"Eine unbeliebte Frau" : Nele-Neuhaus-Bestseller im ZDF

Mit ihren "Taunus"-Krimis sind Nele Neuhaus Bestseller gelungen. Jetzt läuft die zweite Verfilmung eines ihrer Bücher im ZDF: „Eine unbeliebte Frau“ stirbt, die Kommissare müssen in der High Society ermitteln.

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Eine verhängnisvolle Affäre hat Spediteur Döring (Jürgen Maurer) mit der Frau gehabt, die später tot aufgefunden wird. Kommissarin Pia Kirchhoff (Felicitas Woll) ermittelt. Foto: ZDF
Eine verhängnisvolle Affäre hat Spediteur Döring (Jürgen Maurer) mit der Frau gehabt, die später tot aufgefunden wird. Kommissarin...

Eine Frau hetzt durch ein Maisfeld. Eine Getriebene. Irgendwer ist hinter ihr her. Als sie das Maisfeld verlässt und kurz stehen bleibt, ist ein zischendes Geräusch zu hören. Sie fällt um wie ein schwerer Sack. „Sechs Stunden früher“ zeigen die Titel an und die Anfangssequenz beginnt: Wieder gleitet die Kamera über die dichten dunklen Wälder des hessischen Taunus und zeigt damit den Ort des Geschehens: Hier hat die Bestseller-Autorin Nele Neuhaus ihre „Taunus-Krimis“ angesiedelt – inzwischen haben sie allein in Deutschland eine Auflage in Millionenhöhe erreicht. Und hier, auf halber Höhe zwischen der Bankenmetropole Frankfurt am Main und der Landeshauptstadt Wiesbaden, ist die Kleinstadt Hofheim gelegen, hier ermitteln in der ZDF-Verfilmung des Bestsellers „Eine unbeliebte Frau“ Kommissar Oliver von Bodenstein (Tim Bergmann) und die jüngere Kollegin Pia Kirchhoff (Felicitas Woll) in ihrem zweiten Fall.

Zeitsprung: Die Kita-Kindergruppe unternimmt einen Ausflug, begibt sich in den verwunschen-mystischen Taunus. Parallel fährt Oberstaatsanwalt Hardenbach ebenfalls dorthin. Er hat sein Jagdgewehr mit. Dann steht ein Rehkitz auf einer Lichtung – ein Bild wie aus Grimms Märchen. Hardenbach lädt sein Jagdgewehr, die kleine Marie, die aus der Kita-Gruppe fortgelaufen ist, sieht das Rehkitz. Ein Schuss fällt, Blut spritzt auf das saftige Grün des Farns am Waldboden. Fortan gilt Marie als vermisst. „Die Kleine ist immer so verträumt - in ihrer Märchenwelt“ meint die aufgelöste Erzieherin später zu den beiden Kommissaren, als diese ihre Ermittlungen beginnen.

Hardenbach liebe die Jagd, sagt seine Frau Bettina (Ursula Karven) einmal nonchalant, während sie noch unwissend auf dem Reitgestüt Gut Waldhof des undurchsichtigen Großspediteurs Friedhelm Döring (Jürgen Maurer) an einem dieser mit weißen Decken versehenen Party-Tische steht und sich gelangweilt Champagner nachschenkt. Die High Society des Rhein-Main-Gebietes trifft sich. Sehen und gesehen werden. Allein in den Blicken, die diese Menschen sich hier untereinander zuwerfen, liegen Abgründe. Abgründe, die sich alsbald auftun.

„Eine unbeliebte Frau“, die zweite Fernseh-Adaption eines Nele-Neuhaus-Krimis – nach einem Drehbuch von Anna Tebbe von Regisseur Thomas Roth in Szene gesetzt – ist in dramaturgischem Aufbau und szenischem Setting der ersten Neuhaus-Verfilmung „Schneewittchen muss sterben“ ähnlich, wenngleich die dramaturgische Struktur hier noch etwas verwobener, komplexer und komplizierter ist.

Die kleine Marie ist die Tochter des Tierarztes Michael Kerstner (Arnd Klawitter), dessen Gattin Isabel es war, die eingangs durch das hohe Maisfeld hetzte. Und so, wie Oberstaatsanwalt Hardenbach tot im Taunus-Wald aufgefunden wird, so wird auch die schöne, allen Männern im halben Taunus den Kopf verdrehende Isabel Kerstner direkt unterhalb des Burgturms leblos gefunden. Sonderbarerweise mit nur einem Schuh.

Währenddessen ist Marie immer wieder in kurz einmontierten Sequenzen zu sehen, die sich durch den ganzen Film ziehen: Immer liegt sie auf dem Fußboden und blättert in einem Buch und hört dabei der sonoren Erzähl-Stimme von Hans Paetsch zu, der in den 1970er Jahren einst Kindermärchen auf Europa-Hörspiel-Kassetten las, und von „Hui Buh, das Schloßgespenst“ erzählte. Nun lauscht Marie Paetschs eindringlicher Stimme bei Grimms Märchen „Aschenputtel“.

Auch in diesem hessischen Heimat-Dorf-Krimi zieht sich der Wald leitmotivisch durch den Film, ist es das Märchenhafte, das Mystische, das hier stets mitschwingt. Doch der Auftakt, „Schneewittchen muss sterben“, war stärker und bildgewaltiger, war dichter erzählt, feiner in der Figuren-Zeichnung. Es bleibt abzuwarten, wie sich das neue eigenwillige, durchaus sehr sympathische Hofheimer Kommissars-Duo in den Nele-Neuhaus-Adaptionen weiter entwickelt.

„Eine unbeliebte Frau“, ZDF, 20 Uhr 15

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