Dschungelcamp XI : Die Welt ist zwei Kugeln

Sie wird gemobbt und gemieden, dabei tut sie nur, was von ihr erwartet wird. Warum Micaela Schäfer dringend Dschungelkönigin werden sollte.

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Aus Marzahn in den Dschungel: Micaela Schäfer, 28, von Beruf: Nackt-Modell.
Aus Marzahn in den Dschungel: Micaela Schäfer, 28, von Beruf: Nackt-Modell.Foto: RTL

Man könnte es auch diplomatischer formulieren, aber: RTL hat dieses Jahr einen bemerkenswerten Haufen von Lügnern, Wahrheitsverbiegern und Lästerern in den Dschungel geschickt. Sie reden schlecht, meistens hintenrum - und meistens über Micaela Schäfer. Es stimmt schon: So schmerzfrei hat sich in sechs Staffeln bisher keine entblößt. Und wenn sich die Moderatoren über Micaelas Dauernacktheit amüsieren, dann ist das nur Recht und komisch, eben weil die Pointen sitzen. Erbärmlich dagegen, wie viele Campgenossen die Nase rümpfen, sich als etwas Besseres fühlen. Micaela Schäfer lästert nie. Sie bleibt ehrlich, verbindlich und motiviert.

Sie mault nicht übers Wetter oder langweilige Schatzsuchen, provoziert keinen Streit, kann sich artikulieren. Ja, sie reflektiert sogar. Micaela weiß, dass dies eine Trash-Sendung ist und sie eine Trash-Kandidatin. „Das Silikon hämmert auf meiner Brust”, sagte sie vor ihrer Dschungelprüfung. Sie hat den anderen Kandidaten so vieles voraus, nicht nur die Selbstironie.
Micaela Schäfer tut, was alle von ihr erwarten. Sie ist von Beruf „Nackt-Modell“, deswegen hat RTL sie eingekauft, was soll sie sich also vermummen? Das wäre, als hätte man Costa Cordalis in der ersten Staffel das Singen verboten.

Die Kandidaten der Show in Bildern:

Dschungelcamp 2012 - das sind die Kandidaten
Sonja Zietlows und Dirk Bachs Gagschreiber haben bestimmt eine Menge Spaß in der Kantine.Weitere Bilder anzeigen
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13.01.2012 12:07Sonja Zietlows und Dirk Bachs Gagschreiber haben bestimmt eine Menge Spaß in der Kantine.

Gibt man ihr Massageöl, reibt sie sich brav die Brüste ein. Scheint die Sonne, bräunt sie sich oben ohne. Will sie sich waschen, badet sie nackt im Teich. Ihre Masche mag billig sein, aber jetzt ehrlich: Hat sie je etwas anderes behauptet? Die Soziologin Catherine Hakim brauchte 400 Seiten, um das Phänomen zu erklären, Micaela Schäfer tut es einfach: Sie nutzt ihr erotisches Kapital.

Sicher hätte sie gern Karriere gemacht, ohne sich ausziehen zu müssen. Sie hat es jahrelang versucht, erst als seriöses Model, dann als Popsängerin, auch als Affäre eines „Kommissar Rex“-Darstellers. Um der Aufmerksamkeit willen gab sie Journalisten darüber Auskunft, wie es ist, sich die Schweißdrüsen aus den Achselhöhlen entfernen zu lassen. Ihre Karriere wollte trotzdem nicht zünden. 2010 wurde ihr Wikipedia-Eintrag gelöscht – wegen Irrelevanz.

Jetzt ist er wieder online, schon 13 Zeilen lang, und er wird weiter wachsen, der Nacktkarriere sei dank. Micaela Schäfer täuscht im Dschungel keine falschen Motive vor, faselt nichts von wegen Selbsterfahrung oder Grenzüberwindung. Micaela Schäfer zeigt ihre Operationsnarben. In Australien würde man sagen: This lady’s got balls.
Man muss ihren unbedingten Willen zu Transparenz nicht zwingend als Statement zur Bundespräsidenten-Affäre verstehen. Aber es tut gut, einen aufrechten Charakter in dieser Ansammlung schräger Typen zu haben.

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