Fernsehfilm für Frauen : Sex and the City in Berlin

Romantik und Drama: „Frauenherzen“ sorgt sich um einsame Großstädterinnen. Nicht schlecht, aber "Männerherzen" war besser.

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Ohne Kuscheln und Frühstück: Frieda (Julia Hartmann) mag Männer – aber nur für eine Nacht. Foto: Sat 1
Ohne Kuscheln und Frühstück: Frieda (Julia Hartmann) mag Männer – aber nur für eine Nacht. Foto: Sat 1

Mit der Anspielung auf „Männerherzen“ hat Sat 1 diesem Film keinen Gefallen getan. Auch wenn die Produktionsfirma (Wiedemann & Berg) in beiden Fällen die gleiche ist: Von der Spritzigkeit des Kinohits, der Qualität seiner Dialoge und dem Gespür für Situationskomik ist „Frauenherzen“ dann doch ein gutes Stück entfernt. Und bei allem Respekt vor Valerie Niehaus, Nadeshda Brennicke und Anna Fischer: Til Schweiger, Christian Ulmen und Wotan Wilke Möhring spielen in einer ganz anderen Liga. Dennoch ist das romantische Sat-1-Drama sehenswert, zumal das Drehbuch trotz eines halbes Dutzends Erzählstränge einen gewissen Tiefgang bietet. Die einzelnen Schicksale sind zwar nicht frei von Klischees, laden aber gerade deshalb zur Identifikation ein.

Autorin Astrid Ruppert beschreibt verschiedene Varianten der typischen Einsamkeit von Großstädterinnen im spätsommerlichen Berlin: Weil ihr Mann seit Wochen den Sex verweigert, ist Karo (Valerie Niehaus) überzeugt, er habe eine andere; dabei traut sich der gute Gatte (Siegfried Terpoorten) bloß nicht zu gestehen, dass er pleite ist. Die alleinerziehende junge Charlie (Anna Fischer) braucht dringend einen Job, sonst muss sie akzeptieren, dass ihr Lebensplan gescheitert ist, und reumütig in die Lüneburger Heide zurückkehren. Die dicke Friseurin Mandy (Marie Schöneburg) träumt vom Traumprinzen. Café-Besitzerin Frieda (Julia Hartmann) hat ständig wechselnde Männerbekanntschaften, ist im Grunde aber schrecklich einsam, weil sie davor zurückschreckt, sich auf eine Beziehung einzulassen. Und Model-Agentin Fe (Nadeshda Brennicke) ist derart fixiert auf ihre Karriere, dass sie sehenden Auges in Kauf nimmt, wie ihre Ehe mit Mark (Tobias Oertel) den Bach runtergeht.

Regisseurin Sophie Allet-Coche („Der letzte Bulle“, „Alle lieben Jimmy“) hat in vielen Serienfolgen bewiesen, wie gut sie komische und tragische Elemente miteinander verknüpfen kann. Gemessen etwa an „Doctor’s Diary“ ist das Tempo von „Frauenherzen“ trotz der munteren Szenenwechsel allerdings überschaubar. Der Film lebt vor allem von der harmonischen Verknüpfung der verschiedenen Handlungsebenen, die keineswegs bloß episodisch nebeneinanderher laufen: Karo und Charlie kennen sich aus dem Kindergarten, Mandy verliebt sich in Friedas Café in einen charmanten jungen Blinden (Steve Windolf), der jedoch die nächste Verabredung platzen lässt, und Fe landet im Verlauf ihrer Suche nach einem Domizil für ein labiles Model (Julia Dietze) bei Karo, die überzeugt ist, dass ihr Mann schon den Auszug aus dem gemeinsamen Traumhaus plant.

Und so liegt der Reiz des Films vor allem in seiner Handlungsvielfalt, weil Buch und Regie die einzelnen Geschichten immer wieder durch komische oder tragische Details ergänzen; und selbstredend enden alle Erzählstränge mit der Hoffnung auf einen guten Schluss.

„Frauenherzen“, Sat 1, Dienstag, 20 Uhr 15

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