Ex-Spiegel-Chef : "Das kratzt mich wenig"

Stefan Aust sagt, wie es wirklich war: Nicht die SPD - die "Spiegel"-Gesellschafter haben ihn gestürzt. Für Aust ist das Schnee von gestern.

Herr Aust, die Aufregung ist groß. „Cicero“-Autor Erich Wiedemann schreibt, Sie hätten ihm die These anvertraut, die SPD sei an Ihrem Sturz als „Spiegel“-Chefredakteur schuld. Sie haben das sofort und heftig dementiert. Also: Hat Kurt Beck Stefan Aust wirklich gestürzt?

Ich habe Herrn Wiedemann überhaupt keine These anvertraut. Wir haben im Rahmen eines Hintergrundgespräches auch über das Gerücht gesprochen, die SPD hätte auf irgendeine Weise die Hände im Spiel gehabt. Ich habe mir diese These keinesfalls zu eigen gemacht. Die in „Cicero“ aufgestellte – und trotz meines eindeutigen Dementis – vielfach weiterverbreitete Behauptung, ich hätte die SPD für meine Ablösung verantwortlich gemacht, ist falsch. Auch bei den mir von Herrn Wiedemann vorgelegten Zitaten ist in keinem Punkt von der SPD auch nur die Rede. Insofern ist die inzwischen von „Cicero“ verbreitete Aussage, ich hätte versichert, meine Zitate seien richtig wiedergegeben worden, grob irreführend: Die Zitate sind korrekt wiedergegeben, doch in den Zitaten kommt die SPD nicht vor.

Wenn es nicht die SPD war, wer war es dann?

Was meinen Abschied vom „Spiegel“ anbetrifft: Die Gesellschafter haben Ende vergangenen Jahres beschlossen, von der in meinem Vertrag vorgesehenen (und von mir unterschriebenen) Kündigungsfrist zum Ablauf von drei (statt fünf) Jahren Gebrauch zu machen. Das war ihr gutes Recht. Und auch für mich war es nicht schlecht, die Möglichkeit zu erhalten, noch etwas Neues zu beginnen. Wenn die Vorgehensweise etwas fairer und geschickter gewesen wäre, hätte es nicht das geringste Problem gegeben. Aber das ist jetzt Vergangenheit.

Liegt Erich Wiedemann wirklich völlig falsch mit seinem Text? Immerhin hat er 28 Jahre lang beim „Spiegel“ gearbeitet und kennt Sie aus der Nähe. Das Genre „Verschwörungstheorie“ war und ist auch Stefan Aust nicht fremd.

Der Text enthält eine Menge Fehler oder Ungenauigkeiten. Als Betroffener kann ich damit leben. Als Verantwortlicher muss ich das ja glücklicherweise nicht mehr. Ich bin generell recherchierender Journalist, der sich um Fakten kümmert. Für Verschwörungstheorien bin ich nicht zuständig.

Worauf muss sich „Cicero“ einstellen?

Ich werde juristisch gegen falsche Behauptungen vorgehen.

Egal, wie die Causa ausgeht, die Marke „Stefan Aust“ hat einen kleinen Kratzer abbekommen, finden Sie nicht auch?

Das kratzt mich wenig.

Was machen Sie, wenn Sie sich nicht gerade mit „Cicero“ streiten? In Ihrem Haus soll ein Schneidetisch aufgestellt worden sein.

Eigentlich habe ich keine Lust, mich mit „Cicero“ oder anderen zu streiten. Auch will ich keine nachträgliche Auseinandersetzung mit irgendjemandem beim „Spiegel“ oder sonstwo. Deshalb gibt der Artikel von Erich Wiedemann meine gegenwärtige Situation völlig falsch wieder. Ich habe einen Wahlspruch, der heißt: „Hinterm Pflug ist geackert.“ Ich habe 20 wunderbare Jahre beim „Spiegel“ und bei Spiegel TV gehabt. Ob das nun zwei oder drei Jahre früher zu Ende war oder nicht, macht keinen großen Unterschied. Man wollte eine Verjüngung an der Spitze, das war und ist in Ordnung. Die Umstände hätte man sich etwas anders gewünscht, aber das ist ja nun auch Vergangenheit. Ich blicke nach vorn, da gibt es reichlich zu tun. Dass ich mir eine Schnitteinheit zugelegt habe, ist richtig. Ich bin nämlich nach wie vor ein Journalist, der schreibt und Filme macht. Das werde ich auch weiterhin tun.

Das Interview führte Joachim Huber.

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