Eigentümerwechsel bei der WAZ : Millionen für die Macht

Petra Grotkamp dominiert fortan Deutschlands drittgrößten Medienkonzern. Die Übernahme der Mehrheitsanteile hat sie mit einem fast filmreifen Coup eingefädelt.

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Abgang. Bodo Hombach scheidet als Geschäftsführer der WAZ-Gruppe aus.
Abgang. Bodo Hombach scheidet als Geschäftsführer der WAZ-Gruppe aus.Foto: dpa

Fast 50 Jahre währte der Konflikt zwischen den Eigentümern der Essener WAZ-Mediengruppe („Westdeutsche Allgemeine Zeitung“, „Westfälische Rundschau“), dem drittgrößten Medienkonzern der Republik. Am Montagabend ist er gelöst worden – im Rahmen eines Millionengeschäfts: Die drei Erben des Mitbegründers Erich Brost verkauften ihren 50-Prozent-Anteil an Petra Grotkamp, die Tochter des zweiten Firmengründers Jakob Funke. Grotkamp halte damit durchgerechnet 66,6 Prozent, teilte ihr Anwalt mit. Das Bundeskartellamt habe bereits zugestimmt.

Sie fühle sich dem Erbe ihres Vaters verpflichtet und „möchte dessen Werk in dem Familienunternehmen fortsetzen“, sagte Grotkamp, die in zweiter Ehe mit dem langjährigen WAZ-Geschäftsführer Günther Grotkamp verheiratet ist, am Dienstag im eigenen Blatt. Dem scheidenden Geschäftsführer Bodo Hombach wurde hinterhergechickt, dass man ihm unendlich danke für die zehnjährige Tätigkeit im drittgrößten Medienhaus der Republik, die „publizistisch und wirtschaftlich erfolgreich war“.

Das kann jedoch nur behaupten, wer die realen Zahlen ausblendet. Die WAZ Gruppe hat im abgelaufenen Jahr bei einem Umsatz von 1,1 Milliarden Euro mit 110 Millionen Gewinn wieder ordentlich verdient, aber wirklich rosig waren die Zeiten nicht. In der Mediengruppe gibt es eine erheblich Unwucht, weil vor allem die traditionellen Tageszeitungen mit großen Auflagenverlusten zu kämpfen haben. Dem steht zwar eine hoch profitable Mischung an bunten Blättern gegenüber, aber die alleine garantieren noch keine Zukunft, zumal man bei den neuen Medien bisher nur geübt und eher Geld verbrannt hat, ohne wirkliche Umsätze zu generieren. Diese Aufgaben müssen nun unter den neuen Eigentümerverhältnissen angepackt werden.

Der Deal dazu ging fast filmreif über die Bühne. Stefan Holthoff-Pförtner, der ebenfalls zu den Funkes gehört und bisher 16,67 Prozent am Verlag hielt, hatte wegen besonderer Finanznot einen Kredit über mehr als 80 Millionen ausgerechnet bei der Brost-Seite erbeten und auch bekommen – aber vergessen, dies der eigenen Sippe mitzuteilen. Ein Anonymus hatte Petra Grotkamp die entsprechenden Unterlagen im vergangenen Jahr diskret zukommen lassen. Weil sie wusste, dass die Brost-Erben im Gegensatz zu ihr nicht wirklich an die Zukunft des Zeitungsgeschäftes glaubten, machte sie das Angebot, deren Anteile für knapp 500 Millionen Euro zu übernehmen.

Als Testamentsvollstrecker der Brost-Erben prüfte Notar Peter Heinemann die Offerte ebenso widerwillig wie ausgiebig, ihm blieb am Ende aber nur die Kapitulation. „Erich Brost hätte im Traum nicht daran gedacht, seine Anteile an die Familie Grotkamp zu verkaufen“, ließ er sich zitieren, gab dann aber zu, dass er den Deal nur noch kurze Zeit hätte verzögern, aber eben nicht verhindern können.

Vergangene Woche hatten die Grotkamps dann das Geld für den Kauf zusammen. Neben den erheblichen Eigenmitteln von Petra Grotkamp beteiligen sich die Banken mit rund 170 Millionen und Martin Brost mit 60 Millionen. Martin Brost ist der Vater der drei verkaufenden Erben. Er wurde von seinem Vater erst aus dem WAZ-Imperium verbannt, dann mit einem reichlich dreistelligen Millionenbetrag ausgezahlt und hat seither Hausverbot im Konzern. Als bedeutender Kreditgeber ermöglicht er seinen Kindern jetzt ein sorgenfreies Leben außerhalb der Medienbranche und hat am Ende mitgeholfen, dass der Name seines Vaters zu einer Episode verkommt und nun alle Macht auf Seiten der Grotkamps liegt, die sich nur noch mit den beiden anderen 16,67-Prozent-Eignern Holthoff-Pförtner und Schubries einigen müssen.

Weil die sich in den vergangenen Jahren häufiger vor Gericht als bei Familienfesten getroffen haben, traut man in Essen dem neuen Frieden allerdings noch nicht so ganz.

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