Eigentümerfamilie sucht neuen Investor : Münchner „Abendzeitung“ ist pleite

Die Serie "Kir Royal" hat sie bundesweit berühmt gemacht. Doch nun muss die Münchner "Abendzeitung" ums Überleben kämpfen.

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Die traditionsreiche Münchner "Abendzeitung" hat Insolvenzantrag gestellt.
Die traditionsreiche Münchner "Abendzeitung" hat Insolvenzantrag gestellt.Foto: dpa

Diese Boulevardzeitung hat Geschichte geschrieben. Nicht nur mit ihren Artikeln, sondern auch in den 80er Jahren als Teil der Fernsehserie „Kir Royal“, in der Reporter Baby Schimmerlos alias Franz Xaver Kroetz Storys über Stars und Sternchen hinterherjagte. Nun steht die Münchner „Abendzeitung“ selbst in den Schlagzeilen. Sie ist zahlungsunfähig, am Mittwoch stellte der Geschäftsführer beim Münchner Amtsgericht Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens.

Auf 70 Millionen Euro haben sich die Verluste summiert

Die Familie Friedmann als Eigentümerin sehe sich nicht mehr in der Lage, weitere Mittel zur Verfügung zu stellen, teilte der Verlag am Mittwoch in München mit. Seit 2001 haben sich die Verluste nach Verlagsangaben auf etwa 70 Millionen Euro summiert. Auch das Jahr 2013 endete mit einem Minus von zehn Millionen Euro. Nach zwei weiteren rückläufigen Monaten sei für 2014 keine Besserung in Sicht. Das weitere Erscheinen des Blattes sei aber zunächst gesichert.

Konkurrenz auf dem engen Münchner Boulevardmarkt

Neben der Münchner Ausgabe der „Bild“ (rund verkaufte 87 000 Exemplare, Springer) und der „tz“ (circa 132 000 Exemplare, Ippen-Gruppe) ist die „Abendzeitung“ der dritte Titel auf dem engen Boulevardmarkt in der bayerischen Landeshauptstadt, derzeit verkauft sie rund 106 000 Exemplare. Herausgegeben wird die 1948 gegründete Zeitung heute von Anneliese Friedmann und Johannes Friedmann. Sie hatten die Verluste zuletzt durch Bareinlagen kompensiert sowie durch Verkäufe von Immobilien wie dem Verlagsgebäude an der Sendlinger Straße und Beteiligungen wie am „Frankenreport“. Die Nürnberger Ausgabe der „Abendzeitung“ war 2010 vom Telefonbuch-Verleger Gunther Oschmann übernommen worden, der sie 2012 nach 93 Jahren einstellte.

Doch nun sind die Mittel der Familie Friedmann offensichtlich aufgebraucht. Insolvenzverwalter Axel W. Bierbach ist jedoch optimistisch, dass es eine Zukunft für die Zeitung gibt: „Der Verlag hat rechtzeitig den Insolvenzantrag gestellt und damit gute Voraussetzungen für eine Fortführung geschaffen“, teilte er mit. Ziel sei nun, „den Geschäftsbetrieb zu stabilisieren und sich einen Überblick zur wirtschaftlichen Lage des Verlags zu verschaffen.“ Die Löhne und Gehälter der rund 110 Mitarbeiter seien bis einschließlich Mai durch das Insolvenzgeld gedeckt.

Die Familie Friedmann war am Mittwoch für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. In einer Verlagsmitteilung hieß es: „Die Gesellschafter und alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der ,Abendzeitung‘ hoffen, dass im Insolvenzverfahren ein Investor gefunden werden kann, damit der traditionsreiche Titel weiter erscheinen kann.“ Noch sei kein finanzkräftiger Partner gefunden worden, auch wegen „der nach wie vor restriktiven kartellrechtlichen Situation.“ Sonja Álvarez

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