Medien : Ein Milliardär gibt auf

Zeitung „France-Soir“ erscheint nur noch online

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Auch Milliardären kann der Spaß am Geldausgeben vergehen. Alexander Pugatschow, Sohn des russischen Bankiers Sergeij Pugatschow und Eigentümer der französischen Zeitung „France-Soir“, will nicht mehr. Vielleicht aber ist es auch der Vater, der nicht mehr für das kostspielige Engagement des Sohnes an dem Boulevard-Blatt aufkommen möchte. So genau kennt niemand die Verhältnisse in der Oligarchen-Familie, doch als Verleger des „France-Soir“, den er 2008 für zehn Millionen Euro vor dem Konkurs bewahrte, will der 26-jährige Alexander jetzt die gedruckte Ausgabe der einstmals größten französischen Zeitung einstellen und sie nur noch online erscheinen lassen. 89 der 139 Arbeitsplätze sollen gestrichen werden. Als Reaktion auf die Ankündigung beschlossen die Redakteure einen spontanen Streik.

Es wäre das erste Mal, dass eine französische Zeitung sich vom Papier verabschiedet und nur noch online erscheint. Kürzlich hatte die kriselnde Wirtschaftszeitung „La Tribune“ bereits ihre Leser während der Urlaubszeit vorübergehend nur noch elektronisch bedient, um Kosten zu sparen.

Bei der Übernahme des „France-Soir“, der in seinen Glanzzeiten eine Auflage von 1,5 Millionen hatte und 2008 nur noch 25 000 Exemplare am Tag verkaufte, beeindruckte Pugatschow die Öffentlichkeit weniger mit verlegerischen Strategien als mit seinen Millionen. Er habe die Zeitung aus „reinem Snobismus“ gekauft, hieß es in der Branche. Erfahrung im Zeitungsgeschäft brachte der damals 23-jährige Absolvent der Amerikanischen Universität in Monaco jedenfalls nicht mit. Mit großem Werbeaufwand – als Redaktionssitz wählte er zum Beispiel eine teure Adresse an den Pariser Champs-Elysées – gelang es ihm zwar, Aufmerksamkeit zu erregen. Die verkaufte Auflage stieg auch auf 75 000 Exemplare im ersten Jahr. Doch sie blieb damit unter dem hoch gesteckten Ziel von 100 000, das auch mit Investitionen in neue redaktionelle Konzepte nicht erreicht wurde.

Insgesamt 60 Millionen Euro investierte Pugatschow in die Zeitung. Aus den roten Zahlen kam das Blatt aber nicht heraus. Die Verluste waren stets höher als der Umsatz. 2011 sollten insgesamt noch einmal 20 Millionen Euro investiert werden. Doch schon im August musste Alexander Pugatschow Gläubigerschutz beantragen. Hans-Hagen Bremer, Paris

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