Dschungelcamp IV : "Und ihr glaubt, dass wir euch gern sehn"

Matthias Kalle gesteht, dass er bislang jede Folge des Dschungelcamps gesehen hat und doch nicht alle Kandidaten kennt - was aber nicht zwingend an ihm liegt. Zum Glück hat er den Fernseher schon früher am Abend eingeschaltet.

von
Die blonde Sarah (2. v. r.) ist Ex-Top-Model-Kandidatin - und im Dschungel mit den Nerven am Ende.
Die blonde Sarah (2. v. r.) ist Ex-Top-Model-Kandidatin - und im Dschungel mit den Nerven am Ende.Foto: RTL

Eine Leistung des Fernsehens besteht darin, dass die Meinungen, die sich Menschen über das gerade Gesehene bilden, so unterschiedlich ausfallen, dass man meint, es müsse sich um völlig unterschiedliche Sendungen handeln. Was der eine gut und spannend und interessant und unterhaltsam findet, hält der andere für den größten und dümmsten und menschenverachtendsten Quatsch, der je gesendet wurde.

So ungefähr verhält es sich nun auch wieder bei „Ich bin ein Star – holt mich hier raus!“, obwohl doch eigentlich jeder Empörungsschrei schon geschrieen und jede Jubelarie vernommen wurde. Beides ist – nach all den Jahren, in denen RTL dieses Format nun schon zeigt – ein bisschen langweilig, so langweilig, wie die Sendung eben auch.

Daran änderte auch der vierte Tag nichts, auch wenn sich die Verantwortlichen wirklich Mühe geben der einstündigen Sendung das zu verpassen, was gutes Fernsehen ausmacht: Helden, Schurken, Höhepunkte, Dramaturgie.

Kommunarden mit Maden
Elf ziehen ein ins vierte RTL-Dschungelcamp, einer sticht besonders heraus:Weitere Bilder anzeigen
1 von 23Foto: RTL/Gregorowius
13.01.2011 14:30Elf ziehen ein ins vierte RTL-Dschungelcamp, einer sticht besonders heraus:

Allein: Wie soll das gehen? Mit Dirk Bach und Sonja Zietlow hat man ein Moderatorenpaar gefunden, das, wenn es die Sendung nicht moderieren dürfte, längst schon selber Kandidaten wären. Vor allem aber fällt es den beiden zunehmend schwer die Witze, die ihnen die Gagschreiber der Sendung aufschreiben, auswendig zu lernen, beziehungsweise fehlerfrei abzulesen. Handwerklich ist das alles ziemlich dünn, aber es fällt halt auf, weil sonst so wenig auffällt.

Ich habe bisher jede Folge dieser Staffel gesehen, das gehört – bitte schütteln Sie jetzt den Kopf – zu meinem Job, aber ich kenne mehr als die Hälfte der Namen der Teilnehmer immer noch nicht.

Bei einem (das ist der, der immer einen dämlichen Zylinder trägt und aussieht, als sei er auf Entzug) weiß ich nicht einmal, was der beruflich so macht oder gemacht hat oder mal machen will. Und wenn das so weitergeht, dann werde ich das auch nie erfahren, dann erfahre ich nur, was ich seit zwei Tagen weiß, nämlich dass eine gewisse Sarah Knappik (ihre Managementagentur trägt allen Ernstes den Namen „Reich und berühmt“) möglicherweise die dümmste lebende Deutsche ist.

Immerhin sorgte sie Montagabend für einen kleinen, einsamen Höhepunkt: Rainer Langhans, der bisher vor allem nicht da war, wollte sich ihrer annehmen und lieferte eine kurze, knappe Analyse der Knappikschen Psyche und gab der Format zwei Minuten Wahrhaftigkeit. Natürlich hat die Frau, die mal bei „Germanys Next Topmodel“ achte wurde (aber wer wurde das nicht?), kein Wort verstanden.

Am Montagabend gab es dann aber doch noch einen Höhepunkt, noch etwas kleiner, etwas früher: Bei „Wer wird Millionär“ saß plötzlich Michael Mayer auf dem Kandidatenstuhl, Gitarrist und Gründungsmitglied der legendären Punk-Kapelle „Slime“. Nett und adrett beantwortete Meyer die Fragen von Günther Jauch, der nicht ahnte, dass Lieder von „Slime“ „Deutschland muss sterben, damit wir leben können“ und „Bullenschweine“ heißen.

In einem anderen Lied von „Slime“ heißt es übrigens: „Ihr schreibt Bücher, seid im Fernsehen / Und ihr glaubt, dass wir euch gern sehn.“

Autor

11 Kommentare

Neuester Kommentar