ausgerechnet die Satireprofis vom Kabarett, die sich vor Jahren noch zu guten Sendezeiten mit ihren spitzen Beobachtungen in die Wohnzimmer der Fernsehzuschauer spielen konnten, fremdeln mit dem neuen Medium. Christian Schulz, der Manager von Urban Priol, der im ZDF zehn Mal im Jahr mit „Neues aus der Anstalt“ auf den Sender geht, verweigert Anfragen zu Gesprächen über Kabarett im Netz: „Urban Priol lehnt Facebook und Twitter ab.“

Der ebenfalls von Schulz’ Agentur betreute Dieter Nuhr hingegen schreibt seit zwei Jahren fleißig – sogar aus dem Urlaub in Neuseeland – Pointen im Kurznachrichtendienst Twitter. Dort sind mehr als 160.000 Konten verzeichnet, die seinen Witzen mit nicht mehr als 140 Zeichen folgen; auf der Plattform Facebook haben mehr als 100.000 Menschen den „Gefällt mir!“-Knopf gedrückt.

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