Eigener Fernsehsender für Fußballclubs : FCBayern.tv - noch mehr Interviews?

Der FC Bayern startet einen eigenen TV-Sender – keine gute Nachricht für etablierte Sportkanäle. Fraglich ist, ob es überhaupt genug Fußball-News und Events gibt für so viele Sender.

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Fans sollen via fcbayern.tv auch mit Talks und Live-Inhalten versorgt werden.
Fans sollen via fcbayern.tv auch mit Talks und Live-Inhalten versorgt werden.Screenshot:Tsp

Das hat wohl noch gefehlt: Der FC Bayern München startet an diesem Montag als erster deutscher Fußballverein einen eigenen Fernsehsender, der rund um die Uhr über seine Fußballer berichten wird. Da stellt sich gleich die Frage: Was machen die anderen Vereine? Und: Wer will das alles angesichts der zahlreichen Sportsender eigentlich sehen?

Pressekonferenzen, Eindrücke vom Trainingsplatz, freundliche Interviews, Bulletins zum Gesundheitszustand der Spieler. Sky Sport News berichtet 24 Stunden am Tag. Fast an jedem Trainingsplatz der 36 Profivereine steht ein Reporter. Dazu die ganz normale, die etablierte Sport-Berichterstattung der TV-Sender von ARD-„Sportschau“ bis ZDF-Champions League, ganz zu schweigen von der täglichen „Fußball Bild“. Auch der Medienkonsum von Hardcore-Fans ist begrenzt.

Zumal das Ganze Geld kostet. Zu empfangen ist der Bayern-Kanal über EntertainTV der Telekom sowie über die Internetseite und die Smartphone-Apps des FC Bayern, für 5,95 Euro im Monat. Als Telekom-Kunde gibt es das Programm für ein Jahr kostenlos. In der ersten Sendewoche ist das Programm für jeden sogar frei zugänglich.

Aus Bayern-Sicht ist das alles nachvollziehbar. Fans sollen über den TV-Sender mit Hintergrundberichten, Talkformaten, exklusiven Interviews und Live-Inhalten versorgt werden. „Im Mittelpunkt steht das Team von Carlo Ancelotti, aber wir werden auch die Basketballer, unsere Fußball-Frauen, die Bayern-Amateure, die Jugendteams und die Nebenabteilungen des FC Bayern mit unseren Kameras begleiten“, sagte Mediendirektor Stefan Mennerich.

Die Vereine machen sich unabhängig

Damit schließt sich der FC Bayern mit seinen bundesweit etwa neun Million Anhängern einer Entwicklung an, die in anderen europäischen Top-Vereinen üblich ist. Real Madrid, Manchester United oder der AC Mailand haben eigene TV-Kanäle. Die Vereine machen sich auch ein Stück weit unabhängig von der Berichterstattung anderer Sender.

Ein ungleicher Weg. Die in der Beliebtheitsskala (laut Branchenreport „Fußball-Monitor“) gefühlte Nummer zwei in Deutschland zieht vorerst nicht mit. Borussia Dortmund verfügt zwar über einen eigenen Sender, mit PKs, Netradiohighlights und dem gesamten Spiel ab Abpfiff auf „BVB total!“. Ein linearer Fernsehsender ist aber offenbar nicht geplant. „Das ist zurzeit nicht unser Thema“, heißt es beim BVB.

Man erspart sich damit die Frage nach einer Sendelizenz. „FCBayern.tv live“ ist ein linearer TV-Sender mit Ganztagsprogramm, quasi wie Sport1. Die nötige Sendelizenz vergab die bayerische Landesanstalt für Medien. Ähnlich wie beim Streamingdienst Dazn, der für seine Übertragungen (unter anderem der englischen Premier League) eine Sendelizenz von der der britischen Regulierungsbehörde Ofcom erhielt. Neue Marktteilnehmer, mehr Konkurrenz. Keine guten Nachrichten für Sky, Sport1 & Co., die vom Tagesgeschäft mit Sport- und Fußball-News leben.

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