Ein TV-Reich für eine Idee! : Couch! Autsch!

Es gibt unendlich viel Unterhaltung im deutschen Fernsehen. Was Neues gibt es kaum, sondern "Wetten, dass..?" und "DSDS" in steter Verlängerung. Ach ja, und dann gibt es da noch den "Unterhaltungs-Faschismus".

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Zwei Sensationen! Ist das nicht zu viel für einen ganz gewöhnlichen Montag? Bei „Wetten, dass..?“ wird die Couch raus-, bei „Deutschland sucht den Superstar“ Tokio Hotel in die Jury reingeschoben. Die ZDF-Show geht ins 32. Jahr, die RTL-Show in die zehnte Staffel. Beide Sendungen sind die jeweiligen Unterhaltungs-Flaggschiffe.

„The show must go on“, weil: „The show must go on.“ So schlicht ist die Logik dahinter. Das ZDF hat keine Idee für eine echte Novität, RTL hat auch keine. Beide Sender haben nur Einfälle, wie sie die früheren Quotenerfolge prolongieren können. Wobei, und das ist erstaunlich, das öffentlich-rechtliche ZDF mit dem neuen (Talk-)Moderator Markus Lanz das größere Risiko geht als die kommerzielle Konkurrenz mit Dieter „Teflon“ Bohlen.

Noch nie war so viel Show-Unterhaltung im Deutsch-TV. Am Samstag war Rekord. Die ARD schickte „Verstehen Sie Spaß?“ ins Rennen, das ZDF „Deutschlands Superhirn“, RTL „Das Supertalent“, Pro 7 „Schlag den Raab“. Zusammen addiert kamen die Shows auf fast 15 Millionen Zuschauer. Klingt gewaltig und gar nicht gewaltig, wenn RTL 5,28 Millionen Zuschauer zum Tagessieg reichen. Die Sender sagen dann immer: Der Fernsehmarkt ist fragmentiert in Angebote für bestimmte Zielgruppen. Alles ist gut.

Wirklich? Begreift man Show als Verkünstlichung von Welt und Wirklichkeit, hat die Fantasie keine Grenzen zu überwinden. Und schon hakt es. In den U-Redaktionen der öffentlich-rechtlichen Sender sitzen Legionen von U-Redakteuren. Deren Fantasie reicht so weit, beim „Musikantenstadl“ den „Unterhaltungs-Faschismus“, wie Peter Sloterdijk medialisierte Erniedrigungen nennt, eben nicht dreinzugeben, jedes Frage-und-Antwort-Format den „Siamesen“ Pflaume/Pilawa anzutragen. Müssten nicht alle hirnen, welche Show dem fehlgeleiteten Unterhaltungsgenie Thomas Gottschalk anzubieten wäre? Oder den großen Hape Kerkeling zu reanimieren, der sich so schrecklich rar gemacht hat?

Die „Wetten, dass..?“-Couch in den Sperrmüll zu geben, ist schon heute die Unterhaltungsidee des Jahres 2012.

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