Fan wird Finanzier : "Bild" will mit Bundesliga Online-Abos pushen

Mit dem neuen Angebot „Bundesliga bei Bild“ will die Zeitung aus dem Springer-Verlag die Abozahlen bei „Bildplus“ steigern und den TV-Sendern Konkurrenz machen.

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Vorhang auf, Bezahlschranke runter: „Freemium“ nennt sich das Modell, das die „Bild“-Zeitung am heutigen Montag vorstellen will. Foto: dpa
Vorhang auf, Bezahlschranke runter: „Freemium“ nennt sich das Modell, das die „Bild“-Zeitung am heutigen Montag vorstellen will....Foto: picture-alliance/ dpa

Der Motor von „Bildplus“ läuft noch nicht rund. Zwar will der Axel Springer Verlag keine Zahlen nennen, doch was aus den Kulissen über den Bezahl-Sektor von bild.de dringt, klingt nicht nach lautem Jubel über die Abo-Zahlen. Jetzt aber kommt frisches Benzin in den Tank. Fußball-Bundesliga heißt die Sorte. Mit dem Start der zweiten Liga am 19. Juli, spätestens mit dem Eröffnungsspiel der Eliteklasse am 9. August will bild.de mit „Bundesliga bei Bild“ die Portemonnaies der Fans öffnen. Das neue Angebot für 2,99 Euro im Monat gibt es allerdings nur – und da ähnelt die Springer-Strategie stark der Denke des Pay-TV-Senders Sky – in Kombination mit einem „Bildplus“-Abo. Das ist in die Preislagen von 4,99 bis 14,99 Euro im Monat sortiert. Was am Freitag, Samstag, Sonntag kostet, kann dann von Montag bis Donnerstag bei bild.de ohne Abo-Bindung geklickt werden.

Den Kern von „Bundesliga bei Bild“ bilden Highlight-Clips von 617 Spielen in der Saison 2013/14. Offeriert werden Kurz- und Langfassungen zwischen 90 Sekunden und maximal sechs Minuten, sieht es der über vier Jahre geschlossene Rechtervertrag mit der Deutschen Fußball Liga vor. Der Preis wird mit 20 Millionen Euro kolportiert. Die erworbene Lizenz erlaubt es der „Bild“-Bundesliga-Mannschaft um Boris Starck, genau eine Stunde nach dem Ende einer jeden Partie auf allen digitalen Kanälen – Web, Smartphone, Tablet, Smart-TV – Bewegtbilder zu diesem Spiel online zu stellen. Die Macher wiesen bei der Pressekonferenz am Mittwoch in Berlin wieder und wieder darauf hin, was der Vorteil ihrer Bundesliga-Berichterstattung sei: Anders als bei der Spieltags-Zusammenfassung bei Sky oder in der ARD-„Sportschau“ rollt das Geschehen nicht linear ab, was für den Fan qualvoll sein kann, wenn er just auf die Begegnung seines Lieblingsklubs wartet. Bei der „Bild“-Bundesliga kann nach eigener Präferenz aus den Partien ausgewählt werden, „Fans können damit ihren persönlichen Spieltag erleben“, heißt es in der Eigenwerbung.

Trotz Begeisterung keine Jubel-Plattform

Die Spielberichte, die die bewährten, professionellen Bundesliga-TV-Aufbereiter Plaza Media und Sport 1 in München produzieren, kommentieren unter anderem Jörg Dahlmann, Thomas Herrmann und Hansi Küpper. Die Clips werden quasi mit einer ganzen „Bundesliga-Welt“ ummäntelt. Im Videoplayer kann der Nutzer zwischen den Höhepunkten einer Partie hin und her springen, mit interaktiven Foren, Analysen und weiteren Angeboten soll er schier auf jede Frage eine befriedigende Antwort bekommen. Das Gesamtpaket richtet sich an den emotionalen und emotionalisierbaren Manndecker des Fußballsports, nicht an den Skeptiker des Fußballgeschäfts. Wie viele Menschen am Produkt arbeiten, was es Springer kostet, darüber schwiegen sich die Verantwortlichen aus.

Wichtiger war ihnen die Botschaft, dass „Bundesliga bei Bild“ bei aller tiefgehenden Begeisterung für den Sport nicht eine Jubel-Plattform aufmacht. Ehrlich, ehrlicher, am ehrlichsten sollen Spiel, Spiele und Begleitumstände gezeigt, kommentiert und reportiert werden. Ein mieser Kick bleibt auch bei „Bild“-Liga ein mieser Kick, lautet die Ansage.

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