Direkt vom Sender : Wenn der Name Programm ist

Vom "arte Magazin" zu "TV Spielfilm" und Co.: Die Senderzeitschriften machen den kommerziellen Fernsehblättern Konkurrenz.

Nico Schmidt

Am 23. Juli 2011 wurde die Soulsängerin Amy Winehouse leblos in ihrer Londoner Stadtwohnung gefunden. Jetzt widmet Arte der Sängerin und weiteren „Rebellen“ einen Themenschwerpunkt. Der „Summer of Rebels“ heißt er und ist sowohl Thema in der Programmzeitschrift „TV Spielfilm“ als auch im aktuellen „arte Magazin“. Doch während die Auflage der kommerziellen Programmzeitschrift „TV Spielfilm“ sinkt, verkauft das öffentlich-rechtliche „arte Magazin“ immer mehr Exemplare.

Eine der ersten von einem Sender herausgegebenen Zeitschriften war „Die Stimme Amerikas“. Sie richtete sich an die Hörer des US-amerikanischen Auslandssenders „Voice of America“. Das Heft wurde ab 1948 von der amerikanische Besatzungsmacht herausgeben. Darin fanden sich neben den „Ansichten eines Durchschnittsamerikaners“ Tipps zum Kurzwellenempfang und auch aktuelle Programmhinweise. Auf diese Zeitschrift folgten weitere kommerzielle und nicht-kommerzielle Programmmagazine. An Kiosken oder im Abo hat sich das Zeitschriftenformat bis heute gehalten.

Seit 40 Jahren gibt der Saarländische Rundfunk die „SRinfo“ heraus. Neben Radio- und TV-Programmtipps findet der Leser Hinweise zu neuen Empfangstechniken. „SRinfo“ kann kostenlos abonniert werden. Obwohl die Zahl der Abonnenten stetig steigt, steht die Hörerzeitschrift vor dem Aus. Der SR prüft derzeit die Einstellung des Hefts. Ein Schicksal, dem die monatlich erscheinende Zeitschrift des RBB-Kulturradios entging. 2007 wurde die Auflage aus Kostengründen auf 6000 Exemplare nahezu halbiert. Inzwischen hat sich die Auflage wieder erholt. Das Heft ist schlicht und widmet sich hauptsächlich dem vollständig abgedruckten Kulturradio-Programm. Die Zeitschrift kann im Abo zum Preis von 19 Euro jährlich bezogen werden.

Das „3sat TV- und Kulturmagazin“ erschien zunächst zweimal im Jahr. Im Frühjahr zur Leipziger und im Herbst zur Frankfurter Buchmesse. Aufgrund hoher Nachfrage ist es inzwischen quartalsweise am Kiosk zum Preis von zwei Euro erhältlich. Alle vier Ausgaben im Jahresabo kosten 7,80 Euro. Das Heft enthält Reportagen und Interviews. Geschichten, die den Einstieg in einzelne Themenschwerpunkte erleichtern. Im „TV-Planer“ werden pro Tag bis zu fünf Sendungen vorgestellt. Eine angemessene Dosis für den durchschnittlichen 3sat-Zuschauer. Dessen TV-Konsum dürfte mit dem eines Arte-Zuschauers übereinstimmen. Der liest immer häufiger das „arte Magazin“. Mit 130 000 Exemplaren pro Ausgabe ist es die auflagenstärkste Zuschauerzeitschrift. 85 000 Leser haben das „arte Magazin“ abonniert. Vor zehn Jahren waren es noch 20 000.

Das monatlich erscheinende Heft ist am Kiosk (zwei Euro) und im Jahresabo (21,60 Euro) erhältlich. Zu den jeweiligen thematischen Schwerpunkten des Fernsehprogramms sind Reportagen, Porträts und Infografiken zu lesen. Der Marktführer unter den öffentlich-rechtlichen Programmzeitschriften widmet seinem TV-Programm 84 Seiten.

Die höchste Taktung gibt der Bayerische Rundfunk mit seiner „BRradiozeitung“ vor: Jede Woche erscheint eine neue Ausgabe. Zwei freie Mitarbeiter betreuen das in den bayerischen Landesfarben Blau-Weiß gehaltene Heft. Neben den Programmen der fünf Hörfunkwellen wird auch das Pogramm des TV-Bildungskanal BR-Alpha abgedruckt. In kurzen Texten werden die Höhepunkte der Woche vorgestellt. Das Heft ist nur im Abo erhältlich und kostet 45,20 Euro pro Jahr.

Die Zeitschrift „WDR Radioprogramm“ erreicht ihre Abonnenten jeden zweiten Mittwoch. Im Mittelpunkt stehen die Sender WDR3 und WDR 5. Zusätzlich zu den Programminformationen enthält die Zeitschrift Hintergrundgeschichten. So in der aktuellen Ausgabe das Thema „Das Leben ein Traum. Jean-Jacques Rosseau“. Ein Jahresabo kostet 17,90 Euro.

Gleich zwei Titel bringt das Deutschlandradio auf den Markt: Das Programmheft und die Hörspielbroschüre. Beide sind kostenlos zu abonnieren. Im monatlich-erscheinenden Programmheft wird jede Sendung detailliert aufgelistet. Die Hörspielbroschüre wird alle drei Monate veröffentlicht. Jedem Feature- und Hörspiel-Stücke ist ein kurzer Text gewidmet.

Die öffentlich-rechtlichen Zeitschriften weisen überwiegend konstante oder steigende Auflagen auf. Die kommerzielle Konkurrenz findet hingegen immer weniger Käufer. Einen direkten Zusammenhang gibt es nicht. Aber vielleicht könnten mehr Reportagen, Porträts und Hintergrundstücke auch „TV Spielfilm“ & CO. wieder attraktiver machen.

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