Doku : Türkisches Staats-TV zeigt „Shoah“

Regisseur Claude Lanzmann. Foto: AFP
Regisseur Claude Lanzmann. - Foto: AFP

Zum ersten Mal strahlt das Staatsmedium eines muslimischen Landes die bekannte Holocaust-Dokumentation aus.

Der türkische Sender TRT plante für Donnerstagabend, rechtzeitig zum Holocaust-Gedenktag, die Ausstrahlung des neunstündigen Films. Regisseur Claude Lanzmann sprach von einem historischen Schritt, der hoffentlich viele Nachahmer in der islamischen Welt finden werde. Die Entscheidung kurz nach Verabschiedung des französischen Völkermord-Gesetzes verleiht der Initiative zusätzliche Brisanz.

Das „Aladdin-Projekt“, das sich unter dem Dach der Uno um mehr Verständigung zwischen Juden und Muslimen einsetzt, hatte das Werk Lanzmanns mit türkischen Untertiteln versehen.

„Shoah“ erzählt die Geschichte des Holocaust anhand von Interviews mit Opfern und Tätern und ist seit der Erstausstrahlung 1987 in vielen Ländern gezeigt worden, doch in der islamischen Welt scheuten die offiziellen Medien bisher davor zurück. Die türkischen Untertitel sollen eine weite Verbreitung garantieren.

Der Völkermord an den Juden wird in der Türkei als historische Tatsache anerkannt, die Regierung in Ankara hat den Antisemitismus mehrmals öffentlich als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ verdammt. Angesichts der seit Jahren anhaltenden politischen Spannungen zwischen der Türkei und Israel betonen türkische Regierungspolitiker immer wieder, dass sich die türkische Kritik nicht gegen das israelische Volk oder gar die Juden allgemein richte. In der Türkei leben rund 30.000 Juden.

Lanzmann hatte geplant, den Filmstart in Istanbul mitzuerleben, doch der fast 90-jährige Regisseur wurde durch eine Krankheit abgehalten. In einer Rede, die am Abend per Video bei einer Holocaust Gedenkfeier in einer Istanbuler Synagoge gezeigt werden sollte, betonte Lanzmann, es sei kein Zufall, dass sein Film ausgerechnet in der Türkei seine muslimische Premiere habe. Mit ihrem demokratischen System und ihrem moderaten Islam sei die Türkei zu einem Vorbild für die ganze Region geworden, sagte Lanzmann laut Redetext.

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