Eigentümerwechsel nach Insolvenz : Alter Wein, neue Schläuche

Verkauf besiegelt, „Frankfurter Rundschau“ gerettet: Zeitung soll eigenständig und linksliberal bleiben.

von
Gemeinsame Zukunft. „Frankfurter Rundschau“ und „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ erscheinen künftig im selben Verlag. Foto: dpa
Gemeinsame Zukunft. „Frankfurter Rundschau“ und „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ erscheinen künftig im selben Verlag. Foto: dpaFoto: dpa

Die traditionsreiche „Frankfurter Rundschau“ ist gerettet. Sie soll auch nach der Übernahme durch die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) und die Frankfurter Societät GmbH unabhängig bleiben und ihr linksliberales Profil behalten. Dies sicherten Tobias Trevisan, Sprecher der Geschäftsführung der „FAZ“, und Hans Homrighausen, Geschäftsführer der Societät GmbH am Donnerstag im Frankfurter Presseclub zu, wo das neue Konzept für die insolvente Traditionszeitung vorgestellt wurde.

Nachdem das Bundeskartellamt am Mittwoch grünes Licht für eine Übernahme der „Rundschau“ durch den „FAZ“-Verlag und die Frankfurter Societät GmbH gegeben hatte, waren noch letzte, entscheidende Vertragsdetails wie beispielsweise die endgültige Höhe des Kaufpreises geklärt worden. Am Donnerstagmorgen meldete die „FAZ“ dann Vollzug. Zusammen mit der Societät GmbH löst sie das Kölner Medienhaus M. DuMont Schauberg („Berliner Zeitung“, „Kölner Stadt-Anzeiger“) und die SPD-Medienholding ddvg als Eigentümer ab.

Am Redaktionsstatut der „FR“ werde nicht gerüttelt, betonte Trevisan: „Die ,FR‘ bleibt unabhängig und bei ihrem politischen Profil. Wir haben keine Absicht, Einfluss auf die Redaktion zu nehmen.“ Garantiert würde dies auch durch die Beteiligung der Karl-Gerold-Stiftung, die künftig zehn Prozent an der neuen Frankfurter Rundschau GmbH hält. Als sich abgezeichnet habe, dass die „Rundschau“ unabhängig und bei ihrer politischen Linie bleiben solle und die Stiftung bei Personalentscheidungen für die Redaktion ein entscheidendes Mitspracherecht habe, sei klar gewesen, „dass wir diesen Weg mitgehen“, sagte der frühere „Rundschau“-Chefredakteur und Stiftungsvorsitzende Roderich Reifenrath.

Allerdings geht mit der Übernahme ein massiver Stellenabbau einher: Nur 28 Redakteure werden übernommen, rund 420 Mitarbeiter verlieren ihren Job, 300 Beschäftigte aus dem Verlag und der Druckerei wechseln nach Angaben des Insolvenzverwalters Frank Schmitt für ein halbes Jahr in eine Transfergesellschaft. Der Abbau der Arbeitsplätze sei schmerzlich, sagt Trevisan, aber nur durch die Entlastung der neuen „FR“ vom Druck- und Verlagsbereich sei die Zeitung wirtschaftlich zu führen. Wie viel die „FAZ“ für den Kauf der Markenrechte, die Übernahmen der Abonnentendaten und der Redaktion an den Insolvenzverwalter zahlt, wollten die Beteiligten am Donnerstag nicht sagen. „Wir haben etwas vor mit dieser Zeitung, wir glauben an die Marke und sehen uns in der Lage, die ,FR‘ wirtschaftlich erfolgreich zu führen“, versicherte der „FAZ“-Geschäftsführer. Dies soll auch durch die Bündelung des Anzeigengeschäfts erreicht werden, zu dem neben „FAZ“ und „Rundschau“ auch die „Frankfurter Neue Presse“ gehört. Allerdings räumte Trevisan auch ein, dass die an Abonnenten und am Kiosk verkaufte Auflage der am 1. August 1945 aus der Taufe gehobenen Zeitung mittlerweile auf 60 000 bis 70 000 Exemplare abgesackt ist. Vor zehn Jahren waren es noch mehr als 180 000.

Chefredakteur der „Rundschau“ bleibt vorerst der seit Sommer 2012 amtierende Arnd Festerling. Er will aber schon bald ins zweite Glied zurücktreten und sucht bereits gemeinsam mit Trevisan und Homrighausen einen Nachfolger. Auch wenn die Redaktionen von „FAZ“ und „FR“ künftig in Frankfurt im Haus der Societät unter einem Dach sitzen, sollen sie absolut getrennt arbeiten. „Es wird keinen Austausch geben“, sagte Trevisan. Deshalb und auch wegen der Zusage der politischen Unabhängigkeit sieht auch Festerling in der Übernahme durch die konservative „FAZ“ eine gute Lösung. „Wenn sich ein großes Verlagshaus die redaktionelle Trennung von Verlag und Redaktion in die Seele geschrieben hat, kann man nur froh sein.“ Dies sei nicht bei allen Bewerbern der Fall gewesen. Neben der „FAZ“ waren nach der Anmeldung der Insolvenz der „Rundschau“ Mitte November 2012 auch die „Süddeutsche Zeitung“ und der türkische Verleger Burak Akbay an der Traditionszeitung interessiert.

Festerling zufolge werden neben den regional in Frankfurt tätigen 28 Redakteuren etwa 70 freie Mitarbeiter und Autoren für die „FR“ arbeiten, unter anderem auch vom Pressedienst Frankfurt. Dort sind Journalisten dem Vernehmen nach zwar festangestellt, werden aber unter Tarif bezahlt. Gedruckt wird die „Rundschau“ ab 1. Mai bei der Societäts-Druckerei, die auch die „FAZ“ und „FNP“ produziert. Die „FR“ bleibe eine überregionale, linksliberale Zeitung mit gedruckter und digitaler Ausgabe, allerdings mit starker Verankerung im Rhein-Main-Gebiet, betonte Homrighausen.

Autor

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben